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Das jüdische Echo · 1918-07-19 · 29 (19.7.1918) · p. Seite 339

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 339 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdisch« Echo 339 Ich bringe euch die Grüße meines Vaters, der durch alle 3 Jahre um den Jischuw, der ihm tief ins Herz gewachsen ist, bangte. Auch ich, wenn ich Palästina und die Juden dieses Landes sehe, die das schwere Leid von drei Kriegsjahren nicht zu beugen vermochte, werde stolz darauf sein, einem derartigen Volke anzugehören. Ein solches Volk muß eine große Zukunft haben“. Die Lage in Jerusalem. Aus einem Berichte der Palästinahilfskommission: Jerusalem hatte bekanntlich bisher keine Wasserleitung. Die englische Verwaltung läßt nun Anlagen hersteilen, die Jerusalem mit Wasser aus Birket Arab versehen werden. Die Kosten trägt die englische Regierung. Eine moderne Kanalisationsanlage, die dringend nötig war, ist in Bau. Auch die Reinigung der Straßen wird gründlich und regelmäßig durchgeführt. Die Schlachthäuser wurden umgebaut. Das Schlachten kann jetzt nach hygienischen Grundsätzen erfolgen. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung ist befriedigend. Dank der Hilfe der Regierung kommen Sterbefälle aus Hunger nicht mehr vor. „Near East“, vom 24. Mai bringt eine Korrespondenz aus Kairo, daß, wiewohl in diesem Winter wenig und spät gesät wurde, die Ernte ungemein günstig ausfallen dürfte. Das Land wird sich und die Truppen bald selbst mit Früchten, Weizen und Gemüse versehen können. Das Gerichtswesen in Palästina. Der „Times“ wird aus Kairo unterm 20. Juni gemeldet: Die Wiedereröffnung der bürgerlichen Gerichtshöfe im besetzten Teile Palästinas ist angekündigt. Das Personal wird eine gewisse Anzahl englischer Offiziere umfassen, die juridische Erfahrung besitzen und der arabischen Sprache mächtig sind, während der übrige Beamtenstab, soweit es nur möglich ist, der Bevölkerung entnommen wird. Das Gehalt der örtlichen Beamten wird ansehnlich erhöht werden, um die Korruption, die unter dem türkischen Regime bestand, unmöglich zu machen. Die Gerichtshöfe werden unter ständiger Kontrolle stehen. Sie werden das ortsübliche Recht sprechen, das in seiner Art ungeändert bleiben wird. Die Gerichtshöfe für die Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften behalten die Jurisdiktion dieser Gemeinschaften. Frauenwahlrecht in Palästina. Bei den Wahlen, die unlängst in den jüdischen Kolonien in Jaffa durchgeführt wurden, wurde den Frauen das aktive und passive Wahlrecht eingeräumt. Eine Lesehalle in Jerusalem. Wie der „Manchester Guardian“ berichtet, haben die Jerusalemer Behörden eine Lesehalle eröffnet, in der europäische und arabische Zeitungen und die letzten Depeschen in hebräischer Übersetzung ausliegen. Die Bevölkerung ist zufrieden und einig. Die alten Zwistigkeiten zwischen den Kehillas sind beigelegt. Landkäufe amerikanischer Juden in Palästina. Wie die amerikanisch-jüdische Presse berichtet, macht sich augenblicklich ein reges Interesse für Landkäufe in Palästina unter den amerikanischen Juden geltend. Ein reicher Kaufmann in San Francisco, Leopold Michels, hat in der Nähe von Jericho eine Obstplantage von 100 Ackern Ausdehnung zum Preise von 100 Dollars per Acker gekauft. Seinem Beispiel soll bereits ein anderer der reichsten jüdischen Bürger von San Francisco gefolgt sein. Zionismus. Die Ziele des Zionismus. (Eine Erklärung des Londoner Bureaus der zionistischen Organisation.) Das Jüdische Korrespondenz-Bureau im Haag berichtet: Das Londoner Bureau der zionistischen Organisation wünscht verschiedene fehlerhafte Behauptungen, die gelegentlich einer Versammlung des „Bundes britischer Juden“ geäußert wurden, richtig zu stellen. Die Zionisten wünschen nicht einen Staat zu gründen. Das offizielle Programm, das durch die Delegierten des ersten zionistischen Kongresses 1897 in Basel einstimmig angenommen wurde, erklärt als Ziel des Zionismus eine öiientlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu schaffen. Die Erklärung der englischen Regierung vom 2. November 1917 bezüglich Palästinas, die mit solcher Begeisterung durch die Zionisten der ganzen Welt begrüßt wurde, stimmt in jeder Hinsicht mit diesem Programm überein. Die Zionisten beabsichtigen am allerwenigsten die Zugehörigkeit zu einer Nation oder Religion zur Vorbedingung der bürgerlichen Rechte in Palästina zu machen. Die Zionisten verlangen nicht, daß die Juden Palästinas irgendeine politische Kontrolle über die Juden in anderen Ländern ausüben sollen. Die Orthodoxie und Palästina. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet: In Paris hat sich eine Vereinigung von orthodoxen Juden begründet, die sich „Chawei-Zion“ nennt und die Propaganda für den Zionismus bezweckt. Der Ehrenvorsitzende der Vereinigung ist der Großrabbiner von Frankreich, Camille Levy. Der Vorstand besteht aus den Mitgliedern des Rabbinats E. Weill und Weinkopf, dem Dichter Edm. Fleg. dem Bakteriologen Haffkine, Frl. Schach u. a. Eine Resolution des Misrachi. Bei ihrer kürzlichen Sitzung in Zürich faßten die Schweizer Misrachisten folgenden Beschluß: „Die in Zürich am 23. Juni versammelten Misrachivertreter der Schweiz, welche die Verwirklichung des Basler zionistischen Programms im Geiste des überlieferten Judentums erstreben, erklären es als Pflicht eines jeden Juden, in einem Augenblicke, wo die Wiedergeburt des jüdischen Volkes auf jüdischem Boden in erreichbare Nähe gerückt ist, an diesem Werke mit allen Kräften mitzuwirken.“ Die Liga der britischen Juden. Die Liga der britischen Juden, welche nach der Erklärung Balfours mit dem Programm der Kolonisation Palästinas, aber der Bekämpfung der jüdisch-nationalen Idee errichtet wurde, sandte folgendes Telegramm an das „American Jewish Committee“, nachdem dieses vor wenigen Wochen erklärt hatte, sich nach Balfours Erklärung mit den Zionisten zu gemeinsamer Arbeit verbünden zu wollen. „Obzwar wir an den Einzelheiten noch manches auszusetzen haben, was wir brieflich mitteilen und worüber wir uns sicherlich einigen werden, wünschen wir Ihnen zu erklären, daß wir mit Ihrer Resolution zur Palästinafrage vollständig einverstanden und zur Mitarbeit mit Ihnen bereit sind“.

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