Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 16 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- Seite 185 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 185 lii$ Hi: n nur in nocE «dasa.- CW öi -Ki? ZU Ed:: istellu, :s sielt;: iteter £ den Stic tas, Jtfe: eWaüi en. Cüi:- einer ik mer: Ich weiß nicht, ob mein Gesäng so gut gefiel, ob das Getränk so vorzüglich schmeckte, oder der Tag besonders heiß war, — der erste Krug war in einer halben Stunde leer. Ich brachte fünfundsiebzig Kopeken nach Hause, gab das Geld der Mutter und bekam einen zweiten Krug. Elia rechnete aus, daß, wenn ich zehn bis zwölf Runden am Tage mache, wir monatlich hundert Rubel Reingewinn behalten, ohne den Sonnabend mitzurechnen. Sehr begreiflich: Das Getränk kostete fast nichts, die Hauptsache war das Eis. Es galt daher, den „Kwas“ so schnell wie möglich zu verkaufen, damit das Eis auch für den zweiten Krug bliebe. Eile war die Hauptsache ... Ich renne also und singe mein Liedchen... Hinter mir ist eine ganze Bande Jungen her, die mich uzen und verhöhnen, aber ich mache mir nichts aus ihnen, ich denke nur an das eine, meinen „Kwas“ so schnell wie möglich loszuwerden. Ich weiß nicht, wieviel ich am ersten Tage verkauft habe, — ich weiß nur, daß Elia, Broche, die Mutter, alle um die Wette mich in den Himmel lobten. Zum Abendbrot gaben sie mir ein großes Stück Kürbis, ein Stück Wassermelone und ein paar Pflaumen, — und „Kwas“ durfte ich trinken, soviel ich wollte . . . Die Mutter machte mir das Lager auf dem Fußboden zur Nacht zurecht und fragte mich, ob mir die Füße nicht weh taten. Elia lachte und meinte, ich wäre von jener Rasse, der man alles bieten kann und die an nichts Schaden nimmt. „Wenn Ihr wollt,“ sagte ich, „gebt mir einen Krug „Kwas“ her, ich gehe mitten in der Nacht los!“ Alle drei lachten über meine Unternehmungslust, nur der Mutter traten die Tränen in die Augen. Aber das ist schon zum Gesetz geworden: die Mutter muß weinen. Ich möchte wissen, ob alle Mütter so oft weinen wie meine? Unser Geschäft ging wie geschmiert. Ein Tag war immer heißer als der andere. Eine glühende Hitze! Die Leute wußten nicht, wo sie sich vor Schwüle verkriechen sollten, die Kinder starben wie die Fliegen; ohne ein Glas „Kwas“ zur Erfrischung wäre den Leuten die Kehille verdorrt. Ich komme zehnmal nach Hause, um „Kwas“ zu holen. Elia bemerkt, daß der Vorrat zu Ende geht. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als mehrere Eimer Wasser nach Gutdünken zuzugießen. Ich muß euch aber sagen, daß ich schon früher als er auf diesen Gedanken gekommen war. Fast täglich ging ich zu unserer Nachbarin Pesche heran und bot allen von unserem selbstgefertigten „Kwas“ an. Ich reichte Pesche ein Gläschen, Mojsche — der doch so ein prachtvoller Mensch war! — zwei, — allen Kindern je ein Gläs, damit auch sie wissen, welch ein vorzügliches Getränk wir zubereiten; der blinde Großvater mußte auch etwas bekommen, er konnte einem leid tun, der unglückliche Mensch . . . Um keinen Verlust zu haben, goß ich Wasser in den Krug zu; ein Glas „Kwas“ ersetze ich mit zwei Glas Wasser. Zu Hause machen es alle so. Wenn Bruder Elia ein Glas „Kwas“ trinkt, gießt er Wasser zu; er hat recht, auch eine Kopek zu verlieren, ist schade. Broche trinkt zwei, drei Gläser — sie trinkt das Gebräu des Bruders leidenschaftlich gern — und gießt Wasser zu; die Mutter kostet auch manchmal von dem Getränk — sie muß aber erst gebeten werden, von selbst nimmt sie niemals, dann gießen sie Wasser zu. Bei uns geht kein Tropfen „Kwas“ verloren, und wir verdienen gut- Die Mutter zahlt allmählich die Schulden ab, die notwendigsten Sachen sind schon aus dem Versatzamt ausgelöst. Wir haben in der Stube wieder einen Tisch, eine Bank, Sonnabends kommt Weißbrot, Fleisch und Fisch auf den Tisch. Mir versprachen sie, Schuhe für die Feiertage anzuschaffen. Nein, wer hat es so gut wie ich?! Wer hätte gedacht, daß unser „Kwas“ plötzlich im Wert so sinken würde, daß man ihn einfach auf die Straße gießen kann! Noch ein Glück, daß ich nicht mit der Polizei zu tun bekam . . . Ich verweilte eines Tages mit meinem „Kwas“ bei der Nachbarin Pesche. Alle tranken von der Limonade, ich ebenfalls. Ich berechnete, daß mir etwa zwölf oder dreizehn Gläser fehlten und schlich mich in die Vorratskammer, wo sie Wasser in einem Faß aufzubewahren pflegten; statt aus dem Wasserfaß schöpfte ich in der Finsternis aus einer Wanne, in der Wäsche eingeweicht war, goß etwa zwanzig Gläser in den Krug und ging auf die Straße mit einem neuen Vers, den ich mir soeben ausgedacht hatte: Ein himmlischer Trank Der süße Kwas! Uns saget Dank! Auf Euer Wohl das Glas! Ein Jude hielt mich an, zahlte eine Kopek und ließ sich ein Glas einschenken. Kaum hatte er es ausgetrunken, als er sich zu winden begann: Ich erfülle hiermit die Kindespflicht, unseren Freunden Mitteilung von dem Hinscheiden meiner Mutter SOPHIE WELDLER geb. STEINHARDT zu machen. Sie starb am 12. April nach langem Leiden in ihrem Heimatsorte Floss bei Weiden im Alter von 62 Jahren. WIEN III, Weissgärberlände 10. NORBERT WELDLER im Namen seiner Familie. llllll»W!«li«»lil»»l»lllll»I»i Schreibbüro übernimmt Schreibarbeiten und Vervielfältigungen jeder Art, tadell. u. schnellste Ausführung. Eigene Diktat-Zimmer. Stenogramm-Diktate, sowie fremdsprach. Uebersetzungen. Uebernahme ganzer Werke, Theaterstücke usw. Billig. Berechnung. Strengste Diskret. Manuskripte werden unt. Verschluß abgeholt. Neuhauserstratse 21/1. Kaffee Fürstenhof (Lift). Teleph. 55144