Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 17 (26.4.1918)
- Date
- 1918-04-26
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Das Jüdische Echo Nr. n Äbwehr des Äntisemitlsmus? „Einverleiben und nicht germanisieren wollen, hieße den völkischen Wirrwarr des Habsburgerreiches als Ideal anbeten. Wir müssen wie die Amerikaner assimilieren durch Demokratisieren. Die Allgemeine Zeitung des Judentums meinte letzthin, die Deutschvölkischen verlangten die Auswanderung der Juden. Wir kön- > nen uns das nicht denken. Wir würden die Auswanderung der Juden aus Deutschland für ein Unglück halten. Ein solches Judengesetz würde wie das unselige Sozialistengesetz —■ auch ein Schnitzer Bismarcks — wirken. Das Sozialistengesetz machte die Sozialdemokraten zu Märtyrern und entwöhnte das Bürgertum dem politischen Kampfe. So würde die Auswanderung der Juden uns dem täglichen Kampfe um nationale Selbstbehauptung entwöhnen“. Es gibt weite Kreise und große Organisationen deutscher Juden, deren gesamte Tätigkeit für das Judentum darin besteht, daß sie den Antisemitismus abwehren. Sie stehen da wie die fächelnden Sklavenknaben um einen morgenländischen Gebieter, die diesen trotz alles Fächelns vor der Übermacht des andringenden Ungeziefers nicht schützten können. Soweit 'dieser Abwehrkampf sich als nichts weiter gebärdet als eine unangenehme und etwas beschämende Notwendigkeit, hat er seine Berechtigung — wenn man mir Licht und Luft zum Atmen rauben will, muß ich mich meiner Haut wehren. Sobald er sich aber mit „Idealismus“ verbrämt, mit stolzen Phrasen von einer Mitarbeit an der Aufklärung des Menschengeschlechts und von der Pflicht, das deutsche Volk vor Ungerechtigkeit zu bewahren, wird er schmachvoll. Denn wenn ich Veredelungsversuche machen will, so muß ich doch einen Schimmer von Bereitschaft, sich veredeln zu lassen, bei dem Gegenstand meiner Bemühungen voraussetzen. Tue ich das nicht, bin ich überzeugt, daß mir auf der andren Seite ein solches Maß von Haß und Gemeinheit gegenübersteht, daß jeder Versuch, es zu bezwingen, Wahnsinn wäre, und rede dennoch von „Veredlung“ — so lüge ich. Man lese einmal sorgfältig das eingangs abgedruckte Zitat, das aus der von den deutschen Behörden für lange Zeit unterdrückten und dann wieder zugelassenen „Staatsbürgerzeitung“ stammt, durch. Glaubt wirklich ernsthaft jemand, man könne diese Gesinnung dadurch wandeln, daß man mit einem großen Aufwand von Gelehrsamkeit, mit historischen, biologischen, soziologischen und sonstigen Nachweisen, mit lyrischen Appellen an Menschenliebe und Gerechtigkeit und mit Zitaten aus Goethe und Schiller nachweist, daß der Jude ein guter Mensch ist? Man stelle sich vor, es setzte sich jemand neben einen Lustmörder, der sich soeben auf sein Opfer gestürzt hat und deklamierte ihm vor: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ Ein nicht viel geringeres Maß von Komik liegt darin, wenn gewisse Kreise der deutschen Juden sich vor Leute, welche die Juden lieber nicht auswandern lassen wollen, damit sie das deutsche Volk nicht „dem täglichen Kampfe um nationale Selbstbehauptung entwöhnen“, also kurz gesagt, weil sie sie lieber langsam abschlachten und sich bei diesem täglichen Schlachtfest in der Handhabung des Messers üben wollen — wenn sie sich mit dem sanften Palmenwedel der Abwehr vor diese Leute stellen und ihnen Goethesche Zitate ins Ohr hauchen Liegt darin nicht eine klägliche Erniedrigung und sündhafte Zeitvergeudung? Und doch werden diese Versuche täglich mit neuem Mut und neuer Zuversicht unternommen. Und die sie unternehmen, glauben ernsthaft daran, nicht nur dem Judentum sondern auch Deutschland — der Regierung und dem Volke — durch ihre Aufklärung zu nützen. Zum Teufel, wenn die deutsche Regierung daran dächte, auf sie zu hören, so hätte sie einem Blatt, das anhaltend einen Teil der deutschen Bürger so grob beschimpft und bedroht, längst* das Handwerk legen können; wenn das deutsche Volk diese Fächelsklaven ernst nähme, so würde es ihnen lauschen, anstatt sich in einem täglich wachsenden Maße jenen zu übergeben, welche die Juden als Versuchsapparat für den politischen Kampf brauchen. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß der Jude alle Feindschaft und Anfechtung über sich ergehen lassen müsse. Wen man in seiner wirtschaftlichen oder bürgerlichen Rechten oder gar in seiner persönlichen Sicherheit gefährdet, wird sich in (Selbstverständlichem Erhaltungstrieb wehren. Aber es ist etwas andres, ob man sich gegen Rippenstöße verteidigt oder ob man das Gemüt des Stoßenden veredeln will. Die Verteidigung gegen die Folgen des Antisemitismus ist Pflicht der Selbstbehauptung, der Kampf gegen den Antisemitismus selbst, der den niedrigsten Trieben der menschlichen Natur entspricht und durch Logik niemals auszurotten sein wird— ist Kräftevergeudung. Es erzählte mir jemand mit Genugtuung, er hätte es durchgesetzt, daß die Offiziere und Beamten der Stadt, in der er selbst einen gehobenen Beamtenposten bekleidet, trotz ihres Widerstan- Hohlsaum Plissee, Feston und alle einschlägigen Arbeiten. Stoffknopf-Fabrikation. Spezialität: Eichelknöpfe und Doppelknöpfe. Rasche Bedienung! E. Dalimayer, Sonnenstraße 9fii. „Mercedes €€ Schreibmafchine Bekanntes erstklassigstes deutsches Fabrikat. Verschiedene patentierte Neuerungen. Bel Behörden, Banken, Grossflrmen usw. bevorzugt Generalvertrieb: _ tieneralvertrleb: ... S. 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