Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 18 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- Seite 213 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 203 Das Jüdische Echo Protest gegen Rumänien. Die jüdische Gemeinde Petersburg richtete durch das Kopenhagener zionistische Büro einen scharfen Protest gegen die. rumänischen Grausamkeiten gegenüber den Juden in Beßarabien. Das russische Judentum appelliert an die gesamte Kulturwelt gegen die rumänischen Gewalttätigkeiten Protest einzulegen ' und ersucht sämtliche jüdischen ' Gemeinden und Organisationen aller Länder, alles zu unternehmen um die Gleichberechtigung der Juden Rumäniens durchzusetzen. Die Behandlung der Juden in Rumänien und Beßarabien sei eine Schande, gegen welche die ganze Menschheit auftreten müsse. Bericht über die Versammlung des Deutschen Komitee pro Palästina am 25. Apnl 19iS im gelben Saale des Kaiserhofs. Berlin. Am Vorstandstisch hatten die Herren Exzellenz Raschdau, Prof. Dr. Hans Delbrück, Bergrat a. D. G o t h e i n (M. d. R.) und die beiden Referenten Prof. Dr. B a 11 o d und Cohen- Reuß (M. d. R.) Platz genommen. Exzellenz Raschdau eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßungsansprache. Er wies darauf hin, daß die Frage der Kolonisierung Palästinas eine Frage von.höchster Bedeutung sei, für die auch die deutsche Politik sich interessieren müsse. Das Auswärtige Amt habe die zionistischen Bestrebungen stets mit wohlwollender Anteilnahme verfolgt. In neuerer Zeit habe die Türkei ihre Stellung zum Zionismus geändert, man könne sagen, daß sie dem Zionismus jetzt mit aufrichtigen Sympathien gegenüberstehe. Der erste Redner des Abends, Prof. B a 11 o d , führte in einem Vortrage „Der Zionismus in der Bedeutung für die deutsche Politik“ aus: Wenn wir uns als ein Pro-Palästina-Komitee konstituiert haben, so geschieht das deshalb, weil wir, die wir zum überwiegenden Teile Nichtjuden sind, uns für die zionistischen Ideale besonders interessieren. Es handelt sich um eine aus national-ethischen und religiös-ethischen Gründen geborene Bewegung, die man zugleich nach ihrer idealen und realen Seite würdigen muß. Das realpolitische Problem des Zionismus läßt sich in die zwei Fragen zerlegen: 1. ob ein größeres Bedürfnis in der zionistischen Bewegung verkörpert wird und 2. ob Palästina in der Lage ist, größere Massen von Ansiedlern aufzunehmen. Was die Frage des Bedürfnisses anlangt, so kommt es vor altem auf die Ostjuden an. Wenn das Auswanderungsbedürfnis der Ostjuden bisher offenkundig war, so könnte heute, nach dem Fall des Zarismus, die Frage auftauchen, ob nicht die Emanzipation der jüdischen Masse eine weitere Auswanderung überflüssig machen würde. Fr glaube dies nicht. Wenn auch die Juden in Rußland zwangsweise in die Landwirtschaft gedrängt werden sollten, so werden wir Lieber ihrem alten Ideale folgen und den Übergang zur Landwirtschaft und Urproduktion in Palästina selbst durchführen. In Palästina muß für 5—6 Millionen Menschen Raum geschaffen werden. Das ist möglich. Wenn man lediglich die fruchtbaren Ebenen und Täter in Betracht zieht, dann würde diese geringe Fläche von 7—,800 000 Hektar ausreichen, um den Nahrungsmittelbedarf für eine Bevölkerung von 6 Millionen zu decken, wenn man den deutschen Lebensstandard vor dem Kriege zu Grunde legt, der mit einem Fleischverbrauch von 50 kg und einem Brotgetreideverbrauch von 180 kg pro Kopf rechnete. Dann bliebe noch das Gebirge für gartenmäßige Ansiedlung frei. Man kann das Land den arabir sehen Großgrundbesitzern abkaufen, für die Fellachen bieten sich neue und sehr günstige Ansiedlungsmöglichkeiten. Redner glaubt, daß in Palästina bei _ günstiger Entwicklung Ausfuhrüberschüsse erzielt werden können, die auch für Deutschland von Bedeutung werden könnten. Nach Prof. Ballod führte der Reichstagsabgeordnete Cohen-Reuß als zweiter Hauptredner des Abends zu dem gleichen Thema u. a. aus: Die Formulierung nationaljüdischer Forderungen konnte nur deshalb die Zustimmung der jüdischen Volksmassen finden, weil mit ihnen Dinge ausgesprochen wurden, die ihrem tiefsten Fühlen und dem eigenen Wollen entsprachen. Der starke Wille, im Lande der Väter eine produktive Aufgabe zu erfüllen, die wie die Erfüllung jeder produktiven Aufgabe der Menschheit im ganzen zugute kommt, ist die wahre Legitimation des Rechtes des jüdischen Volkes auf Palästina. Redner bespricht die Aufwärtsentwicklung der jüdischen Kolonien, die für die landwirtschaftlichen Fähigkeiten der Juden Zeugnis ablegen. Der Nutzen, den die tiirr kische Steuerwirtschaft aus der jüdischen Ansiedlung Palästinas zu erzielen vermag, erhellt aus der Tatsache, daß z. B. die Erträge der Zehentsteuer in 12 Kolonien innerhalb von 10 Jahren auf das siebenfache gestiegen, sind. Zur Beurteilung der wirtschaftlichen Bedeutung des Zionismus für die Türkei ist eine offene Besprechung der traurigen wirtschaftlichen Zustände des türkischen Reiches erforderlich. Obwohl die Türkei ein reiner Agrarstaat ist, vermag sie sich nicht selbst zu ernähren. Sie führt weit mehr Getreide ein als aus und muß trotz Erzeugung von Wolle, Baumwolle und Seide für viele Millionen Textilwaren, trotz Ausfuhr von Häuten und Gerbstoffen, für 17 Millionen Schuhwaren einführen. Die Handelsbilanz der Türkei ist in hohem Maße passiv. Die Staatsschuld ist ständig im Steigen begriffen, die deutsche Kapitalsinvestierung betrug 1912 bereits 600 Millionen Mark, eine erhebliche wirtschaftliche Gefahr, weil ihr keine aufsteigende Wirtschaftsentwicklung der Türkei entspricht. Der Grund für diese wirtschaftlichen Mißstände ist die mangelhafte Verwaltung des Landes, die Mangelhaftigkeit der Steuer- und Bodengesetzgebung, vor allem aber der Mangel an Bevölkerung. Man muß es vom Standpunkte' der Türkei aus geradezu als einen Glücksfall betrachten, daß es Menschen gibt, die nur auf die Gelegenheit warten, in die Türkei einzuwandern. Seine national-kulturellen Wünsche könne das jüdische Volk als kleine Nation im Rahmen eines größeren Staatenverbandes besser verwirklichen, als unter englischer Oberherrschaft, wo die ständige Gefahr einer Anglisierung vorläge. Wenn wir mithelfen, den Zionismus seiner Verwirklichung entgegenzuführen, so dienen wir sowohl dem nach seiner Wiedergeburt hungernden jüdischen Volke, den türkischen Bundesgenossen, wie auch den Interessen des eigenen deutschen Landes. In der Diskussion führte der Reichstagsabgeordnete Bergrat a. D. Gothein aus: