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Das jüdische Echo · 1918-04-19 · 16 (19.4.1918) · p. Seite 184

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
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184 Das jüdische Echo Nr. 16 sagte, sie würde sich freuen, wenn sie hundert Rubel im Jahre hätte. „Du machst bescheidene Ansprüche!“ sagte Elia. Von nun an lief Elia jeden Tag zur Post, um sich nach dem Buch zu erkundigen. Es waren schon mehr als acht Tage her, seitdem er das Geld abgesandt hatte, aber das Buch war immer noch nicht angekommen! Inzwischen hatten wir nichts zum Leben. „Die eigene Seele kann man nicht ausspeien!“ pflegte die Mutter oft zu sagen. Eines Tages endlich kam das Buch an. Es wurde ausgepackt, und Bruder Elia begann zu studieren. Was da nicht alles drinstand! Welche Menge Mittel, Geld zu verdienen, welche Menge Rezepte! Ein Rezept: hundert Rubel Einkommen — für Herstellung der besten Tinte, — ein anderes Rezept: — hundert Rubel monatliches Einkommen für Herstellung schwarzer Wichse; ein drittes Rezept: hundert Rubel monatlich für Herstellung eines Mittels zur Vertilgung von Mäusen, Käfern und allerlei Insekten; ein viertes Rezept: — hundert Rubel und darüber monatlichen Verdienst für Hersitellung von Likör, feinstem Schnaps, Sodawasser, Limonade und ähnlichen Getränken . . . Mein Bruder hielt bei dem letzten Rezept inne. das einen Verdienst von mehr als hundert Rubel monatlich versprach und bei dem man sich die Finger nicht mit Tinte oder Wichse schwarz zu machen und sich nicht mit Mäusen, Käfern und ähnlichem Gewürm abzugeben brauchte. Es galt nur noch, sich für ein Getränk zu entschließen. Liköre und gute Schnäpse erforderten ein Rothschildsches Kapital. Für Sodawasser und Limonade brauchte man eine Maschine, irgendeine Vorrichtung, also wieder Geld. Es blieb also nur eins: „Kwas“, ein billiges, säuerliches Getränk aus gesäuertem Schwarzbrotteig. Die Herstellung war billig, und das Getränk fand guten Absatz, besonders in solch heißem Sommer, wie in diesem Jahr. Boruch, der Kwasbrauer, war ein reicher Mann geworden. Er bereitete einen „Flaschenkwas“ zu. der berühmt war und aus der Flasche „hervorschoß“. Wieso der Kwas brauste, wußte niemand. Manche behaupteten, daß Boruch Rosinen hineintat, andere meinten, es wäre Hopfen drin. Sobald der Sommer begann, hatte Boruch alle Hände voll zu tun. er brauchte nur das Geld zu zählen! Unser „Kwas“ ist kein Flaschenkwas, er schäumt und braust nicht. Wie mein Bruder ihn zubereitet, das. weiß ich nicht. Bruder Elia schließt sich bei der Arbeit in Mutters Zimmer ein; weder ich, noch Mama, noch Broche wagen hineinzugucken. Das einzige, was wir sehen, ist, wie er Wasser hineingießt. Ich weiß aber trotzdem, aus was der „Kwas“ hergestellt wird; wenn ihr mir versprecht, das Geheimnis zu wahren, will ich es euch sagen. Es werden Zitronenschalen genommen, Honigsyrup und irgendein Zeug, genannt „Kremortar“, das saurer ist als Essig und Wasser. Wasser bildet den Hauptbestandteil; je mehr Wasser man nimmt, um so mehr „Kwas“ gibt es. Das Ganze wird mit einem Stäbchen gut gerührt, und das Getränk ist fertig. Es braucht nur in einen Krug gegossen zu werden, in das man noch ein Stückchen Eis hineinlegt. Ohne Eis taugt das ganze Getränk nichts. Dasi habe ich aus eigener Überzeugung erfahren; ich habe einmal warmen „Kwas“ getrunken und glaubte, es ginge mit mir zu Ende.. Als das erste Faß mit „Kwas“ hergestellt war, beschlossen meine Angehörigen, daß ich den „Kwas“ in den Straßen herumtragen soll1. Wer denn sonst? Für den Bruder schickte es sich nicht. Er war doch immerhin ein verheirateter Mann. Daß die Mutter mit dem Krug in den Straßen herumginge und ausriefe: „Kauft Kwas* Juden!“ — das würden wir nicht zugeben. Die Wahl fiel also auf mich. Ich hatte nichts dagegen. Elia unterwies mich in meinem neuen Amt: in einer Hand sollte ich den Krug halten, in der anderen ein Glas und mit einem Sings'ang die Käufer herbeirufen: Trinkt, Juden! Kauft Kwas! Kostet! Macht Halt! Ein feines Getränk! Das Glas für eine Kopek! Kalt und süß! Kommt her und kostet! Meine Stimme klang hell wie reiner Sopran. Ich drehte die Worte ein wenig um, ging herum und sang: Juden! Kauft Kwas! Eine Kopeke das Glas! Süß und kalt! Kostet! Macht halt! "RauThallmaier fiofüefGranjt München ThßatinevÜrAQ. mmjQ!MDV$a3llanjQ.

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