Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1918-07-26 · 30 (26.7.1918) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
30 (26.7.1918)
Date
1918-07-26
Page
Seite 348 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9072829-9102973-9138390--02218-9075040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

348 Das Jüdische Echo Nr. 30 Stellung bei den Eisenbahnen und in den deutschen Fabriken der Stadt. Manche fanden Beschäftigung in Schreibbureaus, eine große Anzahl wurde in Arbeiterbataillone für Straßenbau und Forstarbeiten nach Kurland, Gouvernement Kowno und Suwal'ki befördert; andere wieder sind nach Deutschland zum Arbeiten in Kohlengruben, Sägemühlen u. dgl. geschickt worden. Aber sehr wenige Handwerker und Arbeiter konnten Beschäftigung in ihrem eigentlichen Fach bekommen und dementsprechend gebührend entlohnt werden. Es wurde ein Arbeitsamt in der Stadt für Juden und Christen geschaffen, doch waren die Arbeitsbedingungen für die Ersteren weit ungünstiger als für die Letzteren, besonders zu der Zeit, da die Polen noch die Oberhand in der Stadtverwaltung hatten. Später bildete sich unter der Leitung von Hermann Struck und seines Vertreters Herrn Eisemann, eine besondere Kommission beim iüdischen Zentralkomitee, welche es sich zur Aufgabe machte, jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen, wie Zigarettenmacher und dergl. nach Deutschland zu befördern. Jedenfalls sorgten die Vertreter der jüdischen Gesellschaft dafür, daß die armen Juden nicht nur mit Almosen, sondern durch Zuweisung produktiver Arbeit unterstützt werden. Die Gesellschaft „Hilfe durch Arbeit“ hat trotz der äußeren Knappheit und hoher Preissteigerung aller Rohmaterialien so viel für die jüdischen Arbeiter geleistet, daß sie auch bei der christlichen Bevölkerung Bewunderung hervorrief. Eine große Rolle haben hierbei die Wilnaer Arbeiter-Häuser gespielt, die von den Deutschen im Sommer 1915 als Ausstellung gegründet wurden und bis jetzt als beständige Arbeits-Anstalten mit großem Erfolg bestehen. Die technischen Kurse der „Mefize Haskala“ bildete eine Anzahl Elektro-Monteure aus. die zum Teil in Wilna, zum Teil in anderen Städten Deutschlands Beschäftigung fanden. Im Oktober 1917 wurde der Grund für ein künftiges jüdisches Technikum gelegt. Dank den Bemühungen des deutschen Rabbiners Dr. Lewy wurden in einer Kolonie bei Nowowileisk etwa 60 jüdische junge Leute zu landwirtschaftlichen Arbeiten ausgebildet und erhielten noch nebenbei allgemeine Bildung und Verpflegung. Unter dem Druck der Arbeitslosigkeit, Lebensmittelteuerung und der ungewöhnlichen Kriegslage sank leider in vieler Hinsicht auch der moralische Zustand mancher Juden. Schmuggel und ähnliche Erwerbstätigkeit, kleine Börsen in bestimmten Gassen, Kneipen am Bahnhof und in anderen Stadtbezirken verliehen dem kaufmännischen Teil der Wilnaer Juden ein eigenartiges Gepräge. Zerlumpte Kinder und Burschen stehen dutzendweise bei der Bahn und den Gasthäusern, um sich einige Kopeken mit Gepäckbeförderung und dergl. zu verdienen und das Geld nachher in den nächstliegenden Kneipen auszugeben. In der ersten Zeit, als man das Bier noch frei verkaufen durfte, waren solche Kneipen fast überall mit weiblicher Bedienung. Auf den Straßen begegnete man Dirnen in einer in Wilna bisher noch nie dagewesenen Anzahl. Später entstanden an den Abenden Orgien mit Gesang und Tanz bis 5 Uhr morgens — angeblich für Wohltätigkeitsveranstaltungen —, in Wirklichkeit aber zu ganz andren Zwecken. Zum Glück ist es der jüdischen kulturellen Bewegung gelungen, diesem zügellosen Treiben entgegenzuwirken, und somit die ökonomische Lage es gestattete, für die Erziehung der jüdischen Jugend und der Volksmassen zu sorgen. Nicht nur in Dutzenden von Schulen und Chedarim, sondern auch in den finsteren Wohnungen suchte man die Jugend zu belehren und in ihr menschliche und jüdische Ideale zu pflanzen. Die Abendschule für Erwachsene, die in Wilna noch vor dem Kriege seit vielen Jahren bestand, hat auch während des Krieges unter den schwierigsten Bedingungen Hunderten von Arbeitern und Arbeiterinnen elementare Bildung und systematische Fachkenntnisse in Klasenunterricht und allgemeinen Vorträgen verschafft. Die beiden Volksuniversitäten, obwohl sie einige Monate nach ihrer Gründung aus gewissen Gründen geschlossen werden mußten, gaben den Ansporn für die Errichtung einer Anzahl anderer literarischer und kultureller Unternehmungen und Anstalten. Das jü- 5®X£><2aCS><2X9<2ycS>exaBSGX9ex9)5E<2acS><2XS<2XS©X9» i tKgf. ‘Bayer. ‘Porzeffan* i PJlanafaßtar Tlympßenbarg 5 {Hauptniederlage QUjinchen: Odeonspfat} 1 Gjj Kunst* u. ßuxusgegenstände, Tafel•, bessert», X Kaffee* a. Teegeschirre, Figuren, 5rappen eic. K 0 aadS aßen ‘RympHenburger Original-Modellen. 3 g {Außerdem neue Formen und Flodefle nach Gnt* © 'A würfen erster FKünchner Künstler. V! VERLANGEN SIE TELEPHON fieraiano und Vcrmillldiiö von Verslcheruniien Crimraslr. 4/I. E. CAI. xx===ooooooooaoc==oj Moderne Kflchen- Eimicliliinp in gediegener preiswerter Ausführung Eduard Ran SohlMsl’s Stchsn- und Wirtschaft - ZÜnrlchtugs - Uagacis München KaüIfDgerstr.9 Passage Sch&sstil XX. —x-rraonnnnor- Knüll hei ansern Inserenten KönigI. Payer. Lotterieeinnahme der Preuss.- Siidd. Klassen-Lotterie A. Ostermaier. München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschält Beginn der 12. (238.) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 9. u. 10. Juli 1918, 2. Klasse am 13. u. 14. August 1918, 3. Klasse am 10. u. 11. Sept. 1918, 4. Klasse am 8. u. 9. Okt. 19l8, 5. Klasse (Haupt- und Schlußziehung) beginnt am 8. Nov. und endet am 4. Dez. 1918. Lose in grofler Auswahl stets vorrätig. Preis für die 1. Klasse; für Vs lU Va Vj 5 10 20 40 M Bel den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzubezahlen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.