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Das jüdische Echo · 1918-04-12 · 15 (12.4.1918) · p. Seite 172

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
15 (12.4.1918)
Date
1918-04-12
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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172 Das Jüdische Echo Nr. 15 allem in der Frage des Kuriensystems für die Wahlen. Das Organisationsstatut sieht für die Großgemeinden zwei Kurien vor, von denen die eine aus der Intelligenz gebildet wird, und deren jede die Hälfte von Gemeinderepräsentanten wählt. Gegen diese Bestimmung haben verschiedene demokratische jüdische Organisationen protestiert und um Abschaffung der Kurien gebeten. Bei der ersten Lesung des Statuts wurde mit 4 zu 3 Stimmen das Kuriensystem akzeptiert. Bei der zweiten Lesung waren drei Stimmen, und zwar die der assimilatorischen Mitglieder der Kommission dafür, drei andere — die beiden Vertreter der Orthodoxie und Dr. Posnansky - < dagegen. Die 7. Stimme fiel fort, da der Referent für jüdische Angelegenheiten beim Kultusministerium, der sie ausiibte, als nicht stimmberechtigt erklärt wurde. Der Vorsitzende der Kommission, Rechtsanwalt Dr. Kirschrot, gab den Ausschlag für die Beibehaltung des Kuriensystems, die endgültige Entscheidung jedoch! wird erst vom polnischen Kultusminister getroffen werden müssen, bei dem schon von verschiedenen Seiten Petitionen jüdischer Organisationen um Abschaffung der Kurien eingegangen sind. Von der Lodzer jüdischen Bevölkerung wurde in dieser Angelegenheit eine Delegation aus 32 Mitgliedern bestehend an den Kultusminister gesandt, deren Wortführer, die Ratsmänner Dr. Rosenblatt und Dr. Braude nachdriicklichst auf die Schäden und die Ungerechtigkeit des Kuriensystems hinwiesen. Die Delegation wurde vom Ministerpräsidenten empfangen, dem sie gleichfalls ihre Wünsche vorlegte. Entschieden ist die Frage bis jetzt noch nicht. Montag, den 11. März, fand die letzte Sitzung der Kommission statt. Von mehreren Änderungen, die sie an der Verordnung vornahm, sei der Zusatz erwähnt, den sie dem § 3 hinzufügte. Dieser Paragraph regelt die kulturellen und sozialen Aufgaben der jüdischen Gemeinden (1. Gründung von Schulen, Seminaren, Bibliotheken und anderen Bildungsinstitutionen; 2. Fürsorge für die arme jüdische Bevölkerung durch Unterstützung jeder Art und Gründung von Hilfsinstitutionen). Die Kommission fügte nun folgende Bestimmung hinzu: „Falls die erwähnten Aufgaben hinsichtlich der jüdischen Bevölkerung nicht durch die Regierungs- oder Selbstverwaltungsbehörden in demselben Maße erfüllt werden, wie dies hinsichtlich der nichtjüdischen Bevölkerung geschieht, und die jüdischen Gemeinden statt ihrer diese Aufgaben erfüllt, müssen die zu diesem Zweck erfolgten Ausgaben der jüdischen Gemeinde zurückerstattet werden.“ Da die Verhältnisse in Polen bekanntlich so sind, daß in der Tat die öffentlichen Körperschaften in ihrer kulturellen und sozialen Fürsorge die jüdische Bevölkerung zurücksetzen, ist diese Bestimmung sowohl prinzipiell wie praktisch von erheblicher Bedeutung. Allerdings bedarf das Statut noch der Bestätigung durch das Kultusministerium, sodaß es noch keinesfalls feststeht, ob diese Bestimmung Gesetz werden wird. Gemeindewahlen in Rußiand. Bei den jüdischen Gemeindewahlen in Kiew wurden gewählt 32 Zionisten, 7 Bundisten, 7 Vereinigte Sozialisten (Territorialisten und Sejmisten), 4 Poale Zion, 4 Orthodoxe, 2 Volkspartei (Dubnow). Ein neuer Palästina - Fonds. Eine großzügige Geldsammlung zum Loskauf palästinensischen Bodens hat die zionistische Federation in Amerika vor kurzem eingeleitet. Ein besonderer Fond, der „Geulah“-Fond, soll diesem Zwecke dienen. Für die neue Gründung ist bereits eine ausgedehnte Agitation im Gange. Der 13. Schewat wurde als Geulah-Sabbat bestimmt. