Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 23 (7.6.1918)
- Date
- 1918-06-07
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdisch« Echo 263 sen und niemals daran gedacht, ihm die Kreise der ansässigen jüdischen Gesellschaft zu erschließen. Das einzige was man für ihn tat, war. daß man ihm hier und da einen Brocken beschämender „Wohltätigkeit“ zuwarf. Daß die auf diese Weise von der „besseren jüdischen Gesellschaft“ Isolierten, die selbstverständlich zu den nichtjüdischen Kreisen noch weniger Beziehungen gewannen, auf den Gedanken kommen, sich oder ihren Kindern durch Reichwerden ä tout prix gesellschaftliche Geltung zu erringen, und daß sie. die aus den allzu häufig korrumpierten Verhältnissen des Ostens stammen und keine Gelegenheit haben, sich persönlich davon zu über- - zeugen, daß zur gesellschaftlichen Geltung auch Gesinnung gehört, nicht immer skrupellos in der Wahl ihrer Mittel sind (besonders wenn, wie gesagt. die Geschäftsgebarung ihrer Umwelt häufig starke Verlockungen für sie bietet!), sollte eigentlich in einem menschlich Empfindenden noch andere Gefühle als das der Verachtung erwecken. Statt dessen sind aber die Westjuden, die durch ihren Mangel an Verantwortlichkeits- und Mitgefühl für den Eingewanderten eine schwere Unterlassungssünde begangen haben, gewöhnlich die, welche den ersten Stein aufheben. Diese Erscheinung hat sich auch im vorliegenden Falle gezeigt: die tiefste Entrüstung über dieses Häuflein Ostjuden, die den Goldforderungen im besetzten Gebiet entsprechen wollten, zeigten ihre jüdischen Stammesgenossen. Und es wäre für diese doch so leicht gewesen, aus dieser Angelegenheit eine ganz andere Lehre zu ziehen: daß es nämlich Pflicht der Westjuden ist, den Rechtssinn und das Ehrgefühl der Eingewanderten dadurch stark zu erhalten, daß sie ihnen die Möglichkeit geben, sich in die westjüdische Gesellschaft einzugliedern, daß sie ihnen das gewähren, was sie selbst gegenüber der deutschen Gesellschaft erstreben: Gleichberechtigung. H. H. C. Eine Erklärung der italienischen Regierung zu Gunsten der Zionisten. Der italienische Botschafter in London hat Herrn .Nahum Sokolow folgende Erklärung übermittelt: „Im Aufträge Sr. Exzellenz des Barons Sonnino, des Ministers des Auswärtigen Seiner Majestät, habe ich die Ehre, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß die Regierung Seiner Majestät die Erklärung bestätigt, die durch ihre Vertreter in Washington, Haag und Saloniki bereits abgegeben wurde: daß sie nämlich alle Anstrengungen machen wird, um die Errichtung eines jüdisch-nationalen Zentrums in Palästina zu erleichtern, wobei verstanden werde, daß dies die rechtliche und politische Lage, die die Juden in allen Ländern genießen, in keiner Weise beeinträchtigen wird.“ Das „Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation“ hat aus Anlaß der Veröffentlichung dieser italienischen Regierungserklärung zugunsten des Zionismus folgendes Telegramm an die italienische Zionistenföderation gerichtet: „Wir beglückwünschen Sie aufs wärmste anläßlich der vom iatlienischen Botschafter in London ‘ soeben mitgeteilten offiziellen Versicherung der italienischen Regierung, daß sie ihr Bestes tun wird, um die Errichtung eines jüdisch-nationalen Zentrums in Palästina zu erleichtern. Wir begrüßen es mit dankbarer Genugtuung, daß Italien, das seiner jüdischen Bevölkerung von jeher vollständige Nationaljüdischer Verband München (Zionistische Ortsgruppe, Verein Ahavath Zion, Verein Bne Jehudah, Herzlverein, Führerschaft des Jüdischen Turnvereins) Montag, den 10. Juni im kleinen Saale des Hotel Union, Barerstraße 7/1 Vortragsabend von HELENE HANNA COHN über: Die aeue GemeiDsctiali in Paiasiioa. Freie Aussprache. Gäste willkommen. Beginn pünktlich 8 Uhr. Eintritt frei. Freiheit und Gleichberechtigung nicht nur im Gesetz, sondern auch tatsächlich gewährt hat, nunmehr auch den zionistischen Zielen seine Förderung verheißt, deren vollständige Verwirklichung mit Zustimmung aller Völker und Regierungen das jüdische Volk in naher Zukunft zu erleben hofft. Jacobson.“ Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden.1) I. Die bisherige Entwicklung. In den letzten Jahren vor dem Kriege hat sich in denjenigen jüdischen Kreisen, die einen tieferen Einblick in die Organisation der jüdischen Wohlfahrtspflege gewonnen hatten, die Auffassung durchgerungen, daß es erforderlich sei, durch straffe Zusammenfassung der zahlreichen, auf sozialem Gebiet tätigen jüdischen Kräfte in wirksamerer Weise, als es bislang geschehen war. die Aufgaben, die der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland zufallen, zu lösen, Der allgemeine volkswirtschaftliche Grundsatz, daß auch auf sozialem Gebiet die vorhandenen Mittel am zweckmäßigsten ausgenützt werden müssen, der in der interkonfessionellen Wohlfahrtspflege schon längst galt, sowie die Erkenntnis, daß der Geist moderner Ideen auch das jüdische Wohlfahrtswesen zu erfüllen habe, durchdrang immer weitere jüdische Kreise. Es war daher kein Zufall, daß an die Großloge für Deutschland sowohl als an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund von Einzelnen und von Gemeinden die Aufforderung gerichtet wurde, eine Zentralstelle für die gesamte jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland zu schaffen. Noch stärker aber wurde das Interesse an der zeitgemäßen Ausgestaltung der Wohlfahrtspflege im Kriege, als man zu der Überzeugung kam, daß die großen Anforderungen, welche die Not des Krieges an die soziale Hilfstätigkeit stellt und die durch den Krieg verursachten Schäden nach Beendigung des Krieges stellen werden, die schnellste Vereinigung der zahlreichen jüdischen sozialen und Wohlfahrtseinrichtungen in Deutschland erforderlich machen. Den Gedanken des Zusammenschlusses zum treffenden Ausdruck zu bringen, war der Generalversammlung des Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Groß-Berlin am 30. April 1917 Vorbehalten, in welcher nach einem Vortrage von Herrn Magistrats-Assessor Dr. Ollendorff- Breslau über „Wege und Ziele jüdischer Wohl- U Das noch junge Institut, das dankenswerte Reformen in der jüdischen Wohlfahrtsarbeit erstrebt, stellt uns den nachstehenden Bericht über seine Ziele und Arbeiten zur Verfügung.