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Das jüdische Echo · 1918-05-31 · 22 (31.5.1918) · p. Seite 250

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
22 (31.5.1918)
Date
1918-05-31
Page
Seite 250 (sequence 2)
Language
German
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250 Das Jüdische Echo Nr. 22 Herr Beckh und die Lehrer. Preußen hat seinen Heins — der bayerische Landtag seinen Beckh. Während die Kapuzinade des Herrn Turnlehrer Heins die wohlverdiente Heiterkeit und Abfuhr erntete, konnte Herr Ökonomierat Beckh unter dem lebhaften Beifall der Freien Vereinigung und der Zustimmung der rechten Seite des Hauses seine unbewiesenen und unbeweisbaren Anklagen ins Land hinausrufen und keine Stimme erhob sich gegen den stimmgewaltigen Antisemiten. Wenn wir erst heute uns zum Worte melden, so geschieht es, weil die Rede des Herrn Abgeordneten Beckh, gehalten in der 443. Sitzung der bayerischen Kammer der Abgeordneten vom 1. März 1918, jetzt im stenographischen Bericht uns zuzugänglich ist. Und also sprach Herr Beckh: „Wenn in den Schulen auch noch jüdische Lehrer unsere Kinder unterrichten (hört! rechts), dann gewinnt das Judentum noch mehr die He r r iS c h a f t über die Geister. Das würde dem Aufstieg unseres Volkes in der Zukunft die größten Hindernisse bereiten und uns außerstand setzen, deutsche Art in Kunst und Wissenschaft, in Staat und Kirche zur Geltung zu bringen. Deshalb habe ich auch im Berichte des Herrn Referenten an den Finanzausschuß mit großem Bedauern gelesen, daß nicht nur in Mittelschulen, sondern auch in Volksschulen jüdische Lehrer unsere Kinder unterrichten und erziehen helfen. Ich halte das für eine völlige Verkennung des Unterrichtszweckes. Dem muß der Herr Kultusminister mit allen Kräften entgegentreten. Ich kann nur auf das tiefste bedauern, wenn selbst evangelische Geistliche dafür kein Verständnis haben. Im Gegensätze dazu soll der Herr Minister entschieden nach dem Rechten sehen und in Verbindung mit dem Oberkonsistorium Anordnung treffen, daß auch in der Kriegszeit nur christliche Lehrer in christlichen Volksschulen unterrichten. Nach meiner Meinung versündigt man sich an unserem Volke, wenn christliche Eltern gezwungen werden, ihre Kinder in eine Schule zu schicken, die von einem jüdischen Lehrer gehalten wird.“ Was war geschehen, daß Herr Beckh gegen die „Judenlehrer“ anreitet, um das Recht der christlichen Eltern zu wahren, „daß ihre Kinder nicht in jüdischem Geist unterrichtet werden“? Eine Reihe israelitischer Lehrer stellte sich bereitwilligst den Schulbehörden zur Verfügung und übernahm, um der Schul- und Lehrernot abzuhelfen, auf Wunsch der Distrikts- und Kreisschulinspektoren den profanen Unterricht an den verwaisten katholischen und protestantischen Schulen. Etwa 40 israelitische Lehrer haben jahrelang ohne Entschädigung und ohne Aussicht auf Dank und ohne Hoffnung auf weitere Verwendung in diesen Schuldiensten ihre Zeit und Kraft der vaterländischen Volksschule gewidmet. Sie haben eine selbstverständliche Pflicht erfüllt, für die sie keine Belohnung erwarteten — aber auch keine Beleidigung und Anklage! Wie aus uns vorliegenden Visitationsberichten der Distrikts- und Kreisischulinspektoren hervorgeht, ergab die Verwendung israelitischer Lehrkräfte sogar an rein konfessionellen christlichen Schulen weder in erziehlicher, noch unterrichtlicher Beziehung Beanstandungen, in zahlreichen Fällen sogar besonders günstige Ergebnisse. Wir zitieren z. B. aus dem Schulberichte des geistlichen Herrn Distrikts-Schulinspektors vom 14. Dezember 1915 über die von dem israelitischen Lehrer in Altenmuhr seit Oktober 1914 geführte protestantische Schule: „II. Stand des Unterrichts und der Erziehung im allgemeinen: Die Schule ist in guten Händen und weist einen anerkennenswerten Stand des Unterrichts und der Erziehung auf. Mit Interesse folgen die Schüler den Darbietungen des Lehrers, die darauf abzielen, Verstand und Gemüt der Jugend anzuregen.“ Aus dem Visitationsberichte des K. Distriktsschulinspektors über die III. Schule in Maßbach (Unterfranken): „In bereitwilliger Weise hat Hauptlehrer F. den Unterricht in der III. protestantischen Schule in Maßbach übernommen, während seine israelitischen Schüler in die einzelnen Klassen der protestantischen Schule aufgeteilt wurden. Bei intensiver Arbeit hat er das Lehrziel wohl erreicht und trotz der großen Schülerzahl sind die einzelnen gut gefördert. An der ganzen Schule ist fast nichts zu merken von den nachteiligen Folgen des Krieges, ein Beweis für die Tüchtigkeit und den Fleiß des Lehrers.“ Da aber Herr Beckh den evangelischen Geistlichen das „Verständnis“ für seine Sorgen abspricht, so befrage er doch die Bauern des ihm nahe stehenden Ortes Thalmässing nach den Erziehungserfolgen des jüdischen Lehrers, dem gern die christlichen Eltern ihre Kinder anvertrauten. Wir waren nicht so vermessen, Anstellung israelitischer Lehrer an konfessionellen christlichen Schulen zu erbitten, aber an Simultanschulen*) erschien die Verwendung jüdischer Lehrer gewiß berechtigt. Landesverein und israelitischer Lehrerverein konnten glauben, daß das schöne Wort der Verheißung „Dem Tüchtigen freie Bahn“ auch für jüdische Lehrer gelte. Von Jahr zu Jahr wird es israelitischen Lehrern schwerer, im Volksschuldienst eine ihrer Vorbildung und ihrem Streben entsprechende Stellung zu finden. Israelitische Volksschulen gibt es mit Ausnahme weniger Städte der Pfalz und des rechtsrheinischen Bayern meist nur in Landge- *) Anmerkung der Redaktion. Solange die bayerische Gesetzgebung Simultanschulen im eigentlichen Sinne nicht kennt — die Simultanschulen sind ja lediglich gemischt von katholischen und protestantischen Schulen — erscheint allerdings die jüdische Volksschule als die einzige Lösung die wir im Interesse unserer Jugenderziehung in jeder Beziehung begrüßen würden. s chreiDmaschmen Reparaturen und Reinigungen aller Systeme schnell, fachgemäß, preiswert. Erstklassige Farbbänder u. Kohlepapiere sowie alle Zubehöre. RelnfyolÖ Sd)ul3 Lindwurmstraße 1 (Ecke Sendlingertorplatz). Alleinvertrieb der TRIUMPH- und JOST - SCHREIBMASCHINEN Fernruf 54018. Schlieal'i Sflcktsui Wirtschaft - Ihrlchtug« - Utgasla München KaQllngerstr.9 PassaseSebflsts l ln gediegener preiswerter Ausführung Moderne

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