Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 19 (10.5.1918)
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 216 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Das Jüdisch© Echo Nr. 19 zweiten der Glaube spricht, sondern im Gegenteil — Breuer, ein geschickter Fechter, dreht mit geistreicher Wendung den gegen seine orthodoxe Theorie gerichteten Spieß um: Die orthodoxe Theorie ist die wahrhaft wissenschaftliche, objektive und richtige Lösung des Judenproblems, dagegen beruht die im ersten Teil entwickelte wissenschaftliche Deduktion — Breuer nennt sie die zionistische Theorie — auf Vorurteil, auf dem subjektiven Glauben, man könne mit westeuropäischer Wissenschaft und den von ihr schematisch aus andersartigen Tatbeständen abstrahierten Begriffen „Nation“ und „Religion“ dem ganz besonderen und einzig dastehenden Tatbestand des Judenproblems beikommen. Gegenüber solchen dialektischen Kunststücken heißt es, ruhig Blut zu bewahren und die Tatsachen sprechen lassen. Ob eine Theorie westeuropäisch oder jüdisch1 ist. ob sie von den Zionisten oder Orthodoxen vertreten wird, gilt gleich. Es kommt darauf an ob sie, auf den einzelnen Fall angewendet, richtige oder falsche Resultate liefert. Der dem Judentum zu Grunde liegende Tatbestand ist dag Vorhandensein einer großen Anzahl über alle Länder und Völker zerstreuter, als Juden bezeichneter Menschen, ohne daß diejenigen objektiven Merkmale vorhanden wären, die sonst vorhanden sind, wenn man von einer Masse von Menschen als einem „Volk“ spricht, und die das Dasein eines Volkes absolut neben das Dasein anderer Völker hinstellen (gemeinsames Blut, Land, Staat, Kultur, Sitte, Sprache, Religion usw.). Wenn nun die zionistische Theorie trotzdem die Juden ein Volk nennt, so tut sie dies wahrlich nicht in mechanischer Anwendung westeuropäischer Begriffe auf einen einzigartigen Tatbestand, sondern sie wird diesem durchaus gerecht, wenn sie sagt: Die Juden sind ein Volk, nicht kraft objektiver nationaler Faktoren und nicht absolut wie andere Völker, sondern relativ und subjektiv kraft des eigenen Bewußtseins aller Juden von ihrem Anders- und Besonderssein gegenüber anderen Völkern und kraft des Bewußtseins der anderen Völker von dem Anders- und Besonders sein der Juden, ferner kraft des Willens sämtlicher Juden, ihre Eigenart zu erhalten und fortzupflanzen. Hier sind auch die Fehler ersichtlich, an denen Breuers Darstellung der zionistischen Theorie leidet. Es ist falsch, einerseits z. B. das gemeinsame Blut (Rasse), für bedeutungslos zu erklären, anderseits in den Juden nur eine Gemeinschaft der Geschichte zu sehen. Freilich — objektiv ist keine gemeinsame Rasse nachweisbar, aber der Glaube der Juden an ihr gemeinsames Blut und ihre körperliche und geistige Sonderart ist ein wesentliches Merkmal ihres Nationalbewußtseins. Dieser Glaube ist wichtiger für den Begriff Nation, als das wirklich gemeinsame Blut, wenn dasi Bewußtsein dieser wirklichen Gemeinsamkeit nicht lebendig ist. Hinwiederum ist die „Geschichte“ volksbildender Faktor nur durch den Glauben der Juden an die Gemeinsamkeit ihrer geschichtlichen Vergangenheit; denn niemand kann objektiv nachweisen, z. B. daß gerade seine Vorfahren im Jahre 71 Jerusalems Fall und den Verlust des Staats miterlebten, aber alle Juden glauben dies von sich. (In Wahrheit waren sehr viele Juden schon vor der Zerstörung Jerusalems über alle Länder zerstreut und fühlten sich nicht mehr als Angehörige eines selbständigen Staats.; auch war Jerusalem längst nicht mehr allgemein .anerkannter kultureller Mittelpunkt.) Anderseits fällt es der westeuropäischen Wissenschaft gar nicht ein, die Bedeutung des religiösen Faktors für das jüdische Volk zu leugnen. Trotz des von Breuer so betonten Fehlens gemeinsamer religiöser Inhalt e ist bei den Juden und Nichtjuden auch heute noch das Bewußtsein einer gemeinsamen jüdischen Religion (Religionsgemeinschaft) vorhanden. Dieses Bewußtsein steht, was die jüdische Einheit betrifft, an Bedeutung höher als die Gemeinsamkeit religiöser Satzungen und Anschauungen. Dias sind die Ergebnisse, zu denen die vorurteilslose Betrachtung der Tatsachen gelangt. Die Deutung des Rätsels der jüdischen Gemeinschaft muß so sein, daß sie sämtliche Juden umfaßt. Denn alle gehören zu dieser Gemeinschaft, auch der allerassimilierteste innerlich völlig religionslose Berliner Großstadtjude, der nur den Entschluß zur Taufe sich noch nicht hat abringen können. Damit ist auch das Urteil über die Breuersche Antwort auf das Judenproblem gesprochen. Sie tritt auf in der Form der objektiven Tatsachenfeststellung, isj aber subjektive Weltanschauung. Sie gibt vor, zu sagen, was i s t; in Wahrheit sagt sie, tüof)IfeiIe | | Kiitt ftler=p oft karten | | finb bie „3ugenb"=Poftkarten. 3)ie Sammlung | umfaßt 152 perfd)iebene harten unD 28 Kriegs* Pokftarten, alles farbige TBiebergaben nad) in ber | SDtündprer „3ugetib" oeröffentlidjten 3eid)nungen. | 2roß großer Preisfteigerungen in ber 5)erfteüung fjaben mir ben alten ‘preis uon I 10 Pfennige für jeöe Karte | beibetjalten, fo baß bie „3ugcnb"=Po[tharten Ijeute |* 1 öie billigften Künftlertarten | finb. Slluftr. 33ergeid)niffe oerfenbet koftenfrei ber püerlag öer „3 u g e n 6" | 1 9Künd)cnf£effingftrafjel £ 1 k J. A. Henckels Zwillingswerk MÜNCHEN Theatinerstraße Nr. 8 Erstklassige Stahiwaren