Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 20 (17.5.1918)
- Date
- 1918-05-17
- Page
- Seite 228 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Das Jüdische Echo Nr. 20 ist wohl auch die merkwürdige Zusammensetzung des litauischen Landesrats zu erklären, der aus 20 bis 25 Litauern besteht und zu dem noch 5 Mitglieder der anderen 3 Völkerschaften hinzugezogen werden sollten; 2 Polen, 2 Juden und 1 Weißruthene. Wobei noch zu bemerken wäre, daß diese fünf nichtlitauischen Landesratsmitglieder nur im Einvernehmen mit den bereits bestehenden, nur aus Litauern zusammengesetzten Landesrat, ernannt werden sollten. Infolgedessen ist die Beteiligung der Juden, Polen und Weißruthenen an dem bisherigen Landesrat mit Recht unterblieben und, es muß nunmehr dafür gesorgt werden, daß alle Nationen Litauens im Verhältnis ihrer Bevölkerungszahl eine Vertretung im Landesrat erhalten; diese Vertretung darf aber nur durch ein freies, auf demokratischer Grundlage ruhendes Wahlverfahren erfolgen. Eine Ernennung ist natürlich unmöglich. Angeblich sollen die Litauer sich letzthin entschlossen haben, dieses Zugeständnis zu machen. Das wäre sehr zu begrüßen. Denn ohne die völlige staatliche Gleichberechtigung der vier Völkerschaften Litauens wird das neue Litauen innerpolitisch nimmermehr zur Ruhe kommen. Aber auch nochi aus einem anderen Grunde haben Litauer wie Deutsche ein Interesse an der Festsetzung dieser Gleichberechtigung. Jeder Versuch, die Litauer zur herrschenden Nation in dem neu gegründeten Staate zu machen, muß Polen. Juden und Weißruthenen politisch zusammenschweißen; ob das für die Entwicklung Litauens im besonderen und für die an unserer Ostgrenze entstehenden Staaten im allgemeinen nützlich wäre, darf billigerweise bezweifelt werden. Das neue Litauen kann, wenn es überhaupt als Staat organisiert werden soll, nur als Nationalitätenstaat zu einer gedeihlichen Entwicklung gelangen und die vollständige bürgerliche, politische und nationale Gleichberechtigung der auf seinem Territorium wohnenden Völker müßte eine der ersten und wichtigsten Verfassungsgrundlagen werden. Geschieht das nicht und wird das neue Litauen von leidenschaftlichen Nationalitätenkämpfen durchwühlt, so wird dadurch auch ein Anreiz für Russen und Polen geschaffen, sich in diese Verhältnisse einzumischen; Litauen wird dann auch keineswegs die wirtschaftliche Vermittlerrolle zwischen Deutschland und Rußland erfüllen können, die man von ihm erwartet. Unseren ablehnenden Standpunkt gegen die politisch verfehlte Methode der Pufferstaatenbildung halten wir selbstverständlich aufrecht. Wenn aber dennoch diese Politik auch in der litauischen Frage siegen sollte, so mögen diejenigen, die in den nächsten Monaten die staatlichen Grundlagen Litauens zu schaffen berufen sind, die oben angeführten Tatsachen beherzigen. Nur als ausgesprochener Nationalitätenstaat, der allen seinen Völkerschaften die gleichen Rechte zugesteht, wird Litauen, wenn überhaupt leben und vorwärtskommen können; das Fehlen dieser Voraussetzung würde allein schon genügen, um es zu einem Herd ewiger Unruhen und Zwistigkeiten zu machen; denn es ist, verbürgten Nachrichten zufolge, absolut ausgeschlossen, daß die übrigen drei das litauische Gebiet bewohnenden Nationalitäten sich der Alleinherrschaft der Litauer fügen werden. Vielleicht stehen wir binnen kurzer Zeit vor einer vollständigen Erneuerung des litauischen Landesrats. Dann mögen die deutschen Protektoren Litauens dafür sorgen, daß er nach den in diesem Aufsatz erwähnten Grundsätzen zustandekommt, sonst kann es nicht gut um den litauischen Staat bestellt sein. Polnische Judenpolitik. Von sehr gut unterrichteter jüdischer Seite gingen kürzlich der „Volksstimme“, die in Chemnitz erscheint, längere Ausführungen zu, denen wir folgendes entnehmen: „Wir lasen neulich, daß der polnische Ministerpräsident, der ja inzwischen zurückgetreten ist, sich für ein freundliches Verhalten gegen die in Polen wohnenden Juden ausgesprochen habe. Diese neue Freundschaft ist jetzt in Warschau von den Polen zum Ausdruck gebracht worden: Der Magistrat hat den Stadtverordneten Ilski zum Direktor des Nahrungsmittelamts ernannt. Als die polnische Regierung zu Leitern der jüdischen Angelegenheiten Männer berief, die zu dem jüdischen Volk in gar keiner Beziehung standen, haben wir gefragt, ob Zufall oder Absicht in diesem System liegt. Heute brauchen wir nicht mehr zu fragen. Die Absicht liegt klar zutage. Wir hatten uns schon abgefunden mit der brutalen Ausschließung jüdischer Beamter und Arbeiter aus allen öffentlichen Stellen und Arbeiten, die den Polen behebt hat und dauernd noch beliebt. Wir haben nicht mehr weiter gesprochen von den skandalösen Demonstrationen auf den Universitäten, die seinerzeit unter Assistenz der beiden Rektoren stattgefunden haben und die erst vor wenig Wochen eine noch skandalösere Wiederholung fanden. Und noch manches andre, vielleicht noch Schlimmeres, haben wir vergessen. Eines haben wir nicht vergessen: die Art, wie es Herrn Ilski gefiel, in jeder Rede, die er im Warschauer Stadtparlament gehalten hat, die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen und mit deutlichen Worten und ohne jede Beschönigung die Austreibung der Juden aus Polen zu verlangen. Herr Ilski ist es, der zum Urbild des durch keinerlei Vernunft und Anstand gehemmten, totschläge- &Q2££>QXi£) <2X9 GXf) <2XS>3Ü GIX9 GX9iCtQXS)<2X5)<2X£>QXS>5S 1 Xgl ‘Bayer. ‘Porzellan* t 1 ‘TKanafaktur ‘Rympkenburg I {Hauptniederlage QRüncßen: Odeonsplag 1 S {Kunst* u. ßaxasgegenstände, Tafel*, ^Dessert-, H lKajfeeu. 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