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Das jüdische Echo · 1918-07-19 · 29 (19.7.1918) · p. Seite 341

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 341 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdisch« Echo 341 frage, daß sie diese durchaus nicht als eine interne Staatsangelegenheit auffaßt, sondern als eine solche, die an das Gewissen der gesamten europäischen Menschheit appelliert. So schreibt der Haager „Nieuwe Courant“: „Marghiloman hat mit keinem Wort die Emanzipation der Juden erwähnt. Soll sie wieder auf die lange Bahn geschoben werden?“ Auch andere neutrale Blätter geben ihrer Enttäuschung über das Verhalten Rumäniens Ausdruck. Ein neues Waisenhaus in New York. Am 1. Mai wurde in New York ein neues Waisenhaus, das Beth Israel Waisenhaus eröffnet, das 500 jüdischen Kindern Aufnahme gewähren soll. Die Kinder sollen im Geiste moderner hebräischer Pädagogik erzogen werden. Das Beth Israel Waisenhaus ist ausschließlich aus den Beiträgen armer Leute von der Ostseite erbaut worden. Jüdische Erziehung in Amerika. Ein Aufsatz im „American Jewish Chronicle“ behandelt das schwierige Problem jüdischer Jugenderziehung in Amerika. Er stellt fest, daß allein in dem New Yorker Stadtviertel Bronx 60 000 jüdische Kinder ohne jegliche religiöse Unterweisung und jüdische Erziehung aufwachsen und schlägt als einziges Mittel zur Abhilfe dieses bedenklichen Zustandes eine Vereinigung der nach Hunderten oder Tausenden zählenden kleinen Hilfsgesellschaften vor. Die Zahl der jüdischen Soldaten im amerikanischen Heer und der Flotte betrug zufolge einer von der jüdischen Wohlfahrtsliga aufgenommenen Statistik im April d. J. 60 000. Bei einer jüdischen Gesamtbevölkerung von 3 Millionen, von denen viele nicht im amerikanischen Heere dienen können, weil sie die amerikanische Staatsangehörigkeit nicht besitzen, ist diese Zahl recht hoch. Ein großer Teil dieser Soldaten hat sich freiwillig gestellt. — Die Zahl der in dem jüdischen Bataillon in England dienenden Soldaten beträgt 3000. Juden im englischen Heere. Bei einem Frühstück zu Ehren einiger Angehörigen des jüdischen Regiments, bei dem Lord Rothschild den Vorsitz führte, erklärte Sir Adolph Tuck, daß zur Zeit etwa 50 000 Juden an der Westfront kämpfen. Im ganzen dienen 60—70 000 Juden, einschließlich der Kolonialtruppen angehörenden, im englischen Heere. Zwei Juden als französische Brigadegeneräle. Nachdem vor kurzem Hauptmann Geismar zum Brigadegeneral in der französischen Armee ernannt worden war, ist nun ein zweiter Jude Col. Libmann zu der gleichen militärischen Charge befördert worden. Jüdische Hilfsarbeit in Amerika. Einem Bericht des Dr. J. L. Magnes in New York zufolge haben die etwa anderthalb Millionen jüdischen Einwohner von New York im Jahre 1917 die Summe von 17 Millionen Dollars für jüdische lokale Wohlfahrtszwecke und mehrere Millionen für allgemein amerikanisch-jüdische Hilfszwecke gespendet. Im ganzen wurden 20 Millionen Dollars für philanthropische Zwecke gespendet. Die gesamte amerikanische Judenheit spendete 1917 40 Millionen Dollars für wohltätige Zwecke. (Also ungefähr so viel wie das gesamte Staatsbudget eines Staates wie Bulgarien oder Serbien beträgt.) Nationaljüdische Jugendorganisation. Am 16. Juni fand in Berlin eine Sitzung von Vertretern der national - jüdischen Jugendorganisation in Deutschland statt. Es waren ungefähr 100 Vereine mit zusammen etwa 6000 Mitgliedern durch 60 Delegierte vertreten. Beschlossen wurde die Gründung eines Gesamtausschusses der nationaljüdischen Jugend Deutschlands, dem vornehmlich die Vertretung der national-jüdischen Jugend nach außen und die Förderung ihrer Erziehungsaufgaben obliegen wird. Seine Hauptaufgabe aber wird er in der Vorbereitung des von derselben Sitzung beschlossenen national-jüdischen Jugendtages sehen, der nicht nur Vertreter der Organisationen, sondern die Jugend selbst in Berlin vereinigen soll. Neben der Tagung der Delegierten, die in Anwesenheit geladener Gäste stattfinden wird, sind Versammlungen, Sportfeste und Zusammenkünfte im Freien mit Wettspielen, Wettsingen und Fahrten in die Umgegend von Berlin in Aussicht genommen. Der national-jüdische Jugendtag, der in der Zeit vom 6. bis 8. Oktober stattfinden soll, wird der national-jüdischen Jugend die längst erwünschte Möglichkeit geben, im persönlichen Zusammensein die stark empfundene Gemeinschaft zu bekräftigen, die durch gleiches Wollen geschaffen wurde. Darüber hinaus wird die gesamte jüdische Jugend mit Interesse an Veranstaltungen teilnehmen, durch die ihr eine Kenntnis der nationalen Bestrebungen vermittelt werden und ein Einblick in das Leben einer Jugend ermöglicht wird, die eine gesunde Körperlichkeit und Naturfreude mit leidenschaftlicher Anteilnahme an allem Jüdischen zu vereinigen weiß. Denaturalisation in England. Die englische Regierung hat ein Gesetz angenommen, demzufolge naturalisierten Ausländern, die sich des Privilegs der britischen Staatsangehörigkeit nicht mehr würdig erweisen, das Bürgerrecht wieder entzogen werden kann. — Es scheint die Absicht zu bestehen, dieses Gesetz hauptsächlich auf solche naturalisierten Ausländer anzuwenden, die sich dem Heeresdienst entziehen. (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrichten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflfohst eingeladen.} Zur Rabbinerwahl in München. Der durch den Tod des Herrn Rabbiner Dr. Werner vakante Rabbinatssitz soll in absehbarer Zeit wieder besetzt werden. Nach § 16 der Statuten der Kultusgemeinde muß der Verwaltungsausschuß zu diesem Behufe um 9 von der Gemeinde zu wählende Mitglieder verstärkt werden, so daß die Rabbinerwahl durch einen Ausschuß von 27 Mitgliedern vorgenommen wird. Wie wir hören, hat sich der Gemeindeverwaltungs-Ausschuß in letzter Sitzung bereits mit der Frage beschäftigt und die Aufstellung der Wählerlisten in die Wege geleitet. Die Ergänzungswahl zu dem verstärkten Ausschuß dürfte im Monat September erfolgen. Bei der Wichtigkeit, welche der Rabbinerwahl in München zukommt, werden wir in nächster Zeit noch näher auf die Frage eingehen. Äußerungen hiezu aus den Kreisen der Münchner Gemeindemitglieder gewähren wir gerne Aufnahme. Personalien. Der k. Justizrat Dr. Otto Wassermann in München wurde zum k. Geheimen Hofrat ernannt. Dem Generaldirektor Sigmund Reich in Wien wurde der k. b. Michaelsorden 4. Klasse verliehen.

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