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Das jüdische Echo · 1918-07-05 · 27 (5.7.1918) · p. Seite 314

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
27 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
Seite 314 (sequence 6)
Language
German
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314 Das Jüdische Echo Nr. 27 Zählungen sind nur in deutscher und polnischer Sprache gedruckt worden. Die zweite Zählung, die Volks- und Viehzählung genannt wurde, fand im März 1916 statt, dauerte einige Tage und ist großartig organisiert worden. Zu diesem Zwecke waren 400 bezahlte Zähler und Vorsteher aller vier Nationalitäten herangezogen. In jedem Kreise war eine Kommission von drei Personen eingesetzt, um nationale Streitigkeiten zu schlichten. Diese sind durchwegs zwischen den Polen einerseits und den Litauern und Weißrussen andererseits vorgekommen. Als unparteiische Richter sind dabei die Juden gewesen. Hauptsächlich beschwerten sich die Litauer und die Weißrussen, daß man sie als Polen in die Listen eingetragen hat. Es stellte sich heraus, daß die polnischen Zähler ganze Häuser mit jüdischer Bevölkerung in die Zählerlisten überhaupt nicht aufgenommen haben. Als dies nach wiederholter privater Zählung festgestellt wurde, zeigten es die Juden bei der Stadtbehörde an. Noch größer war die Unzufriedenheit der Litauer und der Weißrussen. Sie gaben am 9. März 1916 der Regierung eine schriftliche Erklärung ab, die die Juden aus verschiedenen Gründen nicht unterzeichnen wollten. Dieses Dokument ist kennzeichnend für die gegenseitige Beziehung der christlichen Nationalitäten in Wilna und ist für die weitere Politik im Lande von großer Bedeutung. In dieser Erklärung heißt es: „Obwohl die Polen in Wilna eine Minderheit bilden, schrieb sich die ganze katholische Bevölkerung in die Listen als Polen ein. Das erklärt sich damit, daß laut dem russischen Gesetz von 1892 die Polen die einzigen Herren in der Stadtverwaltung geworden sind, da die Juden kein Recht hatten Stadtabgeordnete zu sein. In den katholischen Klöstern sind alle Pfarrer Polen, da der Bischof die litauischen Pfarrer nicht zuließ. Noch schlimmer werden die katholischen Weißrussen behandelt, da ihre Sprache in den Klöstern überhaupt verwehrt ist und so werden die Weißrussen polonisiert. Nach der deutschen Eroberung gelang es den Polen den Bürgerschutz der Stadt in ihre Hand zu bekommen. Die Polen haben sich der Wohltätigkeits-Anstalten bemächtigt, die aus den vom Auslande eingelaufenen Mitteln gegründet und von der Stadt unterstützt wurden. Auf diese Weise ist die ganze christliche Bevölkerung von der gutorganisierten polnischen Intelligenz abhängig gewesen, zumal! sie als Vermittler zwischen der deutschen Regierung und der Bevölkerung geworden sind. Außerdem haben die Polen schon lange vor der Volkszählung in der Provinz und in den Klöstern darauf hingearbeitet, daß alle Katholiken sich als Polen einzeichnen sollen, damit überall die polnische Sprache eingeführt würde. Die Agitation ging so weit, daß die Weißrussen und Litauer, die sich als solche eingeschrieben haben, bedroht wurden, daß sie kein Brot bekommen, ihre Stellen verlieren, von den Unterstützungsgesellschaften abgewiesen, in Todesfällen keine Begräbnisscheine erhalten werden usw. Aus allen diesen Gründen erklären die Litauer und die Bjelorussen alle Angaben, die sie bei der Volkszählung gemacht haben, als unrichtig,^ nicht nur für Wilna, sondern auch in der Provinz.“ (Fortsetzung folgt.) Die Judenfrage im Friedensvertrag mit Rumänien. Das Zionistische Bureau Kopenhagen teilt mit: Das Mitglied des Engeren Aktionskomitees Nahum Sokolow erhielt vom britischen Außenminister Lord Balfour folgendes Schreiben: „Seiner Majestät Regierung vergegenwärtigt sich völlig, daß die den Juden in Rumänien versprochene Befreiung weniger liberal in dem neuen Traktat ist, als das, wozu die frühere rumänische Regierung sich selbst öffentlich verpflichtet hat. Seiner Majestät Regierung ergreift diese Gelegenheit, Ihrer Organisation zu versichern, daß sie außerordentlich darauf bedacht ist, alles was in ihrer Macht steht zu tun, um eine gerechte und dauernde Ordnung der jüdischen Frage in jenem Lande zu sichern.“ Die jüdische Äutonomie in der russischen Konstituierenden Versammlung. Das jüdische Preßbureau in Stockholm meldet: Das stenographische Protokoll der Konstituierenden Versammlung Rußlands, die durch die Bolschewiki-Regierung kurz nach ihrem Zusammentritt auseinandergetrieben wurde, ist mit großer Verspätung erschienen. Ein Exemplar dieses Protokolls ist erst dieser Tage in Stockholm eingetroffen. In der großangelegten Rede des Vorsitzenden der Versammlung, des Führers der Sozialrevolutionären Partei und früheren Ackerbauministers Tschernow, befindet sich auch ein auf die Juden bezüglicher Passus. Nachdem der Vorsitzende Rußland als föderative Republik, in der alle Nationalitäten gleichberechtigt sein sollen, proklamiert und namentlich die Versöhnung der Ukrainer und der Moslims mit dem russischen Volke verkündet hatte, sprach er sich auch für die jüdische Autonomie aus. Er sagte: „Schließlich Bürger, erlauben Sie mir, das gleiche von dem Stiefsohn-Volke, von dem unter den Völkern am meisten gehetzten Volke zu sagen, von dem Volke, das bisher allen Ausbeutern der ganzen Welt als Sündenbock gedient hat, die auf es als Volk die ganze Unzufriedenheit, die ganze Empörung der arbeitenden Massen zu lenken suchten, die billigerweise auf kein Volk als solches gerichtet werden darf, da unter allen Völkern ohne Ausnahme die arbeitenden Massen die ungeheuere Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg., groasherzogl. badisobe Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse: .Diringer München". — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. * Grobto Fabrik und Vor leih anstatt dissmr Art In Dsutschland. Vorrat von über 60000 Kostüm an aus allsn Zelten u. all an Landorn. Gotronnto Herren-, Dämon-, Kinderu. 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