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Das jüdische Echo · 1918-04-19 · 16 (19.4.1918) · p. Seite 180

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
16 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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180 Das Jüdische Echo Nr. 16 los Mrarint „S'd)aott=3töfli niöildir m fmifnlfiii Organtfatton rein europäifcf) 3foliert)äufer für Anftecftenbe ^ödjftc Anerkennung aller 35eljörberi Aufnahme unterfctytebslos für Alle Alan forbere bie 33ebingungen ein. ümnliri bittet für feine ©efdjäftsieitung: Frankfurt«.Al. ^oftfcbeckkonto Ar. 7785 3rkft. o. Al. #ält ftdj für gemiffenbafte Uebernabme non Stiftungen empfohlen! betten — 3imnter — 3ol)räeit — ©ebenktafel — Stiftungen. Briefe gu richten nach Abberbergroeg 63. Gesetz, dessen eines Antlitz: Staatsgesetz, dessen andres: Religionsgesetz heißt, und das es neben den Gesetzen der Länder, in denen es lebt, aus uralter Zeit bis in die Gegenwart hinübergerettet hat, macht es zu der historischen Einheit, als die wir es noch heute sehen. Und wie sein Volkstum verschieden ist von dem der andren Völker, so ist auch Israels Volksideal und Volkshoffnung unvergleichbar. Seit 2000 Jahren als Zuschauer hineingestellt in das Schicksal der andren Völker, seit 2000 Jahren sehend, wie die Beziehungen dieser Völker auf dem Prinzip gegenseitigen Mißtrauens und gegenseitiger Eifersucht, auf dem Willen zur weltlichen Macht aufgebaut sind, sehnt es sich noch immer nach seinem eignen Reiche: einem Reiche nicht der weltlichen, sondern der geistigen Macht. Als die Bewegung, die wir als „Zionismus“ kennen, auftrat und mit gewaltigem Nachdruck die Juden aller Länder auf ihre nationale Verbundenheit und ihre nationale Heimat hinwies, trug sie, soviel „Europäisches“ sie auch bare, dennoch sofort ein Merkmal, das sie von jeder nationalen Bewegung andrer Völker unterschied: sie baute die Hoffnung auf ihr Gelingen nicht auf die Kraft von Schwertern und diplomatischer Berechnung, sondern auf den Gerechtigkeitssinn der Völker. Von der internationalen Diskussion der Judenfrage erwartete die zionistische Bewegung die Lösung der Judenfrage, die Wiedereinsetzung der Juden in ihre alten Rechte durch ein internationales Tribunal. Und je reifer der Zionismus wurde, je mehr seine Träger auf dem Grunde ihres Europäertums das in ihnen fortwirkende Judentum anerkannten, desto tiefer durchdrang sie die Überzeugung, daß die Rückkehr nach Palästina und die Wiederbesiedlung des Landes sich nach andren Gesetzen vollziehen müsse als die Besitzergreifung andrer Länder durch andre Völker sich jemals vollzogen hat, daß diese Rückkehr durch den Willen aller Regierungen nach Gerechtigkeit gegenüber dem jüdischen Volke verbürgt sein müsse. Inzwischen sind Zeiten heraufgezogen, in denen „Gerechtigkeit“ zu einem leeren Wort wurde, in denen die Nationen in ihre Selbstsucht verstrickt, die höchsten Menschlichkeitsideale nur dazu benutzen, um ihrem Machtwillen ein kleidsames Mäntelchen umzuhängen. In dieser Zeit, in der alle Freiheitshoffnungen Unerhörter zu einem Objekt zur Vergrößerung der Machtsphäre der einzelnen Regierungen wurde, ward auch der Zionismus zum „Objekt“. Und gerade diese Zeit ist es, die seine Wünsche erfüllen will. Soll der Zionismus die Hände, die sich ihm helfend entgegenstrecken, zurückstoßen, weil diese beim Helfen zugleich einen Vorteil für sich selbst zu erraffen streben? Das zu tun hat er kein Recht, nachdem er sich selbst als das letzte und einzige Mittel erkannt hat. den drohenden Untergang des Judentums zu verhüten. Er hat die Pflicht, die Hände zu ergreifen, die ihm die Verwirklichung entgegenbringen, aber er hat zugleich die Pflicht, seine eigene Aufgabe nochmals zu prüfen und zu vertiefen: Ist es ihm nicht vergönnt, Palästina als Unterpfand der Völkergerechtigkeit entgegenzunehmen, so darf er sich umsoweniger in das eigennützige Interessenspiel der Völker hineinziehen und sich von dessen Geiste beeinflussen lassen; muß umsomehr danach streben, ein Gemeinwesen aufzubauen, das begründet ist auf einer Gerechtigkeit, deren Kraft allmählich über die Grenzen des jüdischen Landes hinaus auf die Umwelt einwirkt. Die Phase, in welcher der Zionismus Objekt diplomatischer Berechnungen und weltlicher Machtgelüste, in welcher er ein weltpolitischer Faktor wurde, hat Major E n d r e s in seinem soeben erschienenen Buche „Zionismus und Weltpolitik“ festgehalten. Als ein Denker von starkem praktischen Verstand und Wirklichkeitssein sieht Endres den Zionismus eingestellt in die Interessen der Völker, zeigt er ihn als einen Gegenstand würdig des Interesses seiner eignen, der deutschen Regierung. Sein Eintreten für den Zionismus entspringt seinem Willen, dem deutschen Reiche den Weg zu dessen eignem Vorteil zu zeigen; aber die Voraussetzung dieses Eintretens ist ein großes Maß von Verständnis und Wohlwollen für das jüdische Streben auf Seiten des Autors. Im ersten Teile des Buches zeigt Endres das Wesen und Werden des Zionismus, zeigt das Auftauchen zionistischer Ideen in früheren Zeiten, schildert mit warmen Worten Theodor Herzls lichtvolle Persönlichkeit und stellt in klarer Weise das Programm und die Organisation des Zionismus dar. Dieser erste Teil enthält wertvolle Informationen über Lage und Verteilung des Judentums und der zionistischen Organsiation und weist besonders auf die bedeutsame Rolle hin, die der Zionismus gegenüber den Ostjuden zu spielen berufen ist. i ijj! i Der zweite Teil enthält eine vorzügliche Schilderung der Entwicklung der Verhältnisse in Palästina, die — durch die kluge Zusammenstellung der Tabellen und Materialien — schon allein als Information über die allgemeinen Verhältnisse in Pa-

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