Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 16 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- Seite 186 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Das Jüdische Echo Nr. 16 „Junge, was hast du da für ein Getränk?“ Ich achtete nicht auf ihn. Zwei andere standen neben ihm und warteten, bis sie herankamen. Der eine spie die Hälfte des Glases aus, der andere den dritten Teil; sie zahlten, krächzten und entfernten sich. ■ Noch ein anderer hob das Glas zum Mund, kostete und sagte, daß der „Kwas“ nach Seife roch und einen salzigen Geschmack hatte. Der nächste betrachtete das Glas, roch daran und gab es mir zurück. „Was hast du da?“ „Kwas!“ „Nicht „Kwas“, sondern Salztunke.“ Ein neuer Käufer erschien. Er kostete und goß mir das ganze Glas über den Kopf. Im nächsten Augenblick entstand ein Gedränge um uns. Alle redeten, ereiferten sich, fuchtelten mit den Händen. Als der Schutzmann das Gedränge sah, kam er heran und fragte, um was es sich handelte. Man erzählte ihm den Vorgang. Er trat zu mir heran, besah den Krug und befahl, ihm ein Glas einzuschenken. Ich schenke ein. Der Schutzmann nahm einen Schluck, sipie aus und brüllte: „Wo hast du dieses Aufwaschwasser hergenommen?“ „Das ist nach dem Buche gemacht,“ sagte ich, „mein Bruder bereitet es, er macht es ganz allein.“ „Wer ist dein Bruder?“ „Elia, mein Bruder!“ „Was für ein Elia?“ „Beschuldige deinen Bruder nicht, dummer Junge,“ riefen mir mehrere Männer auf jüdisch zu. Der Lärm wurde immer größer. Jeden Augenblick kamen neue Gesichter hinzu. Der Schutzmann hielt mich bei der Hand, um mich mit der Limonade zum Revier zu führen. „Armer Junge, er kann einem leid tun! Er ist ein Waisenkind“, vernahm - ich von allen Seiten, Ich ahnte, daß die Sache schlecht enden würde. Angstvoll blickte ich die Menge an: „Habt Erbarmen, Juden!“ Sie wollten dem Schutzmann etwas zustecken, aber er nahm es nicht. Ein alter Mann mit Spitzbubenaugen wandte sich plötzlich zu mir: „Du, Bursche! Reiß dich los und renn davon!“ Ich gab mir einen heftigen Ruck und rannte, was Zeug hielt, direkt nach Hause. Mehr tot als lebendig stürzte ich ins Zimmer. „Wo ist der Krug?“ fragte Elia. „Im Revier!“ stammelte ich und stürzte weinend zur Mutter. Gemeindenu. Vereins-Echo München. Die Zionistische Ortsgruppe ließ am Samstag und Sonntag im Saale des Polizeigebäudes einen Film vorführen, der „Das jüdische Leben in Palästina“ zum Gegenstand hatte. Die Form bildete eine Reise in diesem Lande, die zunächst von Odessa ausgehend, an der Küste des Schwarzen Meeres entlang, durch den Bosporus uns nach Jaffa führt. Hier enthüllt sich unserem Blick der jüdische Stadtteil Tel-Aviv, das Lehrerinnenseminar, das hebräische Gymnasium mit turnerischen Vorführungen usw. Des Weiteren sehen wir die jüdischen Kolonien Petach-Tikwah, Chedera, Rischon Le Zion, die Farm Kinereth, wo wir die Leute bei den verschiedensten Arbeiten beobachten; charakteristisch sind die Jemeniten, interessante Typen, deren Aufnahme trefflich ge- , lungen ist. Das alljährlich stattfindende landwirtschaftliche Fest in der Kolonie Rechoboth zeigt uns u. a. Vorführungen der jüdischen Turnvereine, die in Nichts gegen unsere heimischen Turnvereine zurückstehen. Das im Bau begriffene Technikum in Haifa, das ein Bild der dortigen Bauart bietet, scheint uns besonders gut gelungen. In Jerusalem, das uns in einer Reihe von Bildern vorgeführt wird, zieht uns vor allem die Kunstgewerbeschule Bezalel an; auch hier sehen wir, wie überall, eine Entwicklung, welche zu den schönsten Hoffnungen berechtigt- Jericho, Hebron und verschiedene historische Grabstätten ziehen an unserem Auge vorüber. Herr J. R e i c h , der Erez Jisroel aus eigener Anschauung kennt, gab zu den einzelnen Bildern treffliche Erklärungen. Die Vorführungen erfreuten sich eines recht zahlreichen Besuches und dürften in vielen Kreisen das Interesse für das jüdische Land der Vergangenheit und Zukunft geweckt haben. J. F. Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Von mehreren unserer Leser, die Mitglieder des Zentralvereins sind, wurden wir gefragt, warum wir in unserer letzten Nummer keine Ankündigung der am 13. April 1918 hier im Bayerischen Hof stattfindenden Jubiläumsversammlung gebracht, während die Münchener Tageszeitungen solche Ankündigungen enthalten hätten. Wir haben den Fragestellern erwidert, daß dem „Jüdischen Echo“, der einzigen jüdischen Zeitung Münchens, von Seite der Leitung der hiesigen Ortsgruppe des Zentralvereins eine Mitteilung über die festliche Veranstaltung nicht zugegangen ist. Mangels Einladung konnte unser Blatt auch keinen Berichterstatter zu der Versammlung senden. Trotzdem wir aus dem Verhalten der Leitung der Ortsgruppe schließen müssen, daß diese keinen Wert darauf legt, daß unser Blatt über die Versammlung berichtet, halten wir das Ereignis und die dabei gehaltenen Reden der Herren Geheimrat Dr. Fuchs und Professor Dr. Werner vom allgemein jüdischen Standpunkt aus für so bedeutsam, daß wir im Interesse unserer Leser die beiden Herren Redner ersucht haben, uns den Wortlaut ihrer Reden zur Verfügung zu stellen. Es liegt uns besonders daran, unserem Leserkreis diejenigen Stellen der Reden in ausführlicher Form zur Kenntnis zu bringen, in denen nach den uns gewordenen Mitteilungen die Redner der verschiedenen jüdischen Richtungen zu gegenseitiger Duldsamkeit ermahnt haben. Berichtigung. Bei der Bekanntgabe des Erfolges der Büchsenleerung ist uns ein Fehler unterlaufen: Büchseninhalt bei Alfons Minikes ist nicht —.18, sondern 10.18. Neue Büchsen sind jederzeit erhältlich bei Frl. Elisabeth Mahler, Baadersitr. 53/1. Verein Bne-Jehuda. Samstag, den 20. d. M. im Augustinerbräu, Neuhauserstr. 16/1, abends 8.30 Uhr: Abschiedsabend von Herrn J. Abramson. Gäste willkommen. immmmmam mmmm m «■■»«■■■»•• j München w j! Israel. TöcMerpensionat I Fräü ApoMer RothsoMId Ww. J