Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 24 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Das Jüdisch« Echo 279 ratsrevisor Rudolf T a u ssii g . des Präsidenten des „Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich“ eröffnet. Freudiger Beifall der Jugend dankte den Rednern. In ausführlicher Rede begründete hernach Dr. Siegfried B e r n f e 1 d seine persönlichen Anschauungen über das Programm einer jüdischen Jugendbewegung. Ausgehend „vom Bild des jüdischen jungen Menschen, wie er sein soll“, versuchte er dessen Aufgaben für die eigene Selbsterziehung und dessen Forderungen an die jüdische Gesamtheit abzuleiten. Die Rede wurde zusammengefaßt in Leitsätzen, die den Diskussionen zu Grunde lagen. (Die Rede Dr. Bernfelds erscheint demnächst in Druck.) Die anschließende Diskussion war von außerordentlicher Lebhaftigkeit und Mannigfaltigkeit. Ihren Hauptinhalt bildete die Frage der richtigen Weltanschauung der jüdischen Jugend, ob sie sich mehr der geistigen Selbstbildung und der Entfaltung im Menschlichen widmen sollte, unbeschadet der Erwerbung der notwendigen jüdischen Inhalte, oder ob sie in erster Linie „den augenblicklichen Forderungen der jüdischen Gegenwart gemäß“ auf eine solche Bildung verzichten, sich ihrer körperlichen Ertüchtigung und der Mitarbeit am politischen Leben widmen sollte. Aber außer diesen grundsätzlichen Auseinandersetzungen wurden mannigfaltige andere Themen, so insbesondere die Frage nach den Wirkungen der sogenannten „Buberschen Richtung“, der Unterschiede von Ost und West und aller Jugendfragen mehr oder weniger ausführlich gestreift. Zu der Nachmittagsdebatte hatten die größeren Verbände und die wichtigeren Typen der jüdischen Jugend Gelegenheit, durch ihre Vertreter grundsätzlich zu den vorgelegten Thesen Stellung zu nehmen. So sprach Herr Dr. Baron für die studentischen Fachvereine. Herr Dr. Krämer für die Zentralstelle der Bukowiner Jugendgruppen, Herr Kien für die Turnerschaft, dann R i e g e r und Wald für die Zeirei-Zion und Schomrim, Herr Dr. Seidemann für den Wanderbund Blau-Weiß, Herr Charmatz für die Couleurverbindungen und deren neues Reformprogramm, das Hebräischlernen aufnimmt und Mensurenschlagen aufgibt, Herr Privatdozent Dr. G e ig e r für die Ferialverbindungen, Herr H a 1 p e r n für den Krakauer Merkas u. v. a. In der Abenddebatte verdichtete sich die Diskussion zu zwei Generalreden; Herr Dr. Welt sch setzte in ausführlicher Erörterung das Programm der „Kulturrichtung“ auseinander, Mißverständnisse zerstörend, die im Laufe der Diskussion sich eingeschhchen hatten, entschieden darauf Hinweisend, wie die ganze Fragestellung nach dem Primat des einen oder des anderen eine falsche sei. Herr Heinrich M a r g u 1 i e s hingegen, versuchte mit aggressiver Impulsivität die Ausführungen von Herrn Dr.Weltsch zu widerlegen und polemisierte gegen Bubers und Wynekens Einfluß in der jüdischen Jugendbewegung. Beim Schlußwort wandte Dr. Bernfeld sich entschieden gegen Verzerrungen seines Standpunktes und gegen die zulässige Art der Polemik des Herrn Margulies. Er bemühte sich noch einmal kurz seinen grundsätzlichen Standpunkt klarzulegen und verständlich zu machen, wie in ihm keinerlei Gefahr für die Entwicklung der jüdischen Jugendbewegung, ja kaum ein wirklich wesentlicher Unterschied zu den Meinungen einer großen Anzahl sehr bemerkenswerter Jugendgruppen des Ostens bestehe. Unter begeistertem Beifall der noch immer den Saal beinahe vollbesetzenden Jugend wurde mit der Absingung der Hatikwah um 9 Uhr der Saal geschlossen. Montag, den 20., vereinigte sich die Jugend von verschiedenen Wegen kommend, bei klarstem Frühlingswetter auf der Gießhübler-Heide in der Nähe Mödlings und bot in den mannigfaltigen Gruppen der Schomrim, die ihre Zelte aufgeschlagen hatten und Geländespiele aufführten, der Blau -Weißen, die jüdische Lieder sangen, und der riesigen Schar der anderen Gruppen, die in bunten Gruppen an den Hängen saßen, plauderten und spielten, ein wahrhaft festliches Bild. Was im Saal bei der Diskussion fast wie Parteiung und Feindschaft aussah, fand sich hier wahrhaft brüderlich und freundlich vereint. Alle Gegensätze der Theorie waren verschwunden durch die verbindende Kraft jugendlichen Lebensgefühls und jüdischer Bewußtheit. In der späten Nachmittagsstunde kamen die Delegierten von ihrer Konferenz und Dr. Bernfeld konnte der gespannt aufhorchenden Menge die erfreuende Mitteilung machen, daß zu Mittag einstimmig alle Jugendgruppen sich zu einem „Verband der jüdischen Jugend Österreichs“ zusammengeschlossen hatten und daß als vorläufige geschäftsführende Leitung einstimmig gewählt worden waren; Dr. Bernfeld, Kien, Dr. Krämer, Dr. Tisch, Ingenieur Engländer, Dr. Baron, Horowitz und K o r e t z. In kaum endenwollenden Hedadrufen bekundete die Jugend ihr Einverständnis mit den Beschlüssen ihrer Delegierten. In einer ergreifenden Ansprache drückte Dr. Bub er seine Freude über das schöne Bild der Einheit der jüdischen Jugend aust, die zur Erneuerung des Judentums alle Scheingegensätze, wie Ost und West und Intellekt und Körper wahrhaft überwinden müsse. Der Geist, von dem er spreche, der jüdische Geist sei die untrennbare Einheit von Intellekt und Körper. Mit dem klaren Empfinden, daß trotz aller Unzulänglichkeiten, trotz aller Gegensätze und Schwierigkeiten in diesen 3 Tagen etwas dauernd Fruchtbares und Verbindendes geschaffen wurde, verließen die Teilnehmer in großen Gruppen nach und nach die Heide. N. W. Welt-Echo Auf Eingaben des Verbandes der Deutschen Juden hat das Kriegsministerium ihm für die von ihm verteilte F e 1 d b i b e 1 einen Beitrag von 500 Mark bewilligt und außerdem eine dem Preise für die christlichen Feldgesangbücher entsprechende Unterstützung zur Ausstattung jüdischer Heeresangehöriger mit Feldgebetbüchern gewährt. Zangwill und der Sabbath. In einem Sendschreiben an die „Menorah association“ in New York, zu deren Meeting er eingeladen worden war, aber nicht erscheinen konnte, schlug der Zionistenführer Zangwill zur Rettung der jüdischen Orthodoxie vor, Sabbat auf den Sonntag zu verlegen. Kriegführung im hohen Altertum. Die Ausgrabungen des Deutschen Palästinavereins haben in Megiddo, der Stadt ägyptischen Ursprungs (etwa 3000 Jahre vor Christus) in Palästina in der Nähe des Karmel manche Aufschlüsse über israelitische Kriegführung gebracht'. Das älteste Bild eines vermutlich kanaanitischen Kriegers stammt aus dem 12. oder 13. Jahrhundert v. Chr. und zeigt diese Krieger in der Art, wie sie den Scharen Moses und Josuas entgegentraten. Es zeigt, roh auf Ton gemalt, einen zottigen, halbnackten Streiter mit