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Das jüdische Echo · 1918-06-28 · 26 (28.6.1918) · p. Seite 301

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
26 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
Seite 301 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 30 gleiches und des Rechtes und nicht ein Gewaltfriede zustande, dann hat die jüdische Sache gute Aussichten. Die jüdische Hoffnung ist eng verknüpft mit dem Streben nach einem Bund freier Völker und der Anerkennung des Rechtes jeder heute noch unterdrückten Nationalität auf Freiheit und Unabhängigkeit. Wenn es eine Nation gibt, die diese Anerkennung nötig hat und auf sie Anspruch erheben darf, dann ist es die jüdische. Manche Juden wollen in ihren gegenwärtigen Wohnländern bleiben. Das ist ihr gutes Recht. Aber andere wollen in Palästina ein neues jüdisches Vaterland gründen. Ich habe im Herrenhaus die Judenfrage erörtert und Freiherr Loudon, unsern Minister für auswärtige Angelegenheiten, zur Erklärung veranlaßt, daß die holländische Regierung die Judenfrage auf der Friedenskonferenz zur Sprache bringen wird. (Lebhafter Beifall.) Heute aber ist die Verfassung des jüdischen Volkes noch sehr traurig. Wenn man in den Blättern liest, was alles an Greueln gegen das jüdische Volk begangen wird, könnte man an der Menschheit verzweifeln. In der Finsternis, die das jüdische Volk umgibt, flammt ein Licht auf. Ich muß an Herzls Erzählung von der „Menorah“ denken. Noch ist es bloß e i n Licht, das die Finsternis nicht zu vertreiben vermag. Aber wenn die Zeit kommen wird, wo alle sieben Lichter erstrahlen werden, dann wird die Stunde der Erlösung endlich für Israel anbrechen. Die Juden Osteuropas durchleben heute schwere Tage. Plünderungen und Mord sind heute tägliche Erscheinungen in allen Ländern Osteuropas: in Polen, Galizien, Rumänien, Ukraine und Rußland. Der russische Boden ist mit jüdischem Blute, mit jüdischen Tränen getränkt. Dank der Energie der Juden verschwand der Zarismus. Jüdischem Mute dankt Rußland seine Revolution und ihren Sieg. Hoffnung auf bessere Tage zog in das jüdische Herz ein. Die Freude war von kurzer Dauer. Die Bolschewiki kamen, die sich Sozialisten nennen. in Wahrheit aber Demagogen und Terroristen sind. Das große russische Weltreich besteht^ nicht mehr. Es ist in unzählige Teile auseinandergefallen. In allen diesen neugebackenen Staaten muß die nun zersplitterte Judenheit einen neuen Kampf um Existenz und Freiheit gegen neue, weit härtere Tvrannen führen. In der Ukraine hatten es die Juden einen Augenblick lang gut. Die Rada hatte ihnen nationale Autonomie eingeräumt. Mit deutscher Unterstützung wurde die Ukraine mit einem neuen, reaktionären Regierungssystem beglückt. Mit der jüdischen Freiheit ist es vorbei. In Gluchim wuule ein schrecklicher Pogrom veranstaltet. Pogrome in Turkestan, Pogrome in Beßarabien. Und in Bakim fand sich selbst ein Priester, der einen I leis aussetzte für jeden jüdischen Kopf, den man ihm brächte! . _ .. Und nun auch Polen! Das um seine Freiheit 1111gende Polen fand in der Internationale immer emc Freundin. Schon die erste Internationale unterstützte Polen in seinem Freiheitskampfe. Auen die Juden in Polen haben immer mitgestritten midie Freiheit des Landes. Und jetzt wird Polen, das sich mit Mühe frei macht, selbst zum Unterdrücker der Juden. Keine Klasse, keine Partei des polnischen Volkes wußte sich vor. dem Gift des Antisemitismus zu bewahren. Es ist eine Schande tur die