Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 17 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Das Jüdisch« Echo 191 des „von oben her“ veranlaßt worden seien, mit ihm zu verkehren. Ein Erfolg, um den ich ihn wahrlich nicht beneidete. — Nachdem die Antisemiten in einer Tonart reden, die an brutaler Offenheit kaum noch zu iiberbieten ist, wird es Zeit, daß die Palmenschwinger ihre fruchtlose und wenig ehrenvolle Beschäftigung aufgeben und sich lieber einer Arbeit zuwenden, die wahrhaftig des Schweißes der Edlen würdiger ist; der Veredlung des Judentums in ihnen selbst, der Sammlung aller schöpferischen und Abstoßung aller zersetzenden Kräfte des Judentums. Denn asi ist heute die Zeit, in der das jüdische Volk und besonders die Jugend des jüdischen Volkes, der im Weltkriege die Augen aufgegangen ist über die verfaulten Stützen unsrer europäischen Gesellschaft, daran gehen will, die sittlichen Kräfte des Judentums, die noch lebendigen und die teilweise schon verschütteten, zu heben und zu einem neuen Bau zu errichten. Unbekümmert um den Unrat, mit dem die Antisemiten sie bewerfen, der sie weder beschmutzen noch verletzen kann, wenn sie sich ihrer eignen inneren Reinheit bewußt sind. An ihrem Werk; der Erhöhung und Umbelebung des Judentums mitzuwirken, sollte ein edleres Ziel sein als das Fächeln mit den durch Menschheits¬ und Vaterlandsliebe parfümierten Abwehrpalmen. H. H. C.. Die Geburtenfrage bei den deutschen Juden.1) Von Henriette Fürth, Frankfurt a. M. Die Zahl der Juden in Deutschland geht zurück. Lange Zeit hindurch stellten sie etwas mehr als 1 Prozent der Gesamtbevölkerung, dann 1 Prozent dar. Die jüngste Volkszählung vom 1. Dezember 1910 ergab einen Prozentanteil von 0,92, also 9 auf Tausend der Gesamtbevölkerung. Diese zeitlich jüngste Angabe hat sich seitdem weiter nach der ungünstigen Seite verschoben, und zwar sowohl was den prozentualen Anteil, als was die Geburtenziffer anlangt. Als Allgemeinerscheinung ist bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine absolute Zunahme der Juden bei relativer Abnahme zu verzeichnen. Ihre Zahl belief sich im Jahre 1871 auf 512.153; 1905 auf 607.862 und 1910 auf 615.027. Doch ist selbst diese im Vergleich zur allgemeinen Volkszunahme verschwindende Erhöhung der absoluten Ziffer nicht der eigenen Regenerationskraft der deutschen Juden, sondern in der Hauptsache der östlichen Einwanderung zuzuschreiben. Freilich darf dann auch auf der andern Seite nicht vergessen werden, daß das Judentum ständig beträchtliche Verluste durch Mischehen und dabei einhergehender Taufe, durch Taufen und besonders Kindertaufen erleidet. So waren z. B. von den 1914 im Deutschen Reich von jüdischen Männern geschlossenen 3411 Ehen, 794, gleich 23,2 Prozent, also fast ein Viertel aller jüdischen Ehen Mischehen. Rechnen wir hinzu, daß außerdem 1) Der nachstehende Aufsatz aus der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“ Heft 7—12 beleuchtet ein deutsch-jüdisches Problem von großer Wichtigkeit. Wir bringen ihn deshalb hier zum Abdruck, obgleich wir in einzelnen Punkten den Standpunkt der Verfasserin nicht teilen. noch 550 jüdische Frauen sich mit religionsfremden Männern verheirateten, so kommen wir auf einen Prozent von 33,89 aller von jüdischen Männern oder Frauen eingegangenen Ehen. Im Jahre 1913 kamen bei den Juden auf 100 ungemischte Ehen 30,98 und im Jahre 1912: 29,48 ungemischte Ehen, deren Zahl sich noch 1901 auf nur 16,97 Prozent gestellt hatte. (Vgl. Stat. Jahrbücher für das Deutsche Reich 1914, 1915, 1916.) Die Kinder aus solchen Ehen pflegen in der Regel dem anderen Bekenntnis zugeführt zu werden. Im Jahre 1871 kamen auf 1000 Personen 125 Juden, 1880 waren eis 124; 1890: 115. 1900: 104 und 1905 nur noch 100; 1910: 92. Eine teilweise Erklärung findet diese betrübliche Tatsache auch darin, daß bei den Juden die. Zahl der Eheschließungen relativ geringer ist, als bei der übrigen Bevölkerung. 1913/14 haben die Eheschließungen in ganz Preußen um 15 Prozent, bei den preußischen Juden um 24 Prozent abgenommen. Besonders auffällig ist die Abnahme der jüdischen Trauungen in Berlin. Im Jahre 1913 fanden dort 558 jüdische Trauungen statt. 1914 waren es 372, 1915 nur 190 und für 1916 schwankt die Schätzung zwischen 138 und 150. Es kommt erschwerend hinzu, daß die jüdischen Ehen durchschnittlich weniger fruchtbar sind. Biis in die Mitte der siebziger Jahre war das anders. Der Kindersegen war bei den Juden groß und die Sterblichkeit erheblich geringer als bei der Allgemeinbevölkerung. In Preußen betrug in der Zeit zwischen 1820 und 1866 bei den Juden der Überschuß der Lebendgeborenen über die Gestorbenen 16,80 vom Tausend der jüdischen Bevölkerung. In der Zeit von 1888/92 nur noch 8,04 vom Tausend, während der vorher weitaus geringere Überschuß in der Allgemeinbevölkerung sich auf 13,77 vom Tausend stellte, 1898 bis 1902 im allgemeinen 15,65 vom Tausend, bei den Juden nur noch 5,42 vom Tausend und 1903/07 15,02 vom Tausend gegenüber 3,86 vom Tausend bei den Juden. (Vgl. Dr. A. Ruppin: Die Juden der Gegenwart. Jiid. Verlag. Köln-Leipzig.) Die jüdische Bevölkerung in Frankfurt a. M. hat sich von 21 974 im Jahre 1900 auf 26 228, oder um 19,3 Prozent vermehrt bezw. erhöht, die Zahl der Kinder im schulpflichtigen Alter ist dagegen nur um 171 oder 6,2 Prozent gestiegen. Noch ernster sieht sich die Sache an, wenn wir bei 140 Eheschließungen des Jahres 1901 366 Geburten und im Jahre 1911 bei 154 Eheschließungen nur 340 Geburten festzustellen haben. Nun zur Frage der geringeren Geburtlichkeit bei den Juden noch einige weitere Angaben. (Die sich anschließende Tabelle I über die jüdische Bevölkerung in Frankfurt a. M. müssen wir aus technischen Gründen unterlassen.) Tabelle II. Es wurden Kinder lebend geboren bei: absolut: auf 1000 d. bez. Bevölk.: Juden Anderen Juden Anderen Preußen 1908: 7112 1 262 214 17,37 34,22 Berlin 1906: 1744 49 689 17,64 25,60 Bayern 1908: 892 224 684 16,12 34,73 Algier 1903: 2471 17 617 43,25 31,55 Europäer Europäer 126 042 30,56 Mohamedaner Mohamedaner