Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 19 (10.5.1918)
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 219 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 219 Ein Verband jüdischer Kriegsteilnehmer und durch den Krieg Geschädigter in Österreich ist vom Leiter des Jüdischen Archivs, Dr. Nathan Birnbaum, mit folgenden Zwecken angeregt worden: 1. Rechtsschutz der Mitglieder bei allen aus den Kriegsverhältnissen sich ergebenden Ansprüchen an den Staat und sonstige Verpflichtete; 2. Vertretung von Interessen der Mitglieder gegenüber Wohlfahrtsinstitutionen aller Art; 3. Maßnahmen, um den Mitgliedern den Wiedereintritt in den bürgerlichen Wirtschaftskreis zu ermöglichen (Arbeitsnachweis, Nachweis von Gelegenheiten für geeignete selbständige Betätigung; vielleicht auch geschäftliche, industrielle und landwirtschaftliche Verbandsunternehmungen); 4. Vertretung der Interessen der Gesamtheit jüdischer Kriegsteilnehmer und durch den Krieg Geschädigter — namentlich auch Wahrung ihres Rufes und ihrer Ehre — gegenüber der Gesellschaft. Es ist klar, daß es sich bei diesem Verbände, der alle Juden umfassen soll, die in diesem Kriege Militärdienst leisteten, aber ebenso alle, die, ob Soldaten oder nicht, durch den Krieg unmittelbar schweren materiellen Schaden erlitten, um eine Organisation von Hunderttausenden handelt. Eine solche muß eine Stoßkraft gewinnen, wie sie bisher jüdischen Interessen-Organisationen nicht beschieden war. Zumal, wenn der Zusammenfassung eine rationelle Arbeitsteilung nach Interessen- und Arbeitsgebieten (Kombattanten; Reserve-Offiziere; Mannschaften, — Rechts- und Interessenschutz; Arbeitsnachweis usw.; statistische und archivarische Arbeit; publizistische Arbeit) gegenüberstehen wird. Dann wird nicht nur jedes Mitglied in der Lage sein, sein gutes Recht durchzusetzen, sondern auch die ganze jüdische Gemeinschaft wird ein Organ lebendigster, selbstverständlichster und loyalster Selbsthilfe besitzen, um ihren Ruf und ihre Ehre gegen unverdiente Angriffe und Verleumdungen zu schützen. Nun liegen die Dinge so, daß vor dem Friedensschlüsse an ein Inslebentreten des vorgeschlagenen Verbandes nicht zu denken ist. Damit ist aber nicht gesagt, daß man die Zeit bis dahin ungenützt verstreichen lassen dürfe- Vielmehr ist es dringend nötig, daß alle Handhaben vorbereitet werden, damit dann — wenn hunderttausende jetzt noch in die strenge militärische Disziplin gebannte Kräfte frei werden und massenhaft ins wirtschaftliche Leben zurückströmen, wenn außerdem die Behinderungen des Vereins- und Versammlungswesens wegfallen, die plötzlich von allen Seiten einstürmende Arbeit zufriedenstellend bewältigt werde. Insbesondere muß dafür gesorgt werden, daß die erste Leitung des neuen Verbandes, beziehungsweise schon das früher zusammentretende Gründungskomitee, bei Beginn der Tätigkeit einen Überblick über ihre Kräfte und Aufgaben gewinnen. Von diesem Gesichtspunkte ausi richtet das vorbereitende Arbeitskomitee an alle, die dem Verbände, sobald er gegründet ist, beizutreten gedenken, die dringende Bitte, ihre Beitrittsabsicht schon jetzt, und zwar ohne Verzug mitte'ilen zu wollen und verpflichten sich, die eingelaufenen Anmeldungen dem Gründungskomitee bei dessen Zusammentritte zur Verfügung zu stellen. Eine einfache Korrespondenzkarte resp. Feldpostkarte unter Angabe des Namens, Berufes (Ranges) und der genauen zivilen (und militärischen) Adresse genügt. Der Text der Mitteilung braucht nur einige Worte zu enthalten, etwa: „Ich beabsichtige, dem zu gründenden Verbände jüdischer Kriegsteilnehmer und durch den Krieg Geschädigter als Mitglied beizutreten.“ Militärpersonen hätten nach dem Worte „beabsichtige“ hinzuzufügen: „sobald ich wieder dem Zivilstande angehöre“. Wer mehr tun will, etabliere sich als Werber solcher Beitrittserklärungen, indem er die Asbendung der betreffenden Karten veranlaßt oder selbst die Anmeldung in Listenform einsendet. Auch Anregungen aller Art können schon jetzt eingesandt werden und dann dem Gründungskomitee oder der späteren Leitung des Verbandes sofort bei Beginn ihrer Tätigkeit zu statten kommen. Die Anmeldungen sind an Dr. jur. Karl Meis eis, Wien I, Ebendorferstraße Nr. 3, zu adressieren. Zahl und Verteilung der Juden in Rumänien im Jahre 1912. In der im Jahre 1917 in Wien erschienenen 2- Auflage des ausgezeichneten Werkes: Rumänien, Landes- und wirtschaftsstatistische sowie topographische Übersichten, bearbeitet von der Direktion des K. K. österreichischen Handelsmuseums, sind interessante und wichtige Angaben über die Zahl und Verteilung der Juden in Rumänien auf Grund der letzten Volkszählung im Jahre 1912 enthalten. Bekanntlich isit im vergangenen Jahrhundert nur einmal eine Volkszählung im eigentlichen Sinne durchgeführt Worden, nämlich im Jahre 1899. Im Jahre 1859 wurde lediglich in großen Zügen Zahl und Verteilung der Gesamtbevölkerung und der Hauptbevölkerungsklassen festgestellt. Es ist nun über den Anteil der Juden an der Bevölkerung Rumäniens auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1912 laut der amtlichen Statistik von 1915 ermittelt worden, daß in den Dorfgemeinden (die neue Dobrudscha nicht mitgerechnet) insgesamt 45 486 jüdische Bewohner (21 671 Männer und 23 816 Frauen) gezählt wurden; in den städtischen Gemeinden, außer Bukarest, 150 829 (72 646 Männer und 78 183 Frauen), in Bukarest 43 652 (20 992 Männer und 22 660 Frauen); die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung betrug sohin 239 967 (115 308 Männer und 124 659 Frauen). Eine Gegenüberstellung der Zahlen für die männliche und weibliche Bevölkerung zeigt einen 'deutlichen Überschuß des weiblichen Geschlechts, eine natürliche Folge der starken Abwanderung der Juden aus Rumänien teils nach Österreich, teils in die Vereinigten Staaten. Die Folge hiervon sowie des gleichzeitigen Geburtenrückganges war eine absolute Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Rumänien seit 1899. Ende des Jahres 1912 stellte die jüdische Bevölkerung 3,4 Prozent von der Gesamtbevölkerung des Landes dar. Gegenüber dem Jahre 1899 zeigt dies einen nicht unerheblichen Rückgang. Im Jahre 1899 belief sich nämlich die jüdische Bevölkerung auf 266 652 Seelen oder 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung, während sie im Jahre 1912 auf 3,4 Prozent der Gesamtbevölkerung zurückgegangen war. Die absolute Abnahme betrug 26 685, die prozentuale 10 Prozent, d. h. also durchschnittlich im Jahr 1 Prozent. Von der auf dem Lande in den Dorfgemeinden lebenden jüdischen Bevölkerung entfielen auf die Walachei 910, d. i. 0,03 Prozent, Oltenia 226, d. i.