polnischen Sozialdemokraten, daß sie in d^n Tempel des Sozialismus den Antisemitismus emdringen ließen. (Beifall.) Diese Erscheinung ist keine interne Angelegenheit. Sie ist eine Angelegenheit der internationalen Gerechtigkeit, der Menschlichkeit, der internationalen Sozialdemokratie. Wo Verbrechen an Juden begangen werden, muß die sozialistische Internationale eingreifen. Wenn die Internationale wieder Zusammentritt, dann Wird es in ihr keinen Platz für die polnischen Sozialdemokraten geben, wenn sie sich vom Antisemitismus nicht lossagen. (Stürmischer Beifall.) Der Bukarester Friede fügt neues Unrecht zu alter Unbill. Der Artikel 27 ist eitel Blendwerk. Den Mittelmächten war es nicht ernstlich um die Lösung der rumänischen Judenfrage zu tun. Sie konnten Rumänien zwingen. Ich bedauere es, daß die Sozialdemokraten der Mittelländer nicht kräftiger auftreten gegen das in Bukarest an den'Juden begangene Unrecht“. (Beifall.) Der Senator schildert dann die Pogrome in Galizien. „Mitschuldig sind die Behörden und die Regierung Österreichs. Ein kräftiger Protest muß darum von dieser Versammlung gegen die Schandtaten in Galizien erhoben werden. (Lebhafter Beifall.) Wer wird den Juden Heil bringen? Das jüdische Elend muß ein Ende haben. Werden die Mittelmächte dieses Ende bringen? Sie dulden die galizischen Greuel, sie haben die Juden Rumäniens verlassen. Von dieser Seite ist darum für die Juden nichts zu erwarten. Von der' Entente? Es ist schwierig zu prophezeien. Balfour hat den Juden eine nationale Heimstätte in Palästina zugesichert. Eine zionistische Kommission hat sich im Auftrag der englischen Regierung und mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet nach Palästina begeben, um den ersten Grundstein für das neue Vaterland zu legen. Man hat in unseren Zeitläuften wenig Vertrauen zu Regierungsversprechungen. Aber der größte Jude des 20. Jahrhunderts, Theodor Herzl, erklärte schon: „England, das mächtige, große England, das freie England wird uns verstehen“. (Stürmischer Beifall.) Herzl schließe ich mich an, wrenn ich glaube, daß die englische Regierung unter dem Einfluß der Demokratie, die in diesem Lande so mächtig ist, sein Wort einlösen ward. Es gibt noch eine Macht, auf welche die jüdische Sache sich stützen kann: die internationale Sozialdemokratie. In Stockholm und auf der Konferenz der Sozialisten der Ententeländer in London 'fanden die jüdischen Forderungen eirn williges ■ Ohr. Das steht heute schon fest. Die sozialistische Internationale wird für die jüdische Sache in die Bresche springen. Die jüdische Hoffnung wird erfüllt werden. Zion wird wieder erstehen. Palästina wird ein freier jüdischer Staat werden. Neue Horizonte eröffnen sich dann auch für die Menschheit. Die Juden werden in Palästina zeigen, was sie können. Sie werden der europäischen Scheinkultur eine höhere Kultur entgegensetzen und einen Staat formen, der für alle Völker vorbildlich sein wird. (Lebhafter Beifall.) Dann wird der unstete Ahasver in Palästina endlich Ruhe finden. Darum rufe ich dem jüdischen Volk zu: Streite mit aller Kraft für deine Freiheit! Habe volles Vertrauen in die Zukunft! Die Sonne der Freiheit wird für dich aufgehen! Ich war in Eurem Lande beim Brunnen Jobs. Ich fand dort eine goldene Pforte. Jüdische Greise saßen dort und warteten auf das Kommen des Messias. Wenn der Erlöser kommt, sagten sie, wird die Pforte aufspringen und die Mauern werden fal-

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