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Das jüdische Echo · 1918-05-24 · 21 (24.5.1918) · p. Seite 241

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 241 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdisch« Echo 241 Nach einem Referat von Fräulein Dr. Berliner wurde eine Entschließung: gefaßt, daß alle Wandergruppen der Jugendvereine unverzüglich einen geregelten Wanderbetrieb wieder aufnehmen müssen. Es sind genaue Feststellungen zu treffen über die Verhältnisse in den bestehenden interkonfessionellen Organisationen für Schülerwandern, insbesondere darüber, wieweit antisemitische Strömungen in offener oder versteckter Form auftreten. Überall, dort, wo jüdische Knaben und Mädchen im schulpflichtigen Alter nicht in die bestehenden Wanderorganisationen ohne Verletzung ihres jüdischen Ehrgefühls eintreten können, ist der Wandergruppe des Jugendvereins eine besondere Gruppe für Schülerwandern anzugliedern. Diese Grimpen sind im Sinne der neutralen Jugendbewegung zu führen. Auf Grund von Vorschägen von Landesrabbiner Dr. Rieger, Braunschweig, und Albert Kaufmann, Berlin, wurde ein Appell an die jüdischen Gemeinden Deutschlands beschlossen, die Jugendvereine und die Errichtung von Jugendheimen zu fördern. Sämtlichen Gemeinden soll eine Denkschrift über die Notwendigkeit der Jugendpflege zugestellt werden. Die Errichtung von Jugendheimen soll zur dringenden Forderung erhoben werden. Diese Heime sollen besonders dazu dienen, den wiederaufzurichtenden Gruppen Jugendlicher, unmittelbar aus der Schule entlassener Knaben und Mädchen eine Zusammenkunft zu ermöglichen. Den Vereinen ist es ferner durch Verbandsbeschluß dringend ans Herz gelegt, den Verkehr mit den jüdischen Soldaten im Felde, in den Garnisonen und speziell in den Lazaretten zu pflegen und dafür zu sorgen, daß jeder zurückkehrende jüdische Krieger möglichst wieder einem Jugendverein zugeführt wird. An denjenigen Orten, an denen sich zur Zeit ein geregelter Vereinsbetrieb nicht ermöglichen läßt, sollen sich die Vertrauensleute des Verbandes für den notwendigen Zusammenhang zwischen der Bewegung und den Feldgrauen durch Übersendung von kurzen Berichten, Verbreitung der Verbandszeitschrift usw. einsetzen. Mit besonderem Dank erkannte die Versammlung die aufopfernde Tätigkeit der weiblichen Mitglieder während der Kriegszeit an. An vielen Orten ist die Aufrechterhaltung des Vereinslebens überhaupt nur möglich mit Hilfe und durch die Führerschaft der weiblichen Verbandsangehörigen. Um eine Aussprache über die speziellen Aufgaben der weiblichen jüdischen Jugend herbeizuführen, soll im Laufe des Sommers (voraussichtlich in Heidelberg) eine Spezialtagung der weiblichen J u g e n d g r u p p e n und weiblichen Führer der Bewegung stattfinden. Die Errichtung besonderer Bezirksverbände für Württemberg, Baden, Sachsen sowie die Reorganisation der mitteldeutschen Bezirksverbände und die Bildung einer zunächst losen Gemeinschaft der östlichen Verbandsvereine wurde vorgesehen. Die Tagung, die eine Fülle von Anregungen bot, wurde erst nach fast zwölfstiindiger Dauer geschlossen. Sie bewies, daß der Jugendverband, der im nächsten Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiern kann, tiefe Wurzeln in den Herzen seiner zahlreichen Anhänger geschlagen hat und ein wichtiger Faktor im jüdischen Leben Deutschlands geworden ist. Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden. Am 28. April fand unter Vorsitz des Herrn Dr. James Simon in Berlin, „Gesellschaft der Freunde“, die Sitzung des Zentralkomitees und die Generalversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt, die sehr gut besucht waren. Trotz der Erschwerungen des Reiseverkehrs waren auch Mitglieder aus allen Teilen des Reiches erschienen. Der Vorsitzende schilderte einleitend in kurzen Zügen die furchtbare Notlage der Juden im Osten. Das Hilfswerk, das die Not in gewissem Umfange lindert, konnte mit Hilfe amerikanischer Unterstützungsgelder ins Werk gesetzt werden. Herr Dr. N a t h a n erstattet Bericht über die gesamte Tätigkeit des Hilfsvereins im abgelaufenen Jahre. Die Kriegshilfstätigkeit wurde auch im vierten Kriegsjahr in allergrößtem Umfange fortgesetzt. In den besetzten Gebieten hatte nach der Eroberung der ersten russischen Gebietsteile der Hilfsverein in den Vereinigten Staaten von Amerika eine Hilfsaktion für dieselben mit Erfolg angeregt. Als das Hilfswerk größeren Umfang annahm, wurde für die Übermittlung und Verwaltung der von dort gesandten Gelder das selbständige „Jüdische Hilfskomitee für Polen und Litauen zur Verwaltung amerikanischer Unterstützungsgelder“ gebildet, dem neben Herrn Dr. James Simon als Vorsitzenden, Herr Dr. Paul Nathan und andere Persönlichkeiten des Hilfsvereins neben Vertretern anderer Vereine angehörten. Annähernd 2 500 000 Juden in den besetzten Gebieten haben zuerst alle Schrecken des Krieges miterlebt und sind seit fast vier Jahren von den furchtbaren Folgen — Stocken von Handel und Wandel, Arbeitslosigkeit, bedrohlicher Knappheit der Lebensmittel1 — in schwerste Mitleidenschaft gezogen. Die Sterblichkeit hat namentlich in den Großstädten einen bedrohlichen Umfang angenommen. Aus den amerikanischen Unterstützungsgeldern sind seit Anfang des Krieges bis zum Ausbruch des Krieges mit den Vereinigten Staaten von Amerika durch das deutsche Komitee verausgabt worden 12 458 671.22 Mk. Seitdem der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland ausgebrochen ist, hat nach längerer Stockung ein neutrales holländisches Komitee die Unterstützungsaktion mit amerikanischen Geldern weitergeführt. Eine besonders schwierige Aufgabe war die Überweisung von Geldern, die die Verwandten aus Amerika oder aus anderen Staaten an den Hilfsverein zur Weiterüberweisung in die besetzten Gebiete sandten. Solcher Gelder überwies er im Jahre 1915: U Million, 1916: 3V2 Millionen, 1917/18: über 5 Millionen. Auch für die Hilfstätigkeit für die in Deutschland vom Krieg überraschten mittel- und hilflos zurückgebliebenen russischen Staatsangehörigen, die von dem interkonfessionellen „Unterstützungskomitee für bedürftige Russen“ unter Förderung seitens des Reichsamts des Innern, der Kgl. Kommandantur in Berlin und des stellvertretenden Generalstabes in Berlin organisiert wurde, hat der Hilfsverein der Deutschen Juden sein Bureau zur Verfügung gestellt. Das Komitee verausgabte im ganzen 23U Millionen Mark während des Krieges, davon zahlte die frühere russische Regierung durch Überweisung an die Spanische Botschaft über 2 Millionen Mark.

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