Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 29 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- Seite 340 (sequence 8)
- Language
- German
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340 Das Jüdische Echo Nr. 29 Die veränderte Haltung der Liga wird auch durch eine Rede eines ihrer Führer deutlich demonstriert. In einem Referat über die Zukunft Palästinas schließt Dr. Isr. Abrahams sich den allgemein-jüdischen und politischen Ansichten an. Palästina, so führte er aus, müsse ein freier Staat werden, wo jeder, ohne Rücksicht auf Religion und Rasse, Bürgerrechte erlangen kann. Er hoffe, daß es der staatsmännischen Weisheit Weizmanns gelingen möge, die noch vorhandenen Schwierigkeiten, wie die Araberfrage und die Frage der jüdischen Arbeiter, zu überwinden. Eine zionistische Schiffahrtsgesellschaft. Russische Zionisten haben mit einem Kapital von fünf Millionen Rubel eine Schiffahrtsgesellschaft begründet, welche den Verkehr zwischen dem Schwarzen Meer und Palästina vermitteln soll. (Jüdisches Korrespondenzbureau im Haag.) Ein neuer Oberrabbiner in Amsterdam. Zum Oberrabbiner von Amsterdan wurde Dr. Esscher gewählt. Er ist erklärter Zionist. Ost-Europa. Die Pogromaufforderungen in Polen. Die Abg. Cohn und N o s k e wiesen in einer Anfrage an den Reichstag auf die in den Straßen von Warschau und Lodz erschienenen Maueranschläge hin, in denen die Bevölkerung zu Pogromen aufgefordert wurde und fragten was der Reichskanzler zu tun gedenke, um derartige unter den Augen der deutschen Regierung erlassene Aufforderungen zu Gewalttaten zu verhüten. Ist der Herr Reichskanzler bereit, auch im Interesse Polens selber, seinen großen Einfluß auf die polnische Regierung dahin auszuüben, daß sie für die Folge energisch gegen die Urheber von Pogromaufrufen vorgeht und nichts unterläßt, was die Wiederholung solch beschämender Vorgänge zu verhindern geeignet ist? Falls die Tagespresse genau unterrichtet ist, lautete die Antwort des Regierungsvertreters hierauf nur, die deutsche Regierung lasse solche Anschläge möglichst sofort beseitigen, doch reiche das Personal für diese Beseitigung nicht immer aus. Die Minoritäten im größeren Litauen. Wie die Berliner „Neuen Jüdischen Monatshefte“ mitteilen, hat der Reichskommissar für die Ostgebiete und Litauen, v. Falkenhausen, am 6. Juli die Herren Adolf Friedemann und Prof. Dr. Moritz Sobernheim vom „Komitee für den Osten“ empfangen und ihnen folgendes erklärt: „Wir verkennen nicht die große Wichtigkeit des Ostjudenproblems. Grundsätzlich überläßt die kaiserliche Regierung dem soeben anerkannten litauischen Staat die endgültige Regelung seiner inneren Verhältnisse. Das schließt indessen nicht aus, daß sie beim inneren Ausbau gemäß den Wünschen des Landesrates mitwirkt und ihren Einfluß für die berechtigten Wünsche des Judentums einsetzt, wie sie dies übrigens auch bisher getan hat. In dem Litauen größeren Umfanges, das voraussichtlich bei der endgültigen Regelung der Verhältnisse im Osten entstehen wird, muß allen nationalen Minoritäten ihr Recht auf bürgerliche Gleichberechtigung, freie Religionsübung und Pflege ihrer Eigenart und Überlieferungen voll gewahrt werden. Deshalb soll auch der jüdischen Nationalität das Recht auf selbständige Ordnung ihrer kulturellen Angelegenheiten, also eine weitgehende kulturelle Autonomie zustehen, und sie kann darüber hinaus auf Zugeständnisse z. B. auf dem Gebiete der Selbstbesteuerung für ihre eigenen Angelegenheiten rechnen. Die Regierung verfolgt die nach dieser Richtung hin geäußerten Wünsche mit ihrer vollen Sympathie. Sie teilt auch die auf berufliche Umschichtung der Juden Litauens gerichteten Wünsche und ist bereit, die auf landwirtschaftliche Betätigung gerichteten Bestrebungen nachdrücklichst zu fördern“. Der Reichskommissar wies dann noch darauf hin, daß schon die gegenwärtige Verwaltung Litauens ihr Wohlwollen für die jüdische Bevölkerung durch zahlreiche Maßnahmen erwiesen, desgleichen bei Beginn ihrer Tätigkeit die volle Gleichberechtigung mit der übrigen Bevölkerung verkündet und alle einschränkenden Bestimmungen der russischen Judengesetzgebung außer Kraft gesetzt habe. Ein besonderes Referat für Juden-Angelegenheiten sei errichtet, und auf dem Gebiete der Schulen sei der jiidischfen Eigenart nach Möglichkeit Rechnung getragen worden. Der Arbeiterfürsorge und den Wohlfahrtsbestrebungen der jüdischen Komitees werde volles Interesse zugewandt. Der Reichskommissar gab zum Schlüsse der Hoffnung Ausdruck, daß es dem gegenwärtigen Entgegenkommen aller litauischen Nationalitäten bald gelingen werde, die durch den Krieg geschaffenen Wunden zu heilen und das an Hilfsquellen reiche Land einer freundlichen Zukunft entgegenzuführen. Eine Erklärung der englischen Regierung zur Judenfrage in Osteuropa. Zwei führende jüdische Organisationen in England schrieben an Minister Balfour, daß während die alliierten Regierungen von den Beschwerden gewisser unterdrückter Völker wie der Polen, Serben und Tschechen Kenntnis nahmen und ihre völlige Genugtuung versprachen, keine derartige Erklärung bezüglich der großen jüdischen Gemeinschaften in Ost- und Südosteuropa abgegeben wurde, die unter noch größerer Unterdrückung leiden. Die Vereinigungen fügten hinzu, daß die Politik der Alliierten bezüglich Palästinas dieses Problem nur in beschränktem Maße berühre, da die überwiegende Mehrheit der Juden in Ost- und Südosteuropa in ihren Geburtsländern zu bleiben wünschen. Außerdem müßten sie befürchten, daß die Antisemiten in Polen und Rumänien die Palästinaerklärung der Alliierten als eine Einladung betrachten würden, die Judenfrage nach Emigration der Juden zu lösen. Hierauf antwortete Balfour am 28. Juni: „Seiner Majestät Regierung empfindet die innigste Sympathie für die Emanzipation der Juden in Ost- und Südosteuropa und wird bestrebt sein, alles, was in ihrer Macht liegt, aufzubieten, um eine gerechte und dauerhafte Lösung der Iudenfrage in allen betroffenen Ländern zu sichern.“ (J. K. B.) Welt-Echo Die Judenfrage in Rumänien. Die holländische Preßagentur meldet aus Bukarest, daß man heftige vv\mirefte ^e^atten Hei der Erörterung des Art. äaVIU des Bukarester Friedens Vertrages im rumänischen Parlamente erwarte. Der Bukarester Friedensvertrag habe eine heftige antisemitische Agitation in Lande zur Folge gehabt. Hie Presse der neutralen Länder beweist durch ihie Haltung gegenüber der rumänischen Juden-