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Das jüdische Echo · 1918-05-24 · 21 (24.5.1918) · p. Seite 238

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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238 Das Jüdische Echo Nr. 21 Eine Universitätsvorlesung. Die Heidelberger Universität veranstaltete kürzlich einen Orientkurs, in dessen Rahmen der Heidelberger Professor Dr. Beer, Dekan der theologischen Fakultät in einer zweistündigen Vorlesung über den Zionismus sprach. Universitätsvorlesnngen mögen nicht immer originell und fesselnd, sie mögen nicht immer von jener Objektivität sein, die däs Merkmal gründlicher Wissenschaftlichkeit ist, aber daran sind wir in Deutschland doch gewöhnt, daß sie fast durchweg das Ergebnis eingehender Studien und eines ernsten Bemühens, den Stoff zu durchdringen, sind. Entgegen dieser Erfahrung mußten sich die Hörer des Herrn Professor Beer davon überzeugen, daß der Dozent es nicht verschmähte, über ein Thema zu sprechen, dem er zwar mit einer fertigen Meinung gegenüberstand, über das ihm jedoch jede wirkliche Kenntnis mangelte. Dieses Erfahren erwies sich umso bedenklicher, als der Vorlesende der Bewegung, über die er „unterrichtete“, jede Daseinsberechtigung absprach. Wenn man es unternimmt, einen Mann der Wissenschaft der völligen Unkenntnis seines Lehrstoffes anzuklagen, so verlangt diese Anklage einer Begründung. Es seien daher aus der Fülle falscher Angaben und ungestützter Behauptungen in der Beerschen Vorlesung die folgenden Beispiele herausgegriffen: 1. Professor Beer ging von der Feststellung aus, die Juden besäßen keinerlei Anspruch auf Palästina, da sie weder jetzt noch früher in irgendeiner Hinsicht — auch nicht kulturell — etwas für das Land geleistet hätten. Es ist erstaunlich, daß der Dekan der theologischen Fakultät noch niemals bemerkt zu haben scheint, daß ein Buch, das ihm nicht ganz unbekannt sein dürfte, nämlich die Bibel, immerhin einige Stellen enthält, die auf einen gewissen kulturellen Einfluß der Juden im Lande schließen lassen. Sollte er aber aus irgendwelchen Gründen sich auf dieses Buch nicht verlassen wollen, so sei er an dieser Stelle auf etliche der noch heute, nach Jahrtausenden bestehenden Zeugen des jüdischen Kulturwerkes in Palästina hingewiesen: z. B. die Wasserleitungen des Königs Salomo oder den Unterbau des Tempels zu Jerusalem oder die Spuren veralteten Terrassenbaues in dem verkarsteten judäischen Gebirge. 2. Professor Beer stellte ferner die folgenden Behauptungen auf: Selbst wenn einmal Ansprüche bestanden hätten, so seien diese dadurch verscherzt worden, daß die Juden Palästina freiwillig verließen. Angesichts der dem Theologen sicherlich nicht unbekannten Zustände zur Zeit jener Auswanderung aus Palästina, hätte er bei einiger Objektivität sicherlich zugeben müssen, daß der Grad dieser Freiwilligkeit nicht viel größer war als derjenige der Belgier und Franzosen von heute, welche die zerstörten und unfruchtbar gewordenen Gebiete ihres Landes verlassen mußten. 3. Der Zionismus sei ein Gemisch aus einem unberechtigten Nationalismus und dem Wunsche, den Ostjuden bessere als die bisherigen Lebensbedingungen zu schaffen. Dem Theologen hätte es eigentlich nicht so fern liegen sollen, das religiöse Moment im Zionismus zu erkennen und zu verstehen, daß es sich hier um eine Bewegung handelt, die neben andren Zielen danach strebt, den Geist jüdischer Religion wieder zu beleben und sittliche Forderungen, die von den Propheten erhoben und von der Menschheit bis zum heutigen Tage noch nicht erfüllt worden sind, endlich zu verwirklichen. 4. Der Dozent sprach ausschließlich von einem Herzischen Zionismus, der allerdings in erster Linie das nationale Moment betont, und verschwieg seinen Hörern (abgesehen von einem Satze, in dem er Birnbaum, Achad Haam und Buber gleichzeitig abtat), daß die Bewegung eine zwanzigjährige Entwicklung und Vertiefung durchgemacht hat. 5. Die jüdischen Kolonisten seien Fruchtfabrikanten, nicht aber eigentliche Landwirte. Ein Kenner der tatsächlichen Verhältnisse hätte sich wohl kaum berechtigt gefühlt, seinen Hörern zu verschweigen, daß in manchen Betrieben Palästinas jegliche nichtjüdische Arbeit abgelehnt wird; da aber die Früchte nicht von allein, ohne das Zutun der „Fruchtfabrikanten“ wachsen, hätte sich die Schlußfolgerung von selbst ergeben. 6. Von den palästinensischen Juden werde nur sehr wenig Körnerbau getrieben. Es scheint also dem Vorlesenden unbekannt zu sein, daß kurz nach Kriegsausbruch die Bevölkerung des Landes ohne das in den jüdischen Kolonien Galiläas so reichlich angebaute Getreide elend verhungert wäre. 7. Die deutschen Kolonien seien weit höher entwickelt als die jüdischen, obwohl die jüdischen reichlich unterstützt würden, die deutschen aber nicht. Demgegenüber ist es eine feststehende Tatsache, daß die deutschen Kolonien reichlichste Unterstützung erfahren haben. Übrigens nannte Professor Beer diese Templerkolonien fortgesetzt „Pietistenkolonien“. 8. Eine der wenigen guten Erscheinungen, die der Zionismus trotz seiner Nichtberechtigung, sozusagen malgre lui, gezeitigt habe, sei die Wie- Hohlsaum Piissee, Feston und alle einschlägigen Arbeiten. Stotfknopf-Fabrikatlon. Spezialität: Eichelknöpfe und Doppelknöpfe. Rasche Bedienung! E. DaBBmayer, Sonnenstraße 9/n. „Mercedes" UpB; Sdireibmafchine Bekanntes erstklassigstes deutsches Fabrikat Verschiedene patentierte Neuerungen. Bel Behörden, Banken, Grossflrmen usw. bevorzugt Generalvertrieb: S. Gutmann, München Telefo*n 23351.

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