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Das jüdische Echo · 1918-04-26 · 17 (26.4.1918) · p. Seite 194

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
17 (26.4.1918)
Date
1918-04-26
Page
Seite 194 (sequence 6)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nr. 17 194 gna JUlptfint liWWt JitMtlfnllttUö in irrufiilrin Orgonifotioit rein europöifcf) 3foltcrt)äufer für 2lnftecftenbe Sitödtfte 2lnerhennung aller 23et)örben 2lufnat)me unterfcbiebslos für 2111 e 2Jlan forbere bie SSebingimgeit ein. bittet für feine ©efcbäftsleitung: Frankfurt a. «m. ^oftfcbechhonto 9tr. 7785 3rkft. a. «01 #ält fiel) für geroiffenbafte Uebernabme non Stiftungen empfohlen! «Betten — 3immer — 3at)raett — Oebenktafel — Stiftungen. «Briefe a« richten n«d) ^öberbergroeg 63. Familie allmählich, traditionelle Formen ansenommen hat. Die Intellektuellen, die Beamten, der mittlere und der reich begüterte Kaufmanns'stand gehören hierhin. Nach Graßl (bei Brentano: Die Malthuslehre und die Bevölkerungsbewegung der letzten Dezennien, Abh. der Kgl. Bayer. Akademie der Wissenschaften, Bd. 24, 3. Abt.) gehörten nach der Berufszählung von 1905 in Bayern an: dem Bürgerstand 20,57 Prozent, dem Arbeiterstand 52,98 Prozent, dem Beamtenstand 26,45 Prozent. Fs trafen von Geburten auf diese Stände: den Bürgerstand 18,7 Prozent, den Arbeitenstand 65,4 Prozent, den Beamtenstand 15,9 Prozent. Von der jüdischen im Hauptberuf erwerbstätigen Bevölkerung, die im Jahre 1907 sich einschließlich der Dienenden und berufslosen Selbständigen auf 292 759 Köpfe belief, gehörten 55,2 Prozent der Gruppe Handel und Verkehr, 6,6 Prozent den freien Berufen, 14,2 Prozent den berufslosen Selbständigen an. Daneben müssen wir aus der Tatsache, daß z. B. in der Wäschekonfektion 18,58 Prozent der hier beschäftigten Juden, in der Brennerei 12,01 und in der Fabrikation von Sprengstoffen 10,42 Prozent dem Unternehmertum angehören, schließen, daß auch ein großer Teil der in Industrie und Gewerbe tätigen Juden jener Gesellschaftsschicht angehört, bei der die geburtenmindernden Einflüsse sich ziemlich stark auswirken. Da in Gewerbe und Industrie 22,60 Prozent aller jüdischen Erwerbstätigen beschäftigt sind, gehen wir nicht fehl, wenn wir unterstellen, daß etwa vier Fünftel aller deutschen Juden einem Milieu angehören, das geburtenmindernden Tendenzen zumindest recht zugänglich ist. So kommt alles zusammen, das Volk des Kindersegens, dem das „Seid fruchtbar und mehret euch!“ als göttliches Gebot mit auf den Lebensweg gegeben war, seiner traditionellen Sendung zu entfremden. Und, so paradox es klingt, gerade die familienbildenden und -erhaltenden Eigenschaften des Judentums, die Familientreue und Familiensorge, sind es, die dem Kinderreichtum hindernd im Wege stehen. Bei den Juden ist das generative Verantwortlichkeitsgefühl gerade infolge ihrer Familienhaftigkeit besonders ausgebildet. Sie fühlen sich verpflichtet, ihren Kindern die Wege in und durch das Leben allseitig zu ebnen, ihnen alle Bildungsmöglichkeiten zu erschließen, ihnen soviel an Geld und Gut zu hinterlassen, daß ihre ökonomische Unabhängigkeit und Stoßkraft gesichert, ihr gesellschaftliches Ansehen erhöht und gefestigt werde. Der Jude will jeweils für sich, immer aber für seine Kinder höher hinaus, als die ihm selbst zugewiesene Gesellschaftsstufe war. Das „auf daß es Dir wohl ergehe auf Erden“ wird in die Nachkommenschaft projiziert. Sie sollen es besser haben, als die Eltern es hatten. So wird ein Ewigkeitsbegriff geschaffen, der eine irdische Unsterblichkeit höchst persönlicher Art verkörpert, ein Fortleben in den Kindern so gedacht, daß der Abglanz der Lebenshöhe und des Lebenserfolges rückstrahlend auch das Andenken der Eltern und Vorväter umfließen soll. Eine neue Art des „Kadisch“, dessen, der das Andenken an die Eltern aufrecht erhält, und zwar eine Art, die man nicht ohne Ergriffenheit anschauen kann. Aber sie enthält in sich die große Gefahr, daß man im Eifer der Zielsetzung den Blick für die Beurteilung der besten Wege zu diesem Ziele verliert und verhängnisvolle Irrwege einschlägt. Gerade die Zeit, in der wir uns befinden, muß uns ein Momento sein und uns von einem Wege zurückrufen, der für das Judentum als Stammesgemeinschaft unfehlbar bei der Vernichtung enden muß, wenn er nicht rechtzeitig verlassen wird. Blicken wir uns doch im jüdischen Mitbürgertum um. Wie oft sind wir in diesen Tagen Anzeigen begegnet, in denen der Verlust des eigenen Sohnes oder gar des einzigen Kindes von trotlosen Eltern beklagt wurde. Das sind oft dieselben Eltern, die aus mißgeschaffener Nachkommenschaftsliebe auf ein Mehr von Kindern verzichtet haben und die nun am Abend ihres Lebens einsam und verlassen in einer für sie verödeten Welt zurückgeblieben sind. Wir haben solchem Einzelschicksal, tragisch, wie es sein mag, nicht nachzugehen, wenn es nicht, wie hier, zum Ausgangspunkt die Gemeinschaft bedrohender katastrophaler Einwickelung wird oder zu werden sich anschickt. Eine solche Gefahr hat aber das Zusammentreffen des fürchterlichen Weltgeschehens mit geburtenmindernden Tendenzen in der Tat für das Judentum heraufbeschworen. Wir werden weiterhin davon zu reden haben, v ie man solcher Gefahr begegnen könne. Zuvor sei aber noch weniger allgemeiner Zusammenhänge der Geburtenfrage und ihrer besonderen Einwirkung auf dais Judentum gedacht. Eine solche Sonderfrage ist die Ausbreitung nei_ Geschlechtskrankheiten und ihre Einwirkung aut Zahl und Beschaffenheit des Nachwuchses. Es Kann dabei nicht unsere Aufgabe sein, näher aut

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