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Das jüdische Echo · 1918-05-24 · 21 (24.5.1918) · p. Seite 239

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 239 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdisch* Echo 239 derbelebung der hebräischen Sprache in Palästina, allerdings in der „polnischen Aussprache“. Woher mag wohl Herr Professor Beer dieses Wissen geschöpft haben? Jedes Kind hätte ihm sagen können, daß man in den zionistischen Kolonien die sephardische Aussprache pflegt. 9. Durch den Zionismus' seien „ungesunde Zustände“ in Palästina entstanden, da ein, wie der Vortragende andeutete, spekulativer Aufkauf von Ländereien und die Verdrängung der „rechtmäßigen Besitzer“ des Landes eingetreten sei. Ein vorurteilsloser Beobachter muß zugeben, daß, wenn an den herrschenden Zuständen etwas „ungesund“ ist, es die Höhe ist, zu der die Araber die Bodenpreise hinaufgetrieben haben; ein solcher hätte sich wahrscheinlich auch darüber unterrichtet, daß die „verdrängten rechtmäßigen Besitzer“ zum großen Teile als Bodenspekulanten und Nichtstuer in Ägypten leben. 10. Der Zionismus sei deswegen zu verdammen, weil er die Städte mit jüdischem Geist, „vom rückständigsten talmudischen Geist bis zur modernsten Freigeisterei“ erfülle. Eine sachliche Widerlegung dieser Behauptung ist deswegen unmöglich, weil sie selbst fern von jeder Sachlichkeit ist. 11. Der Zionismus sei ferner aus dem Grunde zu verurteilen, weil er inmitten des herrschenden Kulturkreises eine fremde Kulturenklasse schaffe. Welchen Kreis in Palästina (außer dem jüdischen) bezeichnet Herr Professor Beer als einen K u 1 - t u r k r e i s, und welcher dieser Kreise ist der herrschende? Derjenige der Beduinen? oder der Fellachen? oder der Türken? oder der Levantiner? oder derjenige der Handvoll deutscher Ansiedler? 12. Der Zionismus erstrebe, aus Jerusalem eine moderne Großstadt wie Paris. London oder New York zu machen. Man sollte glauben, daß ein Universitätsprofessor, der über den Zionismus doziert, mindestens Herzls „Altneuland“ gelesen hat und daß ihn dieses Studium darüber belehrt hat, daß schon in diesem, in mancher Hinsicht noch primitiven Werke, der Tempel als Schluß- und Gipfelpunkt des ganzen zionistsichen Unternehmens hingestellt wird. Wenn er als ebenfalls notwendige Vorbereitung zu einer Universitätsvorlesnng Werke von Achad Haam und Buber oder auch nur jemals ein Heft des „Juden“ in die Hand genommen hat, so kann er diese Behauptung schwerlich vor seinem Gewissen rechtfertigen. 13. Aus dem jetzt so regen politischen Interesse für den Zionismus werde diesem kein praktischer Erfolg erblühen; denn wenn die Entente die Herrschaft über Palästina erhielte, so würde sie alle deutschen .und österreichischen Juden aus Palästina ausschließen (was ein ungewöhnliches Maß von Schwachköpfigkeit auf Seiten der Entente voraussetzt). Andrerseits würden die Türken die Juden der Ententeländer ausschließen — eine Behauptung, mit der Professor Beer weder Deutschland noch der Türkei einen Dienst erweist, da er beiden Staaten Absichten unterstellt, von denen weder in der deutschen noch in der türkischen Regierungserklärung die Rede war. 14. Der Zionismus sei nur eine Notwendigkeit solange eine Ostjudennot besteht. Ein Universitätsprofessor, der es als Vorbereitung für seine Vorlesung für notwendig erachtet hätte, irgendeiner Zionistenversiammlung beizuwohnen, hätte wahrscheinlich dort erfahren, daß man den Zionismus mindestens so sehr als ein Heilmittel gegen die — seelische — Westjudennot versteht. 15. Lenin sei ein Jude«— ein Zeitungsklatsch, der sich längst als unwahr erwiesen hat. 16. Wenn das Zarentum zurückkehrt und den Juden die Gleichberechtigung geben „muß“ (?), würden sogar vielleicht die jetzt schon in Palästina lebenden Juden nach Rußland zurückkehren, weil dann die Lebensbedingungen dort besser seien. Ein Kenner der Verhältnisse, falls ihm nicht jegliches Wohlwollen mangelt, hätte dem Herrn Professor mit Leichtigkeit sagen können, daß von Hunderten, die bisher nach Palästina gingen, es kaum einer tat, weil in Palästina die materiellen Lebensbedingungen besser waren, sondern daß im Gegenteil die meisten wußten, daß sie ihr gesamtes, oft mühsam erworbenes Vermögen dort riskierten. 17. Es wäre kein erhebender Gedanke, daß die deutschen Soldaten dafür gekämpft hätten, daß sich in Palästina „ein finstrer talmudischer und Schulchan Aruch-Geist breitmacht“. Ein Satz, der ebenfalls nicht sachlich widerlegbar ist, da er jegliche Forderung, die man an Behauptungen eines Universitätsdozenten knüpfen darf, vermissen läßt. 18. Der Zionismus habe sich nicht als das „angepriesene Radikalmitel zur Lösung der Judenfrage“ erwiesen, sondern habe (infolge der Kämpfe mit seinen Gegnern) das Judenproblem eher verschärft als gelöst. Es isit unerfindlich, aus welcher Quelle der Vortragende die Überzeugung schöpft, der Zionismus habe sich jemals als das unmittelbar wirkende Heilmittel für die Judenfrage betrachtet. Daß sich in den zwanzig Jahren seines: Bestehens die Gegensätze verschärft haben, ist vielleicht ebensowenig ein Argument gegen seine Daseinsberechtigung wie die Kämpfe, die sich beim Auftreten jeder großen neuen Bewegung erhoben haben, ein Argument gegenüber deren Daseinsberechtigung sind. 19. Wenn die Juden, eingedenk des vielen Guten, das sie von Deutschlands Kultur genossen haben, „ihre Unduldsamkeit gegen die andren Konfessionen“ einstellten, würde der Antisemitismus verschwinden und damit der Zionismus überflüssig werden. Abgesehen davon, daß der Zionismus keine Folge des Antisemitismus ist, dürfte die Behauptung, daß letzterer die Reaktion auf die jiidi- Kostümfabrik F. u.Ä. Diringer München, Herrnsfraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg., grossberzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; „Diringer München“. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. Grohto Fabrik und Vorlolhanstali dieser Art in Doutschiand. Vorrat von iibor BOOOO Kojstumon aua allon Zotten u. allen Ländern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. Militär-Abteilungen. Reiches Lager In Waffen und Ausrüstungen. Vollständig neuzeitlich eingerichtet und umgebaut. Spezialität: Ganze Ausstattungen fiirTheaterstiicke u. Filmaufnahmen 9BF* Spezialkataloge stehen auf Wunsch kostenlos zur Verfügung. ’<QMS1

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