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Das jüdische Echo · 1918-07-12 · 28 (12.7.1918) · p. Seite 327

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
28 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Das Jüdisch« Echo 327 Fremdblütige internationale „Vaterlandsverräter“. Der „Bund der Kaisertreuen“, eine Ergänzung: zur Deutschen Vaterlandspartei, versendet ein gedrucktes Rundschreiben, in welchem es heißt: „Das Hauptziel der Todfeinde Deutschlands ist fast erreicht, die Zertrümmerung einer starken Monarchie, So lange durften sie ungestört wühlen, von fremdblütigen internationalen Landesverrätern als Helfershelfern, von der Verblendung schwachseliger Toren an beratenden Stellen auf das nachdrücklichste unterstützt, bis der Hauptpfeiler des deutschen Kraftbaues trotz eines Hindenburg und unseres herrlichen Heeres dem Einsturz nahe gebracht wurde.“ — Man braucht diese antisemitische Stilblüte nur niedriger zu hängen. Pogromrufe auf dem deutschen Volkstag. Am 16. Juni fand im Wiener Rathause der deutsche Volkstag statt bei welchem die führenden Männer der Wiener Christlich-Sozialen und der Deutschnationalen das Wort ergriffen. Mehrere Redner dieser Parteien, wie das christlich-soziale Landesausschußmitglied Kunschak und der berüchtigte Abg. Wolf hielten antisemitische Brandreden übelster Art, die von der Versammlung mit johlendem Beifall aufgenommen wurden. Kunschak forderte zum Kampf mit allen Mitteln gegen die jüdische Habsucht auf. Der jüdische Spekulationsgeist entwerte das Geld und führe zur Ansammlung aller Mittel in den Händen der Juden, die mit der Pose der Retter des Staates dem Volke durch die Kriegsanleihe die schwersten Lasten auferlegten. Kunschaks Rede, die wiederholt von Zurufen unterbrochen wurde, welche Judenpogrome forderten, schloß mit dem Appell, einig zu sein gegen den Erzfeind der Arier, die Juden. Jn ähnlichem Tone sprach Abgeordneter Wolf. Beide Reden, die ganz im Stile Ahlwardts gehalten waren, wurden von den Teilnehmern des deutschen Volkstages andauernd bejubelt. (Hbg. Isr. Farn.-Bl.) Schächterlaubnis in der Schweiz. Durch Schweizer Bundesratsbeschluß vom 23. März dieses Jahres wurden die einzelnen Kantone ermächtigt, auf ihren Gebieten nach Bedürfnis das Schächten zu gestatten. In Luzern, Lausanne und St. Gallen ist die Bewilligung hierzu erteilt worden. Nicht aber in Bern und Zürich. Neue Pogrome in Rußland. Die Bürgerkriege in Rußland haben die freien russischen Bürger schon gelehrt, sich an manches Unglück zu gewöhnen. Aber nichts wirkt schmerzlicher sowohl auf die Juden als auch auf die demokratischen Elemente des Landes als die schrecklichen Judenpogrome, die wie eine Lawine über das Land hereingebrochen sind. Entsetzliche Judenpogrome fanden in Kokand, Kurgan, Skobelew, Andijan, Körte, Saryschanc statt und forderten sehr zahlreiche Opfer. In den asiatischen Gegenden wurden viele Juden gewaltsam zum Islam bekehrt. Ein sehr trauriges Zeichen ist es, daß nach den vorliegenden Berichten an diesen Pogromen sowohl die Bolschewiki als auch ihre Gegner Anteil genommen haben. Selbst im Kaukasus, wo schon wegen der geringen Anzahl der jüdischen Bevölkerung Pogrome ganz unbekannt waren, sind bei dem Rückzuge der russischen Truppen blutige Judenverfolgungen veranstaltet worden, denen sehr viele Juden zum Opfer gefallen sind. Die Existenz der dortigen Juden ist völlig ruiniert. Die Not ist entsetzlich. Das in Baku gegründete Hilfskomitee für die Opfer der Pogrome hat die erste Hilfe zur Linderung der Not gebracht. Das russische Judentum hat schon manchen blutigen Judenpogrom gesehen, aber das, was in diesem „Freiheitsjahre“ vorgefallen ist, hat seinesgleichen selbst in der jüdischen Leidensgeschichte nicht. Es ist wahrlich ein Meer von Blut und Tränen. Tausende von unschuldigen jüdischen Opfern haben ihr Leben lassen müssen. Der jüdische Nationalrat hat den 23. Mai als einen Trauertag des jüdischen Volkes zum Andenken an die zahlreichen Opfer der Judenpogrome erklärt. (Jüd. Rundschau.) Die Judenfrage in Finnland. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ berichtet: Die neue finnische Regierung hat in der Lösung der Judenfrage sich Rumänien völlig als Beispiel genommen. Anstatt ein Gesetz über die generelle Gleichberechtigung der Juden in Finnland zu erlassen, hat der Senat den Beschluß gefaßt, den finnischen Juden das Recht zu geben, individuell um die Naturalisation nachsuchen zu dürfen, wobei die Erfüllung des Gesuches von einer Reihe von Bedingungen abhängig gemacht wird. Die finnische Regierung ging so weit in der Nachahmung Rumäniens, daß sie den traurigen Mut hatte, öffentlich zu erklären, daß nur diejenigen Juden Anspruch auf Naturalisation haben, die in der weißen Garde gekämpft haben. Solche Juden gibt es aber kaum mehr als 20 bis 25. Die Vertreibungen der Juden aus den Dörfern und Sommerwohnungen, wie sie in früheren Jahren erfolgt sind, haben jetzt aufgehört, aber sämtliche Gesetze, die den Juden die Bewegungsfreiheit nehmen, sogar die mittelalterlichen Beschränkungen gegen die Zulassung von Juden als Zeugen vor Gericht, sowie das Heiratsverbot der Juden in Finnland, sind bis heute noch nicht abgeschafft worden, obwohl fast täglich neue Gesetze und Verordnungen auf allen Gebieten des Lebens erfolgen. Das Verhalten der finnischen Regierung gegenüber der Judenfrage ruft in weiten Kreisen der Demokratie aller Länder Erstaunen und Empörung hervor. Einzahlungen der englischen Regierung in die A.P.C. Ein Brief der Anglo Palestine Company an das Provisional Zionist Committee in New York enthält die folgenden Angaben über die Benutzung der jüdischen Bank durch die englische Regierung: „Die britische Militärverwaltung hat einen bestimmten Geldbetrag bei uns deponiert und stellt Scheks auf unsere Firma aus. Der Militärgouverneur hat uns aufgefordert, für die Zivilbevölkerung in Jerusalem Nahrungsmittel einzukaufen. Die Behörden haben uns ferner angewiesen, unser Zweiggeschäft in Jaffa so schnell wie möglich zu eröffnen, da sie sich seiner bei ihren Finanz- und Handelsunternehmungen bedienen möchten. Unser Direktor verhandelt täglich mit den Behörden und ist in mehrere offizielle Ausschüsse berufen worden. Er wird als der leitende Vertreter der jüdischen Gemeinde angesehen, und sein Rat wird in allen jüdischen und vielen finanziellen und ökonomischen Angelegenheiten eingeholt.“ Eine Ito-Abordnung bei der Palästina-Kommission. Das Zusammengehen der verschiedensten englisch-jüdischen Kreise in der Palästinafrage hat sich u. a. darin ausgesprochen, daß die Jewish Territorial Organisation der Palästinakommission einige ihrer Vertreter mitgeschickt hat. Israel Zangwill hat bei dieser Gelegenheit seine Hoffnung aus-

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