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Das jüdische Echo · 1918-05-24 · 21 (24.5.1918) · p. Seite 240

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 240 (sequence 4)
Language
German
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240 Das Jüdisch© Echo Nf. 21 sehe Unduldsamkeit gegen die andren Konfessionen sei, sogar der Redaktion der „Staatsbürgerzeitung“ und des „Hammer“ ein Lächeln entlocken. 20. Alle Zahlen, die der Vortragende angab, waren zwar vor dem Kriege richtig, sind aber heute längst falsch geworden. 21. Professor Beers Aussprache sämtlicher hebräischer Namen rief bei einigen Hörern, die an den von ihm erwähnten Orten selbst gelebt haben, Befremden hervor. Es ist aus vielen Gründen schade, daß diese Vorlesung an einer deutschen Universität stattfinden konnte, und man wird sich den Namen des Herrn Professor Beer nicht nur wegen seiner persönlichen Anschauungen, sondern auch wegen seiner Auffassung von den Pflichten eines Wissenschaftlers merken müssen. H. H. C. V ertr eterver s ammlung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Am 9. Mai d. Js. fand in Berlin eine erweiterte Vorstandssitzung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt, zu der 40 Verbandsvereine, die Großloge für Deutschland, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der jüdischen Frauenbund, der Allgemeine deutsche Rabbinerverband und der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich. Vertreter entsandt haben. Der Verband umfaßt jetzt 140 Vereine und über 30 000 Einzelmitglieder. Neu aufgenommen wurden die Jugendvereine in Myslowitz, Hindenburg, Rülzheim, Schweinfurt, Pforzheim, Karlsruhe i. Baden, Lissa und Coburg. Aus der Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Dr. Alfred Apfel, Berlin, ist folgendes hervorzuheben: Die Jugendvereine müssen entpolitisiert werden. Um aber den vielen tausenden herangewachsenen Mitgliedern der Verbandsvereine Gelegenheit zu geben, die Gedanken der neutralen Jugendbewegung innerhalb der jüdischen Öffentlichkeit zur Geltung zu bringen und um das Band, das die Gemeinde „der Freunde der Bewegung“ umschlingt, zu festigen, wird der Gedanke der Bildung einer großen Vereinigung ehemaliger Jugendvereinler analog den Alt-Herrenverbänden der studentischen Korporationen erwogen. Die heutige Tagung soll insbesondere dazu dienen, die positive Erziehungsgrundlage der Bewegung zu betonen und die Vereine anzuhalten, es als ihre oberste Pflicht zu betrachten, wirkliche Kenntnisse über das Judentum zu verbreiten, das jüdische B ew u ß t s e i n zu wecken und die Mitglieder zu möglichster Schlichtheit im Denken und in der Lebensführung anzuhalten. Mit tiefem Bedauern muß man feststellen, daß sich eine einheitliche jüdische Politik in Deutschland immer noch nicht durchführen läßt; dies scheitert trotz verheißungsvoller Ansätze oft an dem Wollen führender Personen. Mit außerordentlicher Spannung wurden die Mitteilungen über die geplante „Verständigungsgemeinschaft der jüdischen Jugendorganisationen in Deutschland“ aufgenommen. Dr. Apfel sagte, daß die Behauptung, daß die Verständigungsgemeinschaft „gescheitert“ sei, nicht ganz zutreffend sei. er sei sich der ungeheueren Verantwortung bewußt gewesen, als er am denkwürdigen Abend des 5. März 1918 zum Schluß kurzerhand namens des Jugendverbandes erklärt habe, daß dieser eine Verständigungsgemeinschaft mit solchen Führern nicht eingehen könne, von denen man annehmen müsse, daß sie sich nicht mit loyalen Absichten an den Verhandlungstisch setzten. „Es liegt keine Veranlassung vor, das Nichtzusitandekommen von unserer Seite zu einer frischfröhlichen Zionistenhetze zu benutzen. Wir glauben sagen zu dürfen, daß der Zionismus als solcher für den Ausgang nicht verantwortlich zu machen ist. Im Augenblick, wo sich eine namhafte Gruppe der am Abend des 5. März d. J. dissentierenden Kreise bereit erklärt, wirklich ernst an einer Verständigung mitzuarbeiten, wird der Jugendverband gern in neue Verhandlungen hierüber eintreten“. Bemerkenswert war, daß sich die anwesenden Zionisten gegen das Verhalten der zionistischen Wortführer am 5. März aussprachen, daß die Frage nach dem „Primat“ des Judentums allseitig als unnötig abgelehnt, und daß ferner der Gedanke der Bildung einer „Rumpfverständigungsgemeinschaft“ abgelehnt wurde. Auch sonst warfen die Verhandlungen interessante Schlaglichter auf die Stimmung der jüdischen Jugend Deutschlands. Justizrat Dr. Brodnitz, Vertreter des Zentralvereins im Vorstand des Jugendverbandes, hatte mitgeteilt, daß der Zentralverein beschlossen habe, Dr. Apfel und Frl. Dr. Berliner in seinen Vorstand, wenn auch nur als Privatpersonen, so doch wegen ihrer führenden Eigenschaft in der Jugendbewegung hineinzuwählen. Nicht nur von zionistischer Seite, sondern selbst von einem Mitglied des K.O. wurde es als verfehlt betrachtet, wenn die beiden genannten Personen die Wahl annehmen würden, da nach Ansicht der Redner, der Zentralverein keine neutrale Organisation sei. Nur der Hinweis darauf, daß man von Geheimrat Fuchs eine Führung des Zentralvereins erwarte, die den Verein nicht in den Kampf gegen bestimmte Richtungen dringe und die Hoffnung, daß die Neugewählten eine unneutrale Haltung des Zentralvereins nicht mitmachen würden, vermochte die Delegierten zu bewegen, von bestimmten Anträgen abzusehen. Überhaupt kam eine ziemlich gereizte Stimmung gegen im Verbandsvorstand vertretene Großorganisationen zum Ausdruck, denen unter Beifall der Versammlung vorgeworfen wurde, daß die lokalen Unterorganisationen zwar oft schöne Worte, aber keine Taten für die so überaus bedeutungsvolle Jugendvereinsarbeit aufbrächten. Ein geistiger Höhepunkt der Tagung wurde ein eingehendes Referat von Dr. Gustav Loeffler, Frankfurt a. M., über „Die positiven Ziele der neutralen Jugendbewegung“. Dr. Loeffler verlangte unter einmütiger Zustimmung der Versammlung, daß die Verbandsarbeit in Zukunft in dem Sinne aufgefaßt werden soll, daß die Jugendvereine Erziehungs- und Lernvereine seien, daß den Mitgliedern eine geistige Verankerung in jüdischer Weltanschauung, basierend auf möglichst gediegenen Kenntnissen der jüdischen Schriften ermöglicht werden müsse. Als besonders bedeutungsvoll wurde die Forderung des Redners anerkannt, auch den Fragen der sittlichen Lebensführung, der Fragen der Stärkung des Verantwortlichkeitsgefühls der Jugend erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Es wurde beschlossen durch die Verbandsleitung in Verbindung mit fachkundigen Vertretern der Bewegung den Verbandsvereinen Material zugängig zu machen, das als Grundlage für Kurse über Einführung in die Gedankenwelt der jüdischen Geistesheroen dienen soll.

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