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Das jüdische Echo · 1918-07-05 · 27 (5.7.1918) · p. Seite 315

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
27 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
Seite 315 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdisch« Echo 315 Mehrheit der Bevölkerung: bilden. Auch das jüdische Volk, das über ein geschlossenes Territorium nicht verfügt, wird auf dem Territorium der russischen Republik gleich den anderen Völkern das Recht haben, die Organe seiner nationalen Selbstverwaltung zu gestalten und in ihnen den Willen der werktätigen Elemente zur Geltung zu bringen.“ Wie wir erfahren, wurde diese Erklärung, die die Anerkennung der jüdischen Autonomie auf personaler Grundlage bedeutete, vo,n der großen Mehrheit der konstituierenden Versammlung (Rechte, Sozialrevolutionäre und Menschewiki) mit großem Beifall, von den Bolschewiki hingegen, wie fast die ganze Rede Tschernows. mit Hohngelächter aufgenommen. Welf-Echo Der Süddeutsche Zionistentag ist auf weiteres verschoben, da die Münchner Referenten durch Krankheit und sonstige Hindernisse am Erscheinen verhindert sind. Der K. C. im Kriege. Nach den bis zum 1. Mai eingegangenen Meldungen, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben, stehen, bezw. standen von den über 1150 Mitgliedern des K. C. unter Einrechnung der Gefallenen und infolge von Verwundung oder Erkrankung als dienstunbrauchbar Entlassenen 1010 im Heeresdienst. Hiervon gehören bezw. gehörten dem Feldheere 845 an. Nur diese sind nach den darüber bestehenden kaiserlichen Erlassen als Kriegsteilnehmer zu bez«ichnen. Es bedarf dieser Hervorhebung, weil bei vergleichsweisen Zusammenstellungen in manchen studentischen Organen — ob mit oder^ohne Absicht, sei dahingestelt — auf der einen Seite bei anderen Korporationsverbänden die Zahl der im Felde Stehenden, bei dem K.C. aber systematisch die Zahl der im Heeresdienst Stehenden angegeben und in Vergleich mit der Zahl der Gefallenen usw. gesetzt wird, obwohl in unsern Mitteilungen stets klar und deutlich die Zahl der im Heeresdienst Stehenden getrennt von der Zahl der dem Feldheer Angehörenden angegeben wird. Den Heldentod starben 84 K.C.er. In Kriegsgefangenschaft befinden sich, nachdem die Kb. Arthur Hirsch und Julius Boehl aus der Gefangenschaft entkommen sind, nur noch 20 K.C.er. Eingerechnet sind hierin die Kb. Dr. Glaser, Marineassistenzarzt auf S. M. S. „Dresden“, der in Spanien, und Oberleutnant Dr. Max Schohl, der in St. Gallen interniert ist. Durch die neuerlichen deutsch-französischen Vereinbarungen dürfen die Kb. Assessor Ernst Heymann, Gefreiter Referendar Ernst Jonas, Unteroffizier Wally Lamm, Unteroffizier Referendar Dr. Gerhard Müller, Gefreiter Felix Simson nach Deutschland zurückkehren können, wogegen die Kb. Leutnant Dr. Eduard Glaser und Leutnant Dr. Otto Levy zur Internierung in die Schweiz gelangen dürften. 24 Kb. sind mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden, 489 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse, darunter 3 am schwarz-weißen Bande, 2 mit dem Eisernen Halbmond, 191 haben andere Kriegsauszeichnungen erhalten. 100 K. C.er, darunter 86 im preußischen, sächsischen und württembergischen Heere, 14 im bayerischen, sind während des Krieges zu Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert worden, 8 K.C.er gehörten bei Kriegsausbruch als Offiziere des Beurlaubtenstandes dem bayerischen Heere an. In diese Beförderungen sind nicht eingerechnet diejenigen zu Sanitäts- und Veterinär-Offizieren. Evakuierungen von Juden in Polen. Dem Jüdischen Korrespondenzbureau in Bern wird berichtet: Der Kreischef in Wloclawek hat eine Verfügung erlassen, wonach die jüdische Bevölkerung Wloclaweks, die sich während des Krieges in der Stadt ansässig gemacht hat, die Stadt binnen 14 Tagen zu verlassen hat. Der Befehl des Wloclaweker Kreischefs trifft nicht weniger als 6000 Juden, die in den ersten Kriegsjahren sich in der Stadt angesiedelt hatten. Diese Zuwanderer, die größtenteils aus Warschau gekommen waren, um dem ihnen in der Landeshauptstadt drohenden Hungertode zu entgehen, wurden anfangs von den Wloclaweker Juden unterhalten und unterstützt, haben sich aber im Laufe der Zeit in Wloclawek Existenzmöglichkeiten geschaffen, sodaß heute 70 Prozent der Zugewanderten vollkommen für sich selbst sorgen. Die Begründung der Verfügung, daß diese Zugewanderten der Stadt Wloclawek zur Last fallen, ist daher keineswegs stichhaltig. Um einer solchen Begründung des Befehls jeden Boden zu entziehen, erklärte sich der jüdische Gemeindevorstand Wloclaweks sogleich nach Erlaß der Verordnung bereit, die Garantie dafür zu übernehmen, daß auch der der öffentlichen Unterstützung noch bedürftige Teil der Zugewanderten der Stadt in keiner Weise zur Last fallen solle. Die Zugewanderten selbst verpflichteten sich, die Ärmeren in ihren Reihen aus eigenen Mitteln zu erhalten, sodaß andere Gelder gar nicht in Anspruch genommen zu werden brauchen. Alle diese Bemühungen, den Befehl des Kreischefs rückgängig zu machen, sind bisher erfolglos geblieben. Weitere Judenexzesse in Galizien. Dem Jüdischen Korrespondenzbureau in Bern wird berichtet: Am 15. Mai hat in Wieliczka ein regelrechter Pogrom stattgefunden. Die bäuerliche Bevölkerung zog durch die Straßen, plünderte jüdische Geschäfte und schlug jeden Juden, der sich auf der Straße sehen ließ. Viele Geschäfte wurden gänzlich ausgeraubt. Halbwüchsige Burschen liefen mit Stöcken durch die Straßen. Die Juden sind in niedergeschlagener Stimmung. Spät abends kam militärische Assistenz aus Krakau, da die Polizei wieder einmal völlig versagt hatte. Viele Menschen wurden verwundet; der materielle Schaden beträgt über eine Million Kronen. Die Wiener Jüdische Zeitung schreibt darüber: Der Pogrom scheint in Galizien schon zu den Alltäglichkeiten zu gehören. Immer wieder kommen derartige grauenhafte Nachrichten und es zeigt sich, daß keineswegs der Wille zu bestehen scheint, die ganze antisemitische Agitation zu ersticken und niederzuschlagen. Die verantwortlichen Führer des polnischen Volkes waschen ihre Hände in Unschuld und sind nur besorgt um ihren guten Namen. Wenn die Sache so weiter geht, so wird der Name des polnischen Volkes für alle Zeiten und vor aller Welt mit Blut befleckt sein. Die völlige Duldung dieser Exzesse seitens der Sicherheitsorgane ist bereits geradezu ein Skandal. Es wird notwendig sein, aus diesen Vorfällen politische Konsequenzen^zu ziehen. Wir hoffen, daß die österreichische Regierung ihre Verpflichtung, zum Schutz der Juden einzutreten, richtig erkennen und erfüllen wird.

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