Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 23 (7.6.1918)
- Date
- 1918-06-07
- Page
- Seite 267 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Dm Jüdisch« Echo 267 Welt-Echo Not in Palästina. Die Fortdauer des Krieges und die dauernden Kämpfe in Palästina lassen die Not und das Elend der jüdischen Bevölkerung Palästinas in furchtbarem Maße wachsen. In Safed, Tiberias und den nahen Orten, wo sich die Evakuierten in trostlosen Verhältnissen aufhalten, sind die Preise für Brot und den allernotwendigsten Lebensunterhalt schon auf schwindelnder Höhe angelangt und selbst für die Wohlhabenderen kaum zu erschwingen. Das Hilfswerk für P a lä s t i n a, das bekanntlich aus einer Reihe von deutsch-jüdischen Organisationen gebildet worden ist und eine großzügige Hilfsaktion durchführt, wendet sich wiederum an die deutschen Juden mit dem dringenden Appell, der Bevölkerung Palästinas beizustehen und ihre Not lindern zu helfen. Sammlungen und Einzelspenden sind an das Hilfswerk für Palästina, Berlin W. 15, Postscheckkonto Berlin 4192, Bankkonto: Nationalbank für Deutschland, Depositenkasse Kürfiirstendamm 211, abzuführen. Eine jüdische medizinische Expedition für Palästina. Aus London wird dem Jüdischen Korrespondenzbureau berichtet: Eine jüdische medizinische Expedition begibt .sich demnächst aus New York nach Palästina. Die Expedition besteht aus einem medizinischen Leiter, fünfzehn Ärzten, fünfzehn Krankenschwestern und aus einem Stab von Pharmazeuten, Zahnärzten und Mechanikern. Die britischen Militärbehörden in Jerusalem haben der Expedition, der sich in Palästina lebende Ärzte anschließen werden, ein Hospital zur Verfügung gestellt. Die Expedition, die eine Schule für Krankenschwestern und ein fliegendes Hospital in Palästina zu eröffnen gedenkt, führt Medikamente und chirurgische Instrumente im Werte von 40 000 $ mit. Sie verfügt schon jetzt über zweihunderttausend Dollars, die ihr Jahresbudget bildet. Mohamedaner und Juden in Palästina. Nach einer Londoner Meldung des Jüdischen Korrespondenzbureaus im Haag haben einige in England wohnhafte Mohamedaner Minister B a 1 f o u r eine Denkschrift überreicht, worin sie den Empfindungen der Mohamedaner in Bezug auf die Zukunft Palästinas und besonders mit Rücksicht auf die britische Regierungserklärung Ausdruck geben. In der Denkschrift heißt es u. a.: „Die Juden hätten kein Recht auf das Land, dessen sie sich durch Raub bemächtigt hätten. Die Juden seien stets gut behandelt worden und oft besser als in christlichen Ländern; aber ein jüdisches Palästina sei gefährlich, weil die Juden doch, wie bekannt. Ausbeuter wären, und ein friedliches Leben unmöglich machen würden. Ein freies selbständiges Palästina dürfe nur ein mohamedanischer Staat sein.“ Dieser Denkschrift wird in maßgebenden Kreisen keine Bedeutung zugeschrieben, da sie von einigen wenigen Personen herrührt, die ohne jedes Mandat „den Empfindungen der Mohamedaner“ Ausdruck gegeben haben. Auf dem großen Meeting im Londoner Opernhouse im Dezember v. J., wo der englischen Regierung für ihre Erklärung gedankt wurde, waren auch Vertreter der Araber und der Armenier erschienen, die ihrer großen Freude über die Erklärung Ausdruck gaben. Sokolow war berechtigt von einer Entente Cordiale zwischen Arabern, Armeniern und Juden Mitteilung zu machen. Von noch größerer Bedeutung ist der Empfang, der Dr. Weizmann in Palästina bereitet wurde, an dem befugte mohamedanische Vertreter teilnahmen. Ini seiner Rede gab der Mufti seiner Freude darüber Ausdruck, mit den Zionisten an einem isthönen und großen Palästina, zum Wohle beider Völker arbeiten zu können. Zwei palästinensische Juden hingerichtet. Das Jüdische Korrespondenzbureau in Bern berichtet: Laut Mitteilung des Stockholmer Jüdischen Preßbureaus sind die im Herbst 1917 vom Militärgericht in Damaskus zum Tode verurteilten palästinensischen Juden Lichansky und Beikind hingerichtet worden. Alle Bemühungen, ihr Leben zu retten, waren vergeblich. Die Verurteilung war, auf Grund eines inquisitorischen Verfahrens erfolgt. Von Beikind wurde durch Tortur ein Bekenntnis erpreßt, daß er, Lichansky und andere Spionage zugunsten Englands getrieben hätten. Die Hinrichtung kommt um so überraschender, als die Begnadigung der Verurteilten von türkischer Seite in Aussicht gestellt worden war. Vom Jüdischen Nationalfonds. In Galiläa nimmt die Not unter den Flüchtlingen erschreckende Formen an. Man zahlt für ein Kilogramm Getreide einen Goldfrank. Die dortigen Farmen des JNF Merhawjah, Daganiah und Kinereth vermögen für die etwa 4000 Flüchtlinge nur einen Teil des Getreidebedarfes zu decken. Das Flüchtlingskomitee verlangt vom JNF für die arbeitsfähigen Flüchtlinge die energische Fortsetzung der Notstandsarbeiten. Die Vereinigung der zionistischen Studenten in Paris veranstaltete kürzlich eine Soiree, deren Ertrag von 3000 Franken dem JNF für Notstandsarbeiten in Palästina überwiesen worden ist. Das Nationalfonds-Bureau für Amerika hat kürzlich eine Kampagne für die Landspende unter der Losung „Land for the National1 Fund“ eingeleitet. Auch die Nationalfonds-Kommission für England hat sich an die zionistischen und andere jüdische Vereine und Synagogen mit einem Aufrufe gewendet, die Landspende zu fördern. Wiederum ist dem JNF eine ansehnliche Hinterlassenschaft zugefallen: Der am 23. Februar d. J. in Lausanne verstorbene Herr Aron Bregstein aus Warschau hat dem JNF ein Vermächtnis von 25 000 Rubel testiert. Hiervon sind 15 000 Rubel zur Anpflanzung und Pflege eines Waldes bestimmt, während die übrigen 10 000 Rubel für den Bau und Unterhalt von Arbeiterheimstätten und -Krankenstuben Verwendung finden sollen. — Leutnant Dr. Adolf Jacobsohn aus Lüneburg hat dem JNF ein Vermächtnis von 10 000 Mark hinterlassen. Herr B. Clingmann in Capetown den Betrag von 200 £. Anläßlich der Wiederkehr von Herzls Todestag sind Neuauflagen der Schrift „D e r H e r z 1 w a 1 d“ in mehreren Sprachen erschienen. Es wird erwartet, daß sich in diesem Jahre die Veranstaltungen und Sammlungen für den Herzlwald am 20. Tamus zu einer Manifestation der Treue für den Schöpfer der zionistischen Weltorganisation gestalten werden. Einziehung der russischen Juden in England. Aus London kommen Nachrichten, daß nunmehr die englischen Behörden mit rüchksichtsloser Strenge mit der Einberufung der in England wohnenden russischen Juden beginnen. Bekanntlich hatte die englische Regierung seit langem die Ab-