Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1918-05-24 · 21 (24.5.1918) · p. Seite 242

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 242 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9102973-9138269--02103-9074925
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

242 Das Jüdische Echo Nr. 21 Auch seit dem Ausbruch der Revolution sind von der russischen Regierung wiederum durch Vermittlung der Spanischen Botschaft einige Mittel zur Verfügung gestellt worden. Erhebliche Summen waren noch zugesagt worden; sie sind leider bei den noch ungeklärten Verhältnissen in Rußland ausgeblieben, sodaß der Hilfsverein aus eigenen Mitteln in erhöhtem Maße beitragen mußte. Arbeiter fiirsorge. Besondere Fürsorge wurde den in Deutschland befindlichen jüdischen Arbeitern aus den besetzten Gebieten zugewandt. Auch für die Besserstellung der jüdischen Arbeiter in den besetzten Gebieten hat der Hilfsverein Mittel hergegeben. Auf den Orient, insbesondere Palästina, mußte sich das Hilfswerk gleichfalls erstrecken. H i l1 f s w e r k für den Orient. An dem Kriegshilfswerk, das in Konstantinopel selbst und von Konstantinopel aus im türkischen Reich von jiidistch-osmanischer Seite ausgeübt wurde — es wurden im ganzen vom April 1916 bis Ende Dezember 1917 94 366,65 Ltq. — rund 2 Millionen Mark verteilt — hat sich der Hilfsverein der Deutschen Juden in Verbindung mit der Großloge für Deutschland U.O.B.B. und dem Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden 1916 und 1917 mit Beiträgen von rund 1U Million Mark beteiligt. Palästina. Die Hilfstätigkeit für Palästina, das seit Frühjahr 1917 zum unmittelbaren Kriegsschauplatz geworden ist. wurde 1917 in erhöhtem Umfange fortgeführt, insbesondere auch, als seit Eintreten der Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg das von den amerikanischen Juden für Palästina geleistete Hilfswerk eine Unterbrechung erfuhr. Durch die aus militärischen Gründen erfolgte Räumung Jaffas wurden ganze Volksteile entwurzelt. Die Besetzung Jerusalems durch die Engländer im Dezember 1917 hatte eine erneute Abwanderung zur Folge. In den letzten drei Jahren wurden für diese Hilfsarbeit insgesamt 600 000 Mark aufgewendet. S c h u 1 w e r k. Das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina wie in der europäischen Türkei in Konstantinopel hat trotz mannigfacher Schwierigkeiten, mit denen es jetzt zu kämpfen hat, einen sehr guten Fortgang genommen. Der Hilfsverein hat auf Grund der ihm bisher zugekommenen Mitteilungen die Beruhigung, daß das palästinensische Schulwerk intakt geblieben und in Betrieb ist. Es ist dem Hilfswerk auch möglich, die nötigen Geldmittel zur Aufrechterhaltung des1 Schulwerks nach dem jetzt von den Engländern besetzten Jerusalem zu überweisen. Das Kulturwerk des Hilfsvereins in Rumänien. Bulgarien und Galizien ist infolge des Krieges zum Stillstand gekommen. Die Aufwendungen für das Schnlwerk im Orient betrugen im Jahre 1917 über eine halbe Million Mark, für Schul- und Hilfswerk zusammen annähernd 1 Million Mark. Allein durch Vermittlung des Hilfsvereins und des Jüdischen Hilfskomitees für Polen und Litauen konnten während des Krieges an 30 Millionen Mark zur Linderung des Elends der Juden im Osten verausgabt werden. Ganz große Summen müssen weiterhin aufgebracht werden, wenn nicht Milionen in Polen und Litauen in dauerndes Elend versinken sollen, und damit für, die Juden Palästinas und der Türkei, besonders für die Tausende von unglücklichen Evakuierten und Flüchtlingen, die hilflos nach der Eroberung Jerusalems nach Nordpalästina, nach Innerasien und Konstantinopel wandern mußten, weitere Fürsorge getroffen werden kann. Im April 1917 unternahm Redner, Dr. Nathan, und der Generalsekretär Dr. Bernhard Kahn eine Reise in das besetzte Gebiet Rumäniens. Es wurde keine Gelegenheit versäumt, den bisher rechtlosen Juden Rumäniens auch politisch zu helfen. Um den Kampf für die Gleichberechtigung der rumänischen Juden wie die Rechte der anderen Juden Osteuropas mit der notwendigen Intensität zu führen, ist ein besonderes Komitee geschaffen worden, dem sich die hervorragendsten organisierten Vertretungen des Judentums in Deutschland angeschlossen haben, gleichviel welcher Richtung sie angehören, die „Vereinigung Jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Juden des Ostens“. Es handelt sich darum, ob 8—10 Millionen Juden einer besseren Zukunft entgegengeführt werden können, und die Wege zu ebnen, auf denen das möglich ist. Jetzt sei es möglich, mit einer zusammengefaßten Kraft die Emanzipation des Judentums des Ostens anzustreben. Redner teilt alsdann mit, daß die türkische Regierung bereit sei, mit den deutschen Juden, wie wahrscheinlich auch mit den Juden in den verbündeten und neutralen Ländern zu beraten, wie im Orient die Grundlagen zu schaffen seien für eine Neuordnung einer etwaigen jüdischen Immigration und für die Gestaltung des jüdischen Lebens in Palästina. Er bittet die Anwesenden dem Hilfsverein die Fortführung seiner Aufgaben zu ermöglichen und die Erreichung des Endzieles, das sich der Hilfsverein stellt: nämlich die volle Emanzipation aller Juden in allen Ländern und ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Hebung. Welt-Echo Vom Jüdischen Nationalfonds. Die Einnahmen des JNF im März 1918 beliefen sich auf 302,066 Franken. Dieser Betrag verteilt sich auf folgende Länder: Rußland Ro. 181 506, Österreich K 57 443, Polen und Litauen: deutsches besetztes Gebiet M. 28 868, österreichisches besetztes Gebiet K. 6342, Deutschland M. 20 823, Nord-Amerika $ 3710, Südslavische Länder K. 4940, Italien Lire 4605, Schweiz Fr. 4550, Holland Fl. 1924, Schweden Kr. 964, Frankreich Fr. 1111, Norwegen Kr. 294. Mit besonderer Genugtuung sei auf die Höhe der Eingänge aus Rußland hingewiesen, die das Ergebnis der ersten drei Monate d. J. sind. Die Sammlungen in Rußland standen im Zeichen der Ehrung für den verewigten Führer Dr. Tschlenow. Auch in anderen Ländern hat die in Ausführung des Beschlusses des Zionistischen Aktions-Komitees vom Hauptbureau des JNF eingeleiteten Sammelaktion für die Tschlenow-Kolonie Erfolge aufzuweisen, ungeachtet der gleichzeitigen Sammlungen für anandere Palästinazwecke. Esi ist heute natürlich noch nicht möglich, Einzelheiten bezüglich der geplanten Kolonie mitzuteilen; es können vorerst nur einige Grundzüge angegeben werden. Die Tschlenow-Kolonie ist im Rahmen der größeren Siedlungspläne des JNF gedacht, vor allem als ein Teil des von Agr. Oettinger in seinem bekannten Werke über „Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina“ entwickelten Planes der Schaffung von 30 Kolonien mit einer Landwirtschaft treibenden Bevölkerung von 15 000 Seelen. Jede Kolonie soll, um ihre kommu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.