Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 25 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- Seite 293 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Das Jüdisch* Echo 293 Der Hof... er ward zum Tale, blühend, schön 4m Fuß des Libanon, und Cedernbäume Umrauschten mich wie Sang: aus Himmelshöhn Das Tal war zauberisch vom Mond erhellt, Krystallen wölbte sich das Himmelszelt, Den Glutenhauch der Wüste dämpfte mild Der Palmenblätter kühlend sanftes Fächeln. Der Himmel schien geeint mit dem Gefild, Jehovas Antlitz sah herab mit Lächeln, Er segnete das Tal und was da lebt. Und alle beugten sich vor seiner Macht. Von Nardendüften war die Luft durchwebt, Die Sterne glänzten durch die hehre Nacht Wie Sabbatkerzen in des Goldes Pracht. Der Tempel Salomos.1) Von Dr. E. Brandenburg. Ein Teil der Grundmauern und einige schwer verständliche Stellen in der Bibel das ist alles, was tatsächlich von Salomos Tempel, diesem gewaltigen Bau, geblieben ist, dessen Ruhm im Altertum die damalige Kulturwelt erfüllte; seine Reste waren auch noch in unseren Tagen vor dem Kriege das ersehnte Ziel der Pilgerfahrt für Tausende von frommen Juden als heiliges Symbol der einstigen Macht und Größe ihres Reiches. So „lebt“ trotz äußerer Vernichtung vor fast 2000 Jahren der Tempel Salomos poch weiter in Geschichte und Legende, im Herzen des gläubigen Judentums, wie kaum ein anderes Monument der Erde und wird weiter „leben“, so lange es noch einen Israeliten gibt. Wir dürften vergebens suchen, um ein anderes Bauwerk zu finden, das annähernd eine ähnliche ideelle Bedeutung gehabt hat und noch hat. Sankt Peter und die Grabeskirche sind doch nicht damit zu vergleichen; höchstens die Kaaba in Mekka, die aber noch genau so dasteht wie zurzeit Muhameds; das Merkwürdigste ist und bleibt, daß gerade der Ruhm des Tempels seine Zerstörung so lange überdauert hat. Das mag manchem überschwenglich erscheinen, aber, um darüber urteilen zu können, muß man selber in Jerusalem gewesen sein und mit offenen Augen gesehen haben. Die Konfession spielt dabei keine Rolle: wenn man nur als Mensch die Menschen dort gesehen hat und ihren tiefinnerlichen Glauben. Die trübe Brille gewisser politischer und konfessioneller Anschauungen läßt man allerdings lieber zu Hause; denn ohne etwas Idealismus kann Jerusalem sonst zur schweren Enttäuschung werden. Es sind natürlich nicht die geringen erhaltenen Reste, die diesen gewaltigen Eindruck machen, es ist die ganze Umgebung, die Tradition, das Gefühl und der Glaube, die gerade an solchen Orten mächtiger sind als die kalt prüfende Vernunft. Um das Jahr 1000 vor Christus, als Hiram von Tyrus auf den Befehl des Königs Salomos den Tempel schuf, gab es genug ältere und größere Bauten in der antiken Welt. Damals ragten noch die Stufentürme in Babylonien, die Pyramiden, und die Säulenwälder der ägyptischen Tempel; wir wissen noch heute vom Turm zu Babel, von den goldschimmernden Heiligtümern der Phönizier, doch keines hat den Geist und die Phantasie der Völker so stark beschäftigt, wie der Tempel von Jerusalem, trotz seiner Zerstörung und trotz der Anfeindung späterer Religionen und des Fanatismus des Islam. . ,..ni . , Keine Tatsache oder Erscheinung läßt sich nur aus einem Grund erklären, und so ist es auch B Erschienen in der „Frankf. Ztg.“ vom 17. März. hier. Aber außer Gefühlswerten und religiösen Motiven haben noch rein äußere mitgewirkt, dem Tempel dieses Ansehen zu verschaffen: der Bau selbst, seine Form, das Bild, das er dem Beschauer bot. Selbstverständlich hat die prunkvolle Ausstattung, über die wir aber leider nur wenig wissen, und die schwer rekonstruierbar ist, das ihre dazu getan; aber wenn die Hauptlinien eines Gebäudes nicht einen durchaus befriedigenden Eindruck machen, nützt alles Beiwerk nichts. Darauf kommt es an, und gerade in dieser Beziehung war der Tempel Salomos ein Novum: er zeigt nämlich in der Geschichte der Architektur zum ersten Male die harmonische Vereinigung von Quer-Cella und Längs-Cella und ist dadurch in gewisser Beziehung das Vorbild unseres heutigen „Kirchenschiffes“ mit Vorhalle geworden. (Es ist natürlich nicht möglich, im Rahmen eines kurzen und gemeinverständlichen Aufsatzes die genaue wissenschaftliche Begründung dieser These zu bringen. Das Nähere findet man in meinem „Bericht über eine Reise in Syrien und Palästina 1913“ 5. Veröffentlichung der Gesellschaft für Palästina- Forschung). Nun zuerst ein Wort über Quer- und Längs- Cella, wie ich diese Formen benannt habe: die Quer-Cella ist ein länglich-rechteckiger Raum, dessen Achse senkrecht zur Sehlinie des Beschauers liegt, und den man durch eine in der Mitte der Längsseite befindliche Tür betritt. Ihre Längsachse liegt aber parallel zur Sehlinie des Beschauers. Die Tür ist an einer der kleinen Seiten des Raumes angebracht, mit anderen Worten: wenn man die Quer-Cella betritt, so hat man die größere Wand direkt vor sich, während der Raum links und rechts vom Beschauer sich erstreckt, ein Übersehen desselben auf einen Blick also nicht möglich ist. Kommt man dagegen in die Längs - Cella, so liegt der ganze Raum gut übersichtlich vor einem. Die Raumwirkung, das heißt das Haupterfordernis der Innenwirkung eines Gebäudes ist also eine ungleich bessere. (Um dafür noch ein landläufiges Beispiel zur besseren Veranschaulichung zu bringen: die meisten schmalen und einfenstrigen Hotelzimmer, in die man durch eine dem Fenster gegenüberliegende Türe eintritt, sind Längs-Cellen; der Korridor vor diesen Zimmern, dessen Längsachse aber senkrecht zu der der einzelnen Zimmer steht, ist dann einer Quer- Cella zu vergleichen). Als erster jüdischer Tempel kann der Salomonische natürlich nicht jüdisch gewesen sein, d. h. rein nationale Eigenart gehabt haben, sondern muß von vorhandenen Vorbildern beeinflußt worden sein. Darauf weist auch schon die Herkunft seines Erbauers Hiram aus Tyrus hin. Als Phönizier hatte er nicht nur die Heiligtümer seines eigenen Landes, das kulturell stets von andern Nationen abhängig war, gesehen, sondern war wohl aber auch aller Wahrscheinlichkeit nach, wie die meisten seiner Landsleute, weit gereist. Welche Vorbilder sind das wohl nun gewesen? Der alt-babylonische Tempel, der aus zwei hintereinander liegenden Quer-Cellen bestand, in denen weiter vor einer flachen Nische das Kultbild aufgestellt war, auf das man beim Eintritt fast „mit der Nase stieß“, machte einen ästhetisch durchaus unbefriedigenden Eindruck. Außerdem können wir aus Ezechiel mit Sicherheit entnehmen, daß der Tempel Salomos sich aus Quer- und Längs-Cella zusammensetzte. Dieses Schema finden wir aber nun bereits etwa tausend Jahre früher in Ägypten, z. B. bei den Felsengräbern von Beni-Hassan, wie