Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 25 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- Seite 288 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138274--02153-9074975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
288 Das Jüdische Echo Nr. 25 go« JUlptntiitt liiöifdif Bnmlitnliiitt» ÜMtMtMT l# irrufttlcm Örgantfation rein europätfd) 3folterj)äufer für 'Slnftechenbe #ödjfte Stnerfcennung aller 35eprben Slufnafjme unterfdjtebslos für Sille 2Kan forbere bte 53ebtngungen ein. bittet für feine ©efcbäftsleitung: Frankfurt a. 9)t. 95oftfcbedtfu>nto 9tr. 7785 3=rkft. a. 9R. #ält fid) für gemiffenbafte Hebernaf)me non Stiftungen empfohlen! betten — 3immer — Barett - ©ebenfctafel ~ Stiftungen Briefe?it richten nach SRöberberaroea 63. Gesellschaft vornehmlich sich einschränkte. Die Wissenschaft soll durch sie gefördert werden. Dies bezweckt sie, und dies leistet sie in ruhmwürdiger Weise, indem sie große Werke zur Publikation gebracht hat, und zwar nicht durch die Subvention von ihr angebotenen Arbeiten, sondern durch die Aufstellung von Plänen und Grundrissen für neue und eigenartige wissenschaftliche Unternehmungen. So großzügig diese Leistungen sind, so beziehen sie sich doch immer nur auf die Hervorbringung und die Hervorrufung von wissenschaftlichen Werken. Diese Förderung der Wissenschaft ist ihr ausgesprochenes Ziel. Wie jedoch keine Wissenschaft, so darf auch die Wissenschaft des Judentums nicht ausschließlich in der Abstraktion von literarischen Produktionen gedacht werden. Wahrhaft lebendig wird sie erst in den Urhebern, in den Schöpfern der wissenschaftlichen Werke. Es kann daher nicht genügen, in den literarischen Erzeugnissen die Wissenschaft des Judentums zu fördern: sie muß vorab gefördert werden in den lebendigen Menschen, welche dieser Wissenschaft sich widmen, welche dieser Forschung obzuliegen zu ihrer Lebensaufgabe machen. Und es kann weder dabei sein Bewenden haben, daß die Rabbiner die alleinigen Träger der Wissenschaft des Judentums bleiben, noch daß zeitweise einzelne Gelehrte unterstützt werden. Von verschiedenen Seiten wurde daher schon seit geraumer Zeit dem Gedanken Raum gegeben, daß etwas Neues geschehen müsse, um das Leben der jüdischen Wissenschaft und dadurch das der Religion selbst vor ider (sonst unvermeidlichen Erstarrung zu schützen. Man nahm wiederum zu dem Gedanken der Fakultät seine Zuflucht, aber es war schon sehr verräterisch, daß man sogar mit einer jüdischen Professur an einer Universität vorlieb nehmen wollte. Wie sollte man aber mit einer solchen Einzelprofessur, wie sollte man sogar mit einer Fakultät auszukommen hoffen, wenn als das Problem nicht sowohl das Abstraktum der jüdischen Wissenschaft erkannt wurde, sondern das konkrete Lebensproblem einer jüdischen Gelehrtenwelt! 1. Es ist nun efts Verdienst des jungen Historikers und Philosophen, des Dr. Franz Rosenzweig, der mit heiligem Glaubenseifer von seinem Felddienst aus in seiner Abhandlung „Zeit ist’s“ den Aufruf an die deutsche Judenheit richtete, der sicherlich von den Juden der gesamten Kulturwelt aufgenommen werden wird: der größte Mangel und der tiefste Notstand, unter dem wir leiden, bestehe in diesem Personenmangel an jüdischen Gelehrten. Hierin liegt der Grund unserer Ohnmacht, unserer Unzulänglichkeit auch gegenüber den Verlockungen unserer Gegner, die uns vernichten wollen. Die Anzahl unserer Rabbiner, und wenn sie noch so Treffliches leisten, sie reicht nicht aus, um alle die verschlungenen geistigen Fragen zur Lösung und zur Schlichtung zu bringen, welche Geist und Gemüt des Juden auf der Schule und auf der Universität bestürmen, um ihn von der religiösen Isolierung abwendig zu machen und für die scheinbar einheitliche moderne Kultur ihn zu gewinnen. Schon aus dem apologetischen Gesichtspunkte bleibt die Anzahl der Rabbiner unzulänglich, um den Geist des Judentums gegenüber der Mannigfaltigkeit der modernen Kultur zu vertreten. Die lebendige Religion, als Kulturreligion, erfordert für ihre Behauptung und Fortbildung den freien Geist der Wissenschaft und demgemäß Männer der gelehrten Forschung, welche nicht zugleich die Träger des geistlichen Amtes sind. Der Unterschied der neu zu begründenden Akademie von allen bisherigen wissenschaftlichen Organisationen, und die Ergänzung, welche sie ihnen allen darzubieten strebt, besteht sonach schlechthin darin: daß sie die Personen herbeizuschaffen sucht, welche jene, sei es als Lehrer, sei es als Forscher, für die herauszugebenden Werke erfordern. Wie die Lehranstalten, so wird auch die Gesellschaft zur Förderung usw. von dem Vertrauen getragen, das aus dem Rabbinerstande heraus Kräfte zur Übernahme der wissenschaftlichen Aufgaben sich bereit finden werden. Daher kann aber die Anzahl dieser disponibeln Kräfte nur ebenso spärlich sein und ihre Auswahl nur ebenso schwierig, wie die der Lehrkräfte ist. Diesen Übelständen soll die Akademie abhelfen. Wir wählen mit Absicht diesen Namen, der auch für die gesamten Wissenschaften nur erfunden worden zu sein scheint, um die Gelehrten der verschiedenen Fächer zusammenzufassen, zugleich aber auch um sie in lebendige Wechselwirkung zu versetzen und dadurch ihre Kraft und ihr Aufblühen zu befestigen und zu sichern. Für die allgemeinen Wissenschaften bedarf es gemeinhin nur einer solchen idealen Vereinigung, die zudem durch Subventionen bestärkt wird. In unserem Spezialfalle dagegen ist unserer sozialen Lage gemäß die Sicherung des Lebensunterhaltes unbedingt erforderlich, wenn wir auf Zuwachs und auf ununterbrochenen Fortbestand eines jüdischen Gelehrtenstandes sollen rechnen dürfen. Daher muß es die Aufgabe der Akademie sein, durch die sie sich vollends von allen analogen Anstalten unterscheidet: gleichsam eine Vorsorge-