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Das jüdische Echo · 1918-06-21 · 25 (21.6.1918) · p. Seite 289

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
25 (21.6.1918)
Date
1918-06-21
Page
Seite 289 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdisch« Echo 289 anstalt für die jüdischen Forscher zu werden Der jüdische Student soll wissen, daß es für die materielle Lebensstellungkeine verlorene Sache sei der jüdischen Wissenschaft seine Studien zuzuwenden; daß er vielmehr die Aussicht habe, nach Vollendung derselben zu einer Besoldung zu gelangen, die ihn zunächst vor materieller Gefahr schützt und die ihm zugleich die Möglichkeit gibt, als Lebenswerk seine Studien und seine wissenschaftliche Entwicklung fortzuführen. Man weiß, wie sehr die statistischen Erfahrungen über die Frequenz in den Lehrfächern von Jahr zu Jahr die öffentlichen Studienwahlen beeinflußt. Wie sollte es in unseren engeren und dürftigeren Verhältnissen anders sein können? Wer bisher nur im Rabbinat die Möglichkeit seiner materiellen Versorgung sehen konnte, wird fortan im Hinblick auf die Akademie sich frei entscheiden können, ob er unter den Geisteswissenschaften auch die der jüdischen Altertumswissenschaft sich zur Wahl stellen kann. 2. Dem Mangel in der jüdischen Gelehrsamkeit steht zur Seite der in der religiösen Bildung der modernen Juden. Dieser Mangel ist offenkundig und er richtet uns großen Schaden an, besonders im protestantischen Urteil über unsere religiöse Gesinnung. Keineswegs ist etwa der Religionsunterricht, wie er gelehrt und wie er aufgenommen wird, allein an diesem großen Übelstande schuld. Aber es darf nicht in Abrede gestellt werden, daß ein Teil der Schuld ihm allerdings hierbei zufällt. Es genügt hier auf die bekannte Tatsache hinzuweisen, daß die Notwendigkeit seiner Verbesserung allgemein empfunden wird. Die Art dieser Verbesserung ist ein schwieriges Problem, zu dessen Lösung wir hier nur von dem Gesichtspunkte unserer Akademie beitragen möchten. Der unbestrittene Satz der gesamten Unterrichtslehre ist es, daß nur derjenige der richtige Lehrer sein könne, der sein Lehrfach wissenschaftlich beherrscht, und bei der zentralen Bedeutung der Religion für das gesamte Innenleben des Menschen muß es daher um so dringlicher zu fordern sein, daß der Religionslehrer an der höheren Schule mit dem ganzen Umfange der Literatur und Geschichte des Judentums vertraut sei. Dem Rabbiner allein kann es auf die Dauer bei der Fülle seiner für das Predigtamt, für die Seelsorge, für die soziale Stellung der Juden und endlich für seine wissenschaftliche Repräsentation nicht aufgebürdet werden, den wissenschaftlichen Religionsunterricht, wie er an den höheren Schulen erforderlich ist, allein zu verwalten. Nun trifft es sich, wie für einander berechnet, daß die beiden sachlichen Interessen unserer modernen Religiosität, die Gelehrsamkeit und die allgemeine Bildung, mit den beiden technischen Interessen sich verbinden, welche selbst ihrerseits in der Akademie sich zusammenschließen. Wir haben das wichtige Moment der Besoldung in Betracht gezogen, welches die Akademie für die Berufswahl' des jüdischen Studenten der Geisteswissenschaften in Aussicht stellt. Diese Besoldung kann jedoch in absehbarer Zeit keine vollkommen ausreichende sein, sofern sie nur auf die theoretische Leistung einer Forschungsarbeit bezogen bleibt. Es ist nun aber zu erwarten, daß der junge jüdische Gelehrte von der Wichtigkeit der religiösen Bildung in unserer Jugend Einsicht gewonnen habe, und daß daraus das Pflichtgefühl in ihm erwacht ist, nach unserer alten Losung das Lernen mit dem Lehren zu verbinden, um im Lehren wiederum in seiner eigenen Entwicklung innerlich zu wachsen. So verbinden sich mit dem jungen Pflänzling der Akademie die Wissenschaft und die Bildung zu dem einheitlichen Zwecke der Stärkung unserer Gemeinschaft. Ebenso aber gehen auf diesem Wege auch die beiden materiellen Fragen der Besoldung zusammen. Wenn doch die Akademie selbst für den vollen Lebensunterhalt ihrer Jünger vorerst nicht ausreichende Mittel zur Verfügung haben dürfte, so werden sich unter ihnen viele so bereit als geeignet finden, an die höheren Schulen der Provinz hinauszugehen, um dort den wissenschaftlichen Religionsunterricht zu übernehmen. Und in jenen Städten wird es den Gemeinden oder einzelnen Verbänden der Eltern ein leichtes sein, einem solchen Religionslehrer ihrer Kinder in der Höhe des Akademiesoldes ein angemessenes Gehalt auszuwirken. Und durch die Summierung dieser beiden Besoldungen wird der junge jüdische Gelehrte für den Beginn seiner wissenschaftlichen Wirksamkeit einen gesicherten Lebensunterhalt erwarten dürfen, der hinter dem des öffentlichen wissenschaftlichen Oberlehrers nicht zurückstehen dürfte. Der wissenschaftliche Betrieb aber wird durch die Verbindung mit der Lehrtätigkeit in keiner Weise gefährdet. Denn diese Religionsoberlehrer werden sich ebenso in einem beständigen Ortswechsel bewegen können, wie überhaupt in einem Personenwechsel, für den die Art und der Umfang der von den einzelnen übernommenen wissenschaftlichen Aufgabe, wie der jeweilige Stand von deren Bearbeitung maßgebend sein wird. In dürrem Umriß haben wir hier das Bild der Akademie im Verhältnis zur Wissenschaft und zur Bildung, sowie zur Berufsstatistik zu entwerfen versucht. Möchten Sachverständnis und guter Wille diese Striche zu einem Idealbilde unserer religiösen Zukunft ausgestalten. „Zeit ist’s“. Dieses Psalmenwort gilt es zu beherzigen. Es darf nicht länger gesäumt werden, an der rechten Stelle, im Mittelpunkt unserer gesamten Kulturlage das Hilfswerk anzusetzen. Wir dürfen nicht auschließlich unsere Fürsorge auf die sozialen Nöte unserer Glaubensgenossen lenken. Wir dürfen auch an unserem Geiste nicht krank und nicht siech werden. Das jüdische Herz muß stärker als bisher Kostümfabrik F. u. A. Diringer . 3613 München. i Hk HHg g vH MH m Hi ■«» mm xm m mr^mm av mm m m m Manchen, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 Icönlgl. bayer., königl. Württemberg., grossberzogl. badische Hoflieferanten »«lrir tr München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3612 anklconto: K. München«. - Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. rSbtoFnbrlk und ^Mh^^Jatt dissar^rt^n^Deutschl^^ ubmrBO^OOO^Kostumon llohoZlaSorPn WaltoZ und Ausrüstungen. 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