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Das jüdische Echo · 1918-06-28 · 26 (28.6.1918) · p. Seite 302

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
26 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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302 Das Jüdische Echo Nr. 26 len. Diese Stunde ist nahe. Ergreife darum den Pilgrimstab und gehe zurück in deine uralte Heimat. wo eine bessere Zukunft deiner wartet und die Befreiung deines Volkes sich vollziehen wird“. Stürmischer. nicht enden wollender Applaus folgte der begeisterten Rede des Senators. Der Vorsitzende, Herr Jacques Buchenholz, erteilte hierauf das Wort Herrn Ingenieur Kaplansky. Herr Kaplansky begann mit einer Darstellung der Vorgänge in Polen und Galizien. „Wir glaubten, daß die russische Revolution den Judenpogrom aus der Welt geschafft habe. Das ist leider nicht der Fall. Gerade in einer Zeit, wo der Pogrom aufhörte, in Rußland eine ständige Erscheinung zu sein, wo Volk und Regierung Rußlands gegen den Judenpogrom protestiert und Mittel gegen ihn sucht, schickt sich das polnische Volk an, die Rolle des Zarismus zu übernehmen. Die Tatsachen sind bekannt. Nicht auf Grund von Gerüchten oder in einer Aufwallung erregter Empfindungen erheben wir unsere Stimme gegen die Polen. Der Pogrom ist in den letzten Jahren in Polen heimisch geworden. Als im Jahre 1881 zum erstenmal ein Pogrom in Warschau stattfand, erklärten die Polen, daß er von Rußland importiert worden war. Die polnische Gesellschaft wollte den Pogrom nicht. Sie war stolz darauf und erklärte es als einen Beweis für die Höhe der polnischen Kultur, daß die Pogromwelle später niemals von Rußland nach Polen überschlug. Während des Krieges aber ist der Pogrom zu einer ständigen Erscheinung in Polen geworden. Beschämend ist es, w i e es zu dem Pogrome gekommen ist. Die polnische Presse war es, die zum Pogrom aufhetzte. Sie beschuldigte zu Beginn des. Krieges die Juden der Freundschaft mit Deutschland und der Feindschaft gegen Rußland. Die von Rußland so unterdrückten Polen entdeckten plötzlich ihre Freundschaft für Nikolai Nikolajewitsch und das zaristische Rußland und warfen den Juden vor, daß sie nicht ganz mit Rußland sympathisierten. Man hat die russische Soldateska gegen die Juden aufgehetzt. Damals zur Zeit der russischen Evakuationen, als Hunderttausende von Juden vertrieben wurden, ergoß sich eine Flut von polnischen Pogromen über die jüdische Bevölkerung. Der polnische Nationalrat im damaligen Russisch-Polen fand kein Wort des Protestes, sondern erwog einen Plan, Polen aus Kanada kommen zu lassen, um die von den Juden verlassenen Stätten zu besetzen. Die russischen Juden waren geschworene Feinde des Zarismus und wir sind stolz darauf, daß wir einen so bedeutsamen Anteil an dem Sturz dieses Regimes genommen haben. Bei der Bestimmung unseres Verhältnisses zu anderen Völkern sind wir vor allem anderen Revolutionäre und Demokraten. Das polnische Volk .sollte davon lernen. Wir sind keine Feinde des polnischen Volkes. Das ist eine lächerliche Anklage. Die Polen werden uns gerne die religiöse Gleichberechtigung gewähren. Sie haben nichts dagegen, daß wir beten, Tefilim legen usw. Aber Polen kann sich nicht mit dem Gedanken befreunden, daß es kein Nationalstaat, sondern ein Nationalitätenstaat ist. Sie wollen einfach die Tatsache übersehen, daß in ihrem Land Millionen von Juden leben, die 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Wir müssen vor aller Welt erklären, daß es sich uns nicht mehr um Menschenrechte, sondern um nationale Rechte handelt. Was die Polen für sich selbst verlangen, müssen sie auch den Juden gewähren. Ich begriff den Zorn der Polen, als unlängst im preußischen Abgeordnetenhaus ein Alldeutscher erklärte, wenn die Polen in Preußen eine Nation sein wollen, dann ist eine Verständigung unmöglich. Aber dieselben Polen wollen nicht einsehen, daß sie an uns dasselbe Unrecht begehen. Und in der Tat: solange die Polen aut diesem Standpunkt stehen, ist eine Verständigung unmöglich. Die Polen erklären, daß wir der polnischen Sache schaden. Wir können uns nicht helfen. Wir würden den Streit nicht nach außen tragen, wenn die Polen unsere berechtigten Wünsche beachten würden. Wir erklären vor der ganzen Welt: Die Polen werden mit uns nicht fertig werden. (Stürmischer Beifall.) Die Verweigerung von nationalen Rechten, das ist der eigentliche polnische Antisemitismus. Man kann den Juden nicht als minderwertig und zum Tode verurteilt darstellen und zugleich vor dem Juden als Menschen und Bürger des polnischen Landes in den polnischen Volksmassen Achtung züchten. Die Volksmasse mit ihrem einfachen Verstand kann diesen Unterschied zwischen Jude und Mensch nicht machen und wenn man ihr sagt, der Jude muß verschwinden, dann zieht sie daraus die Konnxyfüeferarit München ThßatinjzcttrAÖ. C/xynmllaim />)•

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