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Das jüdische Echo · 1918-04-19 · 16 (19.4.1918) · p. Seite 181

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 181 lästina. die jüdischen Kolonien und die kulturelle und soziale Arbeit der palästinensichen Juden ihren Wert hat, von besonderer Bedeutung; aber dadurch wird, daß hier ein ganz objektiv Urteilender den jüdischen Bauern und den zionistischen Siedlungen das beste Zeugnis ausstellt. „Wo man die Gelegenheit hat, in diese (die zionistischen) Kreise zu kommen, da findet man. was Lebensführung und auch Lebensauffassung betrifft, die Oasen des Orients. Turmhoch steht’ der ganze Betrieb über allem Einheimischen, Türkisch- Arabischen“. Im dritten Teil geht dann En d r es auf die weltpolitische Bedeutung des Zionismus ein. In die erste Reihe stellt er seine Bedeutung für die T ii r - kei. Vor der jetzt in weiten Kreisen herrschenden allzu optimistischen Auffassung türkischer Verhältnisse warnend, weist er darauf hin, daß die Zukunft der Türkei in zwei großen Hoffnungen verankert liegt: in der moralischen Hebung der Gesellschaft und der Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Auf beides würde die jüdische Kolonisation in Palästina den denkbar größten Einfluß haben. Zugleich würde, wie Endrgs eindringlich auseinandersetzt, sie, hinter der keine feindliche Macht steht, nicht nur politisch ungefährlich für die Türkei sein, sondern als ein Gegengewicht gegen die jung-arabische Bewegung eine positive politische Aufgabe erfüllen. Was Endres hierüber sagt, ist besonders an die Adresse der fanatisch pantiirkistischen Kreise gerichtet. Nächst der Türkei hat die Entente ein lebhaftes Interesse am Zionismus; zur Abrundung ihres, afrikanisch-asiatischen Besitzes, als Pufferstaat gegen die Türkei, und um sich die Sympathien der Juden aller Länder zu gewinnen, braucht sie ein jüdisches Palästina. Aus diesem Grunde, nicht aus Menschenfreundlichkeit hat sie im November durch Lord Balfour an Lord Rothschild die bekannte Erklärung -richten lassen, von der übrigens Endres meint, sie habe anfangs in zwei Fassungen Vorgelegen, während es sich bei der ersten dieser beiden Fassungen ganz offenbar um eine irrtümliche Übermittlung handelte. Aus demselben Grunde hat Amerika den Oberrichter Brandeis dazu ausersehen, auf dem Friedenskongreß seine orientalischen Projekte zu vertreten. Weil aber diese Erklärung auch dem Zwecke dient, sich die Sympathien aller Juden zu erwerben, deshalb ist es natürlich ganz unwahrscheinlich, daß die Entente wie Endres meint, nur die Ententejuden in Palästina zulassen und etwa die jüdischen Massen Galiziens von der Einwanderung ausschließen würde. In einem dritten Kapitel1 dieses Abschnittes zeigt der Verfasser, welches hohe Interesse die deutsche Politik am Zionismus haben muß: „Wenn Deutschland in der Lage wäre, das von England beanspruchte Protektorat über den Zionismus zu übernehmen, als ein Freund der Türkei und als ein Freund der Zionisten, dann wäre allen Dreien geholfen. Die Zionisten würden nicht zum Werkzeug einer imperialistischen Politik werden, die Türken würden in kürzester Zeit eine Musterprovinz bekommen, und Deutschland würde ein Land im Orient als Absatz- und Einkaufsgebiet erhalten, das sehr bald in seinem Handel' die- Zahlen der gesamten heutigen Türkei erreichen würde-“ Zum Schluß verweist der Verfasser auf die Hemmungen, die der Verwirklichung des Zionismus im Wege stehen und findet scharfe Worte gegen den Antisemitismus. Endres’ Buch ist dasi Werk eines umsichtigen Politikers und großzügigen Menschen und eine Unterstützung der zionistischen Idee, für die ihm jeder Zionist aufrichtig zu danken hat. Wenn sich etwas gegen seine Grundidee einwenden läßt, so ist es nur dieses): Das Buch dient dem Zwecke, den Zionismus als einen weltpolitischen Faktor zu zeigen, dessen Deutschland sich rechtzeitig bedienen sollte. Stellen wir uns aber einmal auf diesen nur-politischen Standpunkt, so dürfen wir die Versicherungen der Entente nicht lediglich aus dem Grunde mißtrauischer aufnehmen als die der andren Mächtegruppe, weil auch sie von Motiven des eigenen Nutzens diktiert sind. Ist der Zionismus nur das gemeinsame Objekt praktischer Erwägungen beider Gruppen, bei denen Nutzen gegen Nutzen steht, so kann er vielleicht aus irgendwelchen Gefühlsmomenten sich für diejenige Mächtegruppe entscheiden, die ihm zwei sehr vorsichtige und zweideutige ^Regierungserklärungen gab, nicht aber aus der Überzeugung heraus. daß er ihr und ihren wenig klaren Zusagen unbedingt vertrauen, der englischen Regierung und ihrer viel eindeutigeren Erklärung jedoch mit dem größten Mißtrauen gegenüberstehen müsse. Anders würde es sich vielleicht verhalten, wenn in diesem Buche vom eignen Vorteil1 der Staaten, also der Weltpolitik gar keine Rede wäre und der Zionismus nur unter dem Gesichtspunkt der Völkergerechtigkeit behandelt würde. Solange aber dieses Moment ganz ausgeschaltet ist, darf man wohl wie von den Regierungen so auch vom Zionismus nicht erwarten, daß er die ganz kühle Überlegung ausschaltet und sich ausschließlich auf seinen Glauben, seine Sympathie für die eine oder die andre Mächtegruppe erklärt.... H. H. C. Zur Lösung der rumänischen Judenfrage. Wie der „Jüdischen Rundschau“ von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, ist die rumänische Judenfrage bei den Friedensverhandlungen in Bukarest berücksichtigt und in befriedigender Weise gelöst worden. Der Staatsminsiter des Auswärtigen Amtes, Exzellenz v. K ii h 1 m a n n . hat sich mit besonderem Nachdruck für die Wünsche nach Durchführung der bürgerlichen und politischen Gleichberechtigung der Juden Rumäniens eingesetzt. Einzelheiten können der Öffentlichkeit vorläufig nicht mitgeteilt werden, da Teile des Friedensvertrages nicht bekanntgegeben werden sollen, bevor nicht der gesamte Vertrag unterzeichnet ist. Die Assimilation. Die jüdisch-akademische Verbindung „Nehardea“ in Basel veranstaltet zurzeit einen Vortragszyklus von Dr. Jakob Klatzkin, der mit einer Vorlesung über „Wesen und Entstehung der jüdischen Assimilation (Das Rätsel der Dauer eines zerstreuten Judentums)“ seinen Anfang nahm- In seinem Vortrag führte Dr. Klatzkin etwa folgendes) aus: „Nach der Erschütterung der jüdischen Religionsverfassung in der Aufklärungszeit wurde das lebendige Judentum durch eine Ideologie ersetzt. Im Grunde war es der nationale Selbsterhaltungstrieb, der sich gegen den drohenden Zerfall der jüdischen Gemeinschaft wehrt und an ihre Stelle einen Ideenkomplex setzte. Da diese Ideologie — die Ideen des Monotheismus, des Messianismus, der

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