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Das jüdische Echo · 1918-06-14 · 24 (14.6.1918) · p. Seite 275

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
24 (14.6.1918)
Date
1918-06-14
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 275 mit den Arabern anzuknüpfen. Die Tatsache, daß auf dem großen Meeting in London auch Syrer und Araber gesprochen haben, hat auf die hiesigen Führer stark gewirkt. Ende April wurde der Kommission ein offizielles Diner vom Gouverneur gegeben. Außer dem Mufti von Jerusalem und dem Bürgermeister waren noch eine Reihe von Notabeln anwesend, u, a. der griechische Erzbischof, der armenische Bischof von Kairo, der Vertreter der katholischen Kirche, usw. Der Gouverneur stellte Dr. Weizmann mit einigen kurzen Worten vor und gab der Hoffnung Ausdruck, daß alle religiösen Gemeinschaften und Nationalitäten sich einigen würden. Dr. Weizmann hielt dann eine kurze Ansprache: „Ich komme,“ erklärte er, „in dieses Land der jüdischen Vergangenheit und der jüdischen Zukunft als Vertreter der jüdischen Volksgemeinschaft. Ich bin von dem Bewußtsein meiner Verantwortlichkeit tief durchdrungen. Ich komme mit der Losung: Friede und Zusammenschluß aller Gemeinden, die hier vertreten sind. Palästina bietet genug Raum und Möglichkeit für eine Zusammenarbeit aller Gemeinschaften und Religionen. Für die Juden und Araber ist ein harmonisches, friedliches Leben möglich und notwendig. Ich warne vor falschen Vorstellungen, die diese Harmonie stören können. Da wir Zionisten nicht hierherkommen, um ein zweites Albanien oder Rußland zu schaffen, so wollen wir auch nicht sofort nach Beendigung des Krieges die Macht übernehmen. Eine von dem Staatenbund zu ernennende Macht soll Palästina bis zur Selbstregierung verwalten.“ Die Zionisten, so schloß Dr. Weizmann seine Rede, die nachher ins Arabische übersetzt wurde, werden eine Entente mit den Arabern und den Armeniern schließen. Der Mufti antwortete in sehr freundlichen Worten. Er erklärte, von dem Ernst und der Treue der zionistischen Erklärung überzeugt zu sein. Er hoffe mit den Zionisten Schulter an Schulter für das gemeinsame Ziel: Das Wohl von Palästina, wirken zu dürfen. Aus London wird dem Jüdischen Korrespondenz- Bureau in Bern telegraphiert: Die zionistische Kommission ist nach Besichtigung mehrerer jüdischer Kolonien, wo sie mit großer Begeisterung empfangen wurde, nach Jerusalem zurückgekehrt. Der Zustand der Kolonien ist verhältnismäßig befriedigend; es fehlen jedoch Arbeitskräfte, Vieh und landwirtschaftliche Utensilien. Eine langsame Besserung ist zu erwarten, sobald die erforderlichen finanziellen Mittel für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt werden. Die Kommission hat eine Enquete über die erlittenen Schäden und über die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung eingeleitet. Aus New York wird dem jüdischen Korrespondenz-Bureau in Bern berichtet: Die Ankunft der zionistischen Kommission in Palästina wurde in den Vereinigten Staaten durch große Kundgebungen gefeiert. In New York fand in der Carnegie Hall eine große Versammlung statt, in der zionistische Führer begeisterte Reden hielten. Unter den Teilnehmern befanden sich auch viele jüdische Soldaten, die zum jüdischen Regiment gehören, das sich an die palästinensische Front begeben wird. Die Erziehungswoche in Nürnberg. Es war ein glücklicher Gedanke der hiesigen israelitischen Gemcindebibliothek, daß sie der vom Landesverein für innere Mission anberaumten Erziehungswoche eine parallele Veranstaltung zur Seite stellte. Den Reigen der Vorträge eröffnete recht wirkungsvoll Herr Rabbiner Dr. Freudenthal mit dem Thema: „Grundsätze jüdischer Erziehung“. Einleitend bemerkte der Redner, daß im Hinblick auf den interkonfessionellen Charakter und die hervorragende Bedeutung des Erziehungsproblems das Judentum sich nicht passiv verhalten dürfe. — Er legte sodann, immer auf der geschichtlichen Entwicklung fußend, Subjekt und Objekt, Ziel, Methode und die wichtigsten Grundsätze der Erziehung vom Standpunkte der jüdischen Weltauffassung dar. Mehr noch als die Schule sei das Haus für die Lösung der Erziehungsaufgaben berufen. Die Erziehung hat sich weit über das schulpflichtige Alter hinaus zu erstrecken und umfaßt ebensogut das weibliche, wie das männliche Geschlecht. Bei letzterem ist allerdings auf die Bestimmung der Frau, in erster Linie Priesterin des Hauses zu sein, Bedacht zu nehmen. Eine allzustarke Betonung der rein verstandesmäßigen Ausbildung ist zu vermeiden. Ausgang und Zielpunkt der Erziehung ist eine einheitliche, rein idealistische, religiöse Weltanschauung, die in dem biblischen Satze gipfelt: „Heilig sollt Ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige“. Demgemäß warnte der Vortragende ebensosehr vor dem einseitig rationalistischen, wie vor dem realistischen Erziehungsideal, auch die humanistische und chauvinistisch-völkische Richtung lehnte er in ihrer starren Einseitigkeit ab. Die üblichen in der Pädagogik aufgestellten Ziele seien wohl Unterstufen, aber keine Höhepunkte desi Erziehungswerkes. Im Gegensatz zu ihnen charakterisierte er mit eindringlichen Worten das jüdische Erziehungsziel, das auf eine harmonische Ausbildung des Geistes, des Herzens und des Charakters, umschlossen von dem Band der Religion, hinwirkt und Gottesfurcht und Weisheit vereint er- 3Jtünd?ner 3Ieuefte 3ladjn ©roßte,tägf.2maf erfd)einenbe 3eitung ©üb* unb 3JIittß(beuffdp fanb$. 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