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Das jüdische Echo · 1918-04-19 · 16 (19.4.1918) · p. Seite 183

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 183 minar und übersiedelte dann nach Berlin, wo er 1871 sein erstes größeres philosophisches Werk: „Kants Theorie der Erfahrung“ veröffentlichte Nachdem er zwei Jahre lang als Privatdozent in Marburg gelehrt hatte, wurde er 1875 alsi Nachfolger Friedrich Albert Langes berufen und bald darauf zum ordentlichen Professor ernannt. Erst 1912 legte er, der Führer der „Marburger Schule“ sein Lehramt nieder und iibersiedelte nach Berlin. Dort lehrte er in den letzten Jahren seines Lebens an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Auf die Bedeutung dieses gründlichen Wissenschaftlers und vornehmen Menschen eingehender zurückzukommen, behalten wir uns vor. Welt-Echo österreichischer jüdischer Jugendtag. Vom 18. bis 20. Mai wird in Wien im großen Musikvereinssaale ein Österreichischer jüdischer Jugendtag veranstaltet, dessen Ziel die Gründung eines Verbandes der jüdischen Jugend Österreichs ist. Dr. Martin Buber hält die Eröffnungsansprache und Dr. Siegfried B e r n f e 1 d vertritt das Programm. An der Warschauer Universität wurden im laufenden akademischen Jahre 2220 Studenten immatrikuliert, 54,2 Prozent Christen, 45,8 Prozent Juden. Als Muttersprache gaben 2927 Studenten polnisch, 109 jüdisch, 87 hebräisch, 3 deutsch, 2 russisch, 1 französisch an. Die medizinische Fakultät besuchten 941 Studenten (610 Juden), die juridische 767 (285 Juden), die philosophische 412 (122 Juden). Ein Vertreter des Judentums. Am Ostersonntag hat der Präsident der jüdischen Gemeinde Warschau und Vertreter jüdischer Angelegenheiten im früheren Staatsrat, Stadtrat Kasimir Nathanson seine fünf Kinder taufen lassen. Die Stadtverordneten Eiger, Kirschrot und Berenson haben sich daraufhin mit dem Ersuchen an ihn gewandt, sein Mandat i-m Stadtrat niederzulegen. Ein gleiches Ersuchen stellte eine Versammlung aller jüdischer Stadtverordneten an ihn, Die Schulen der nationalen Minderheiten. Im „Moment“ Nr. 73 vom 27. März wird darauf hingewiesen, daß die polnischen Schulbehörden sich in keiner Weise um die polnischen Bestimmungen über die Schulen der Minderheiten nach dem Gesetz vom 12. September 1917 kümmern. Nach dem Gesetz gilt die deutsche Nationalität als privilegiert, aber nach § 9 haben auch die nichtprivilegierten Minderheiten das Recht, private Schulen in ihrer Muttersprache zu unterhalten und Schulvereine zu gründen. In der Praxis kümmern sich die polnischen Schulinspektoren durchaus nicht um diesen Paragraphen, wie das Verbot eines jüdischen Lehrerseminars, eines iiidischen Schulvereins in Siedlice, das angedrohte Verbot einer jidischen Schule in Garwolin beweisen. König Alexander von Griechenland über den Zionismus. Anläßlich eines Besuches, den König Alexander der Stadt Saloniki abstattete, empfing er auch einen Vertreter der Organisation Pro Israel. Der König drückte ihm seine tiefe Sympathie mit den jüdisch - nationalen Bestrebungen aus und erklärte, daß er die Befreiung Palästinas und die Aussichten für die Errichtung einer jüdischnationalen Heimstätte mit größter Freude begrüße. Der König erkundigte sich sodann nach vielen Einzelheiten betreffs der jüdischen Einwanderung nach Palästina. Frankreich und die Palästinafrage. Frankreich hat sein Interesse für Palästina durch Teilnahme französischer Kriegsschiffe am Palästinafeldzug bekundet; weiterhin hat die Pariser Regierung es für notwendig befunden, einen eigenen „Hochkommissär“ zu entsenden, der das künftige Statut der verschiedenen religiösen Gemeinden und der heiligen Stätten ausarbeiten soll. Mit diesem Aufträge wurde George Picot betraut, ein sehr bekannter katholischer Führer Frankreichs, den Pius X. wegen seines Modernismus bekämpft hatte, während Benedikt XV. zu ihm so enge Beziehungen unterhält, daß er zugleich als Vertrauensmann des Vatikans betrachtet werden kann. Picot ist in Jerusalem und Bethlehem in feierlichster Weise empfangen worden. Es scheint sonach unter den Alliierten England die politische Neugestaltung Palästinas übernommen zu haben, während Frankreich die religiösen Angelegenheiten zufielen. (Jiid. Rundschau.) Die Palästina - Kommission. Im Gegensatz zu früheren Meldungen, wonach amerikanische Zionisten an der Kommission, welche sich unter der Führung Dr. Weizmanns nach Palästina begibt, nicht teilnehmen sollten, wird nunmehr mitgeteilt, daß sich die Herren Dr. Stephan Wise, Lewin-Epstein, A. H. Fromenson und Ch. Wortsmann als Vertreter der amerikanischen Zionisten der Kommission anschließen werden. Als finanzieller Beirat der Kommission geht der Direktor der Anglo Palestine Company Herr Levontin, als agronomischer Sachverständiger Herr J. Oettinger nach Palästina. Feuilleton Das Getränk meines Bruders Elia.*) Von Scholem Alechem. „Für einen Rubel hundert! Hundert Rubel monatlich und mehr kann jeder verdienen, der sich mit dem Inhalt meines Buches bekannt macht. Preis 1 Rubel einschließlich Zusendung. Eilt! Kauft! Erfaßt den Augenblick, sonst kommt ihr zu spät!“ Diese Anzeige hatte mein Bruder in der „Jüdischen Zeitung“ gelesen, nachdem er gezwungen war, zu uns zu ziehen und sich selbständig zu machen. Elia sandte sofort einen Rubel — den letzten, den er besaß, und erklärte der Mutter: „Mama, Gott sei Dank, wir sind gerettet! Wir haben jetzt einen sicheren Verdienst. Bis dahin!“ Dabei zeigte er mit der Hand bis über den Hals. „Was ist denn?“ fragte die Mutter. „Hast du eine Stelle bekommen?“ „Besser als irgendeine Stelle!“ sagte Elia, und seine Augen glänzten vor Freude. „Wir brauchen nur einige Tage zu warten, bis das Buch ankommt!“ „Was für ein Buch?“ „Ein wundervolles Buch!“ sagte Elia. Er fragte die Mutter, ob sie mit hundert Rubel monatlich zufrieden wäre. Die Mutter lachte und *) Aus dem Werke „Aus dem nahen Osten“ von Scholem Alechem. Deutsch von Stefania Goldenring. Georg Müller Verlag, München.

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