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Das jüdische Echo · 1918-06-07 · 23 (7.6.1918) · p. Seite 268

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
23 (7.6.1918)
Date
1918-06-07
Page
Seite 268 (sequence 8)
Language
German
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268 Das Jüdisch« Echo Nr. 23 sicht, doch war sie bisher infolge der Proteste der Juden in England sowie weiter liberaler Kreise und später auch nach der russischen Revolution durch die Einsprüche seitens der russischen Regierung an ihrer Einführung verhindert. Nunmehr, da England auf die russische Regierung keine Rücksicht mehr zu nehmen braucht, hat sie die Einberufung der russischen Juden verfügt, obwohl sie völkerrechtlich keinerlei Recht dazu hat, da ja Rußland überhaupt aus dem Kriege ausgeschieden ist. In russischen jüdischen Kreisen in England herrscht darob eine heftige Erregung. Ein Teil der englischen Presse benutzt den Widerstand der jüdischen Kreise gegen die ungerechte Verfügung der englischen Regierung zu sehr heftigen und maßlosen antisemitischen Angriffen. Charakteristisch für die ganze Situation ist der Beschluß, den die jüngst stattgefundene Konferenz der englischen Poale Zion in Manchester zu dieser Frage angenommen hat. Er lautet: „Die 13. Konferenz der jüdischen Sozialisten-Arbeiterpartei Poale Zion in Qroß-Britannien, die in Manchester abgehalten wurde, protestiert sehr scharf gegen die niedrigen Angriffe eines Teils der englischen Presse gegen die ausländischen Juden. Diese Hetze ist der Ausdruck eines sehr starken Antisemitismus, der sich unter der Ausrede verbirgt, er sei bloß anti-allien gegen die Fremden. Dieser Antisemitismus richtet sich gegen den hilflosen Teil der jüdischen Bevölkerung, denn dieser ist hilflos, weil er keine Presse in der englischen Sprache hat. in der sie ihre Meinung und Gefühle ausdriicken könnte.“ Die Resolution wendet sich -schließlich an die englische Arbeiterorganisation mit der Aufforderung, sie sollte protestieren gegen die „niedrige und organisierte Hetze“, die gegen die höheren Gefühle und Traditionen der englischen Nation verstoßen. Jeschiwah der Agudas Jisroel in Zürich. Am 20. April Wurde in Zürich durch den Oberrabbiner Dr. Lewenstein die Jeschiwah der Agudas Jisroel eröffnet. Er hob in seiner Rede hervor, daß diese seit Jahrzehnten das erste Institut dieser Art im Westen sei, denn in ihr werde nur den jüdischen Wissenschaften, vor allem dem Talmud und der Bibel, die ganze Zeit gewidmet. In dieser „Lehranstalt für Talmud und jüdisches Wissen“ — wie das Institut geheißen wird — werden täglich 6ih Stunden die angeführten Gegenstände, dazu noch jüdische Geschichte, hebräische Sprache, Grammatik, die Mizwoth, En Jakob usw. gelehrt. Es ist ein besonderes Verdienst des Herrn Max Mannes, der sich namentlich der finanziellen Seite, und des Herrn Dr. M. W. Rapaport, der sich der ideellen Seite widmet, daß die Jeschiwah sich gut entwickelt und nach Ablauf eines Monats noch ein Vorbereitungskurs für solche Kinder eröffnet werden konnte, die später, in dem entsprechenden Alter, in die Jeschiwah einzutreten gedenken. Am 20. Mai wurde auch dieser Vorbereitungskurs eröffnet, und es war für alle frommen Juden eine Freude zu isehen. wie viele Kinder sich zum Lernen der Torah und des Talmuds drängen. Die Judenpogrome in Rußland. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm berichet: Die telegraphischen Nachrichten über zahlreiche Judenpogrome in Rußland, der Ukraine und Beßarabien werden von eben eingetroffenen Petersburger Blättern bestätigt. Der „Prawda“ vom 13. April zufolge waren diese Pogrome am 11. April Gegenstand einer Beratung des zentralen Vollzugsausschusses der russischen Sowjets, An die Ausführungen der Referenten anknüpfend meint „Prawda“, die Judenpogrome seien zu einem allgemeinen Auskunftsmittel der Reaktion nicht nur in Rußland, der Ukraine und Beßarabien. sondern auch in Polen und Österreich geworden. Im Artikel heißt es: „Die eine ganze Reihe von Städten heimsuchende Pogromsieuche übertrifft in ihrer Bestialität alles, was 1905 geschehen ist“. Der Referent im zentralen Vollzugsausschüsse entwarf ein entsetzliches Bild der bestialischen Verbrechen, die an der wehrlosen jüdischen Bevölkerung begangen werden. In Gluchow wurde die ganze jüdische Bevölkerung ermordet, in Turkestan wurde die jüdische Bevölkerung massenhaft umgebracht, die rumänische Macht organisierte selbst Judenpogrome. Zu den Krakauer Judenexzessen. Die Resolution des Polnischen Klubs hinsichtlich der Krakauer Exzesse lautet: „Der Polenklub stellt mit Bedauern fest, daß die Krakauer Polizei durch ihre Passivität und Unfähigkeit es dazu gebracht hat, daß die antisemitischen Unruhen, welche zu Beginn von einer kleinen Schar von halbwüchsigen Jungen gemacht wurden, in der Folge bedrohliche Formen annahmen, so daß das Militär einschreiten mußte. Der Polenklub verurteilt die Versuche, die Bevölkerung gegeneinander aufzuhetzen und wendet sich an die Bevölkerung und die Presse mit der eindringlichen Aufforderung, daß alles aufgeboten werde, damit in Zukunft derartige Fälle sich nicht wiederholen.“ Diese Resolution ist eine klare Widerlegung der Darstellung der polnischen Bureaus, wonach die Ausschreitungen den Charakter einer Hungerrevolte und nicht eines Judenpogroms getragen hätten.... Protestkundgebung gegen die antisemitischen Vorgänge in Rumänien, Polen und Galizien. Am 5. Mai fand im Züricher Volkshausi eine große Protestversammlung statt, in der u. a. Dr. Jakob Klatzkin energischen Einspruch gegen die Vergewaltigung der Juden in Rumänien, Polen und Galizien erhob. Seine Rede giDfelte in einer Anklage gegen jene, die Greueltaten verhindern konnten und es nicht taten. Großen Beifall fanden seine logischen Ausführungen, bei denen er u. a. sagte: „Am Anfang des Krieges erklärte ein Staatsmann: Wir müssen Krieg führen, weil wir unsere Garantiezeichnung einlösen müssen; wir können es nicht gestatten, daß unsere Unterschrift entehrt werde. Hat man eine solche stolze Sprache in Bezug auf die Einlösung der Unterschriften seitens der Garantiemächte des Berliner Vertrages mit seinem § 44 je gehört? Warum wurde und wird Rumänien gestattet, die gleichen Unterschriften öffentlich zu verhöhnen? Weil es sich ja nur um Juden handelt.“ Markig waren auch seine Ausführungen über den Begriff der jüdischen Neutralität, die die objektivste ist, weil jedes Land die in ihm wohnenden Juden als seine Bürger, seine ordenbedeckten jüdischen Helden als seine Helden reklamiert, aber gerade deshalb trägt das jüdische Volk die historische Verantwortung für die Begriffe Recht und Gerechtigkeit, die zuerst von ihm geprägt und in großen Leiden immer wieder neu erlebt worden sind. „Das jüdische Volk als Träger und Hüter dieser Ideale kann nicht, darf nicht dem Unrecht unbeteiligt gegenüberstehen.“

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