Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 24 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- Seite 276 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Das Jüdische Echo Nr. 24 strebe. In dieser Richtung könne aber die Jugend nur dann gedeihlich beeinflußt werden, wenn strenge Zucht herrsche und wenn insbesondere die Autorität der Erziehungsfaktoren gewahrt bleibe. Nur auf diesem Wege und nur durch das Vorbild der Erzieher selbst sei es möglich, das neue Geschlecht hinzuführen zu den altbewährten, von der Zeiten Wandel unabhängigen Lehren jüdischer Ethik, die zusammenzufassen sind in den Grund- , Sätzen: „Reinheit des Leibes und der Seele, Wahrhaftigkeit und Arbeitsamkeit“. Die mit zahlreichen Hinweisen aus dem biblischen, talmudischen und rabbinischen Schrifttum belegten geistvollen Ausführungen wurden mit sichtlichem Interesse und lebhaftem Beifall aufgenommen. Am 2. Abend beschäftigte sich Frl. S. Werner aus Hamburg mit dem spezielleren Thema: „Die Erziehung unserer schulentlassenen weiblichen Jugend“. Aus der Tiefe der Erfahrungen und des Gemütes schöpfend, ging die Rednerin von dem Gedanken aust, daß Erziehung Vorleben bedeute. Nur tüchtige Frauen könnten tüchtige Menschen entwickeln. Dementsprechend hat sich die Mutter der Zukunft, die eigentliche Erzieherin, selbst noch zu formen und emporzuheben. Sie muß in erster Reihe bewußte Jüdin sein und sich mit den Grundfragen der jüdischen Ethik vertraut machen. Dann wird sie das Ideal des einzigen Gottes in dasi Herz der Tochter pflanzen und ihr damit Halt und Lebensinhalt geben können. Nicht bloß der Sohn, auch die Tochter soll wissende Bekennerin des Judentums werden, die teilnimmt an allen Vorgängen desselben. In gleicher Weise ist dasi heranwachsende Mädchen zur Mitarbeit an sozialen Aufgaben anzuhalten. Es darf solchen Dingen nicht urteilslos gegenüberstehen, aber auch nicht teilnahmslos sich verhalten, wo es sich um Rechte und Pflichten des Staatslebens handelt. Die Erziehung zur Staatsbürgerin ist gleichfalls ein unumgängliches Erfordernis. Hinsichtlich des Bildungsmaßes warnte die Vortragende vor zu hoch getriebenen Zielen. Nur das gesunde, kraftvolle und hervorragend begabte Mädchen mag dem höchsten Bildungsziel zustreben. Für das weibliche Geschlecht bietet im allgemeinen die Ehe die höchste Entfaltungsmöglichkeit, daher muß es für die Ehe erzogen werden. Jeder Berufsbildung hat die hauswirtschaftliche Ausbildung voranzugehen. Damit die Männer sich nicht scheuen, einen Haushalt zu gründen, müssen bei den Töchtern die Tugenden der Anspruchslosigkeit und Arbeitsamkeit geübt und die Vorliebe für Modetorheiten bekämpft werden. Ganz besonderen Nachdruck legte die Rednerin auf die Erziehung zur Mutterfreudigkeit, die ja durch den männermordenden Krieg äußerst vordringlich und heilig ist. Da gilt es insbesondere, die Mädchen durch einfache, natürliche Lebens*- weise, durch fleißige Leibesübungen zu stählen und abzuhärten und sie in Reinheit und Keuschheit zu erziehen. Doch muß das Mädchen auch mit seinem Bestimmungsberuf vertraut gemacht werden. Die Mutter hat die Pflicht — und sie darf sich nicht etwa durch eine falsche Scham davon abhalten lassen —, die Tochter jeweils über gewisse Funktionen des weiblichen Körpers aufzuklären. Das wird die Ehrfurcht vor den Eltern, die im jüdischen Hause erhalten bleiben muß, nur stärken und fördern. Im zweiten Teil ihrer Ausführungen betonte die Rednerin das Recht der Frau auf Berufsarbeit, da ja nur ein Teil der Frauen ihrem natürlichen Beruf als Gattin und Mutter zugeführt werden können. Im Hinblick darauf sollte zunächst allen Mädchen eine vollwertige Berufsbildung zuteil werden, die neben dem Nutzen viel Befreiendes, Ruhe und Zufriedenheit bringe. Sehr geeignet seien solche Berufe, in denen mehr das Konkrete, Persönliche und Gefühlsmäßige zum Ausdruck komme und die Möglichkeit einer Heimgründung gegeben sei. Für ganz besonders empfehlenswert halte sie die Ausbildung in Landwirtschaft und Handwerk, weil diese Berufe die angeführten Bedingungen erfülle und gutes Fortkommen verbürge. Durch starken Beifall gab die Zuhörerschaft ihren Dank für den lehrreichen Vortrag kund. Herr Lehrer Dr. Bamberger, Nürnberg, verbreitete sich am nächsten Abend mit großer Sachkenntnis und Erfahrung über die Frage der „Erziehung unserer schulentlassenen männlichen Jugend“. Ein gewaltiger Umschwung in psychischer wie auch physischer Hinsicht, so etwa führte der Vortragende aus, vollziehe sich bei der schulentlassenen Jugend. Sie stehe an einem Wendepunkt des Lebens. Unser Bemühen sei vor allem darauf gerichtet, die jungen Menschen vor den Versuchungen und Gefahren dieses Alters zu bewahren, in- "ßiuThallmaier /Tjofüeferant München Thgaünßvtir.tö. miruQ i/ibiizQÜarm ttSSHmLas