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Das jüdische Echo · 1918-05-03 · 18 (3.5.1918) · p. Seite 212

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
Seite 212 (sequence 2)
Language
German
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202 Das Jüdische Echo Nr. lg Die Pogrome in Galizien. Vor wenigen Wochen hatten wir über Judenpogrome in Rußland und der Ukraine zu berichten. Inzwischen haben sich in dem verbündeten Österreich Ereignisse abgespielt, die jenen an Brutalität nicht nachstehen und von Polizei und Militär nicht nur geduldet, sondern sogar unterstützt wurden. Am 7. April wurden in A 11 - L a u d e c Tausende von Chassidim. die gekommen waren, um, wie alljährlich zum Grabe des Rebben von Laudec zu wallfahren — darunter eine große Schar von Greisen und Greisinnen —, von Soldaten überfallen und geprügelt. Da sich die Juden in leerstehende Eisenbahnwaggons flüchteten, wurden sie aus diesen mit Stein würfen vertrieben und unter Mißhandlungen ihrer Kleider, Schuhe und. Wertsachen beraubt, ohne daß das Eisenbahnpersonal eingriff. Wenige Tage später kam es in K r a k a u gleichfalls zu einem Pogrom. Über dieses berichtet ein Mitarbeiter der „Jüdischen Rundschau“ seinem Blatte: „Mittwoch, den 17. April. Wir erleben jetzt die neuesten Pogromtage. Die Straßen sind voll von halbwüchsigen Burschen, die in der einen Hand einen Stein, in der anderen einen Knüppel, einen jüdischen Laden nach dem andern erbrechen und demolieren. Aus der Straßenbahn schleppte man gestern Mittag einen 51-jährigen Kaftanjuden auf den Ring und schlug ihn fast tot. Er wurde in ein jüdisches Hotel gebracht und starb dort noch am Abend. Eine tausendköpfige Menge; verteidigte den Leichnam gegen die Polizei, bis es dieser um Mitternacht doch gelang, ihn fortzuschleppen. Die amtliche Sektion ergab eine „natürliche“ Todesursache („herzkrank, verminderte Widerstandsfähigkeit einem in einem Krawall erlittenen Stoß gegenüber“). Die Polizei schaut zu, ich habe selbst gesehen, man rührt sich nicht. Legionäre, obwohl die Legionen aufgelöst sind', tauchen auf einmal in Menge auf,, als wäre es von langer Hand vorbereitet, und spielen die Organisatoren und Rädelsführer. Die Schomrim haben eine Selbstwehr organisiert, revidieren Straßenbahnen nach geraubten Sachen, halten sich recht wacker und das hat man drüben schon zu spüren bekommen.“ Ein zweiter Brief vom Donnerstag., den 18. April berichtet: „Jeden Abend wiederholen sich die Plünderungsszenen auf der Karmelicka. Als alles zu Ende war, kam ein Trupp Wiener Deutschmeister in stürmischem Laufschritt die Straße herauf, unter der Führung eines Polizeikommissärs. Der Kommissär führte die Truppe gemütlich durch die Karmelicka, Batorego und zurück, die Plünderer machten willig Platz und schlossen sich zu weiterer Plünderungsarbeit am gleichen Platz zusammen, sobald die Soldaten nur drei Schritt entfernt waren. Was für eine Komödie! Zum Schlüsse gaben sich zwei Polizisten den Anschein, einen Mann zu verhaften, ließen ihn aber gleich wieder laufen, was er benutzte, um von der nächsten Straßenecke aus von neuem mit Steinen zu werfen .... Ich weiß nicht, ob es in der Stadt noch viele undemolierte jüdische Läden gibt. Gegen die Polizei ist ein umfangreiches Beweismaterial vorhanden. Heute fährt eine Deputation von Polen und „Polen mosaischer Konfession“ nach Wien, um die Krawalle als Hungerkrawalle (!) darzustellen. Ein merkwürdiger Hunger, der sich auf jüdische Uhren erstreckt, aber polnische Lebensmittelgeschäfte unangetastet läßt.“ Hierzu schreibt das erwähnte Blatt: „Und die österreichisch-ungarische Staatsregierung.? Wo bleibt die Hilfe, die noch vor kurzem offiziell zugesagt wurde? Haben die Juden Galiziens keinen Anspruch auf Schutz ihres Vermögens und ihres nackten Lebens? Sind sie wirklich vogelfrei? Welcher Wert soll den jüngsten Versprechungen der Regierung hinsichtlich der Anerkennung der jüdischen Nationalität in Österreich beigemessen werden, wenn die Regierung nicht einmal imstande und willens ist, derartigen Anschlägen auf das nackte Leben ihrer Bürger wirksam entgegenzutreten? Will die österreichische Regierung sich mit dem Ruhmestitel einer Erbin der zaristischen Judenverfolgungen schmücken und verstehen die ihr verbündeten Regierungen nicht, daß es auch ihre wohlbedachte Pflicht wäre, ihren ganzen Einfluß geltend zu machen, um den unschuldig Verfolgten das Leben zu retten?“ s cHreibiiiflscUinen Reparaturen und Reinigungen aller Systeme schnell, fachgemäß, preiswert. Erstklassige Farbbänder u. Kohlepapiere sowie alle Zubehöre. Reinbolö Sd)ul3 Lindwurmstraße 1 (Ecke Sendlingertorplatz), Alleinvertrieb der TRIUMPH- und JOST - SCHREIBMASCHINEN Fernruf 54018. iötttrl50a^ 9Jtüitd)en 2 ©djtUerftro&e 48 empfiehl* [amtliche Artikel jur <f>aara, SDtunbs, 3at)n« unb Krankenpflege, mebigin. Sees nach kneipp, Stärhungss'ffietne unb Kräftigungsmittel, 93erbanbftoffe, Kafcenfeüe, Schwämme, foroie fnratl. 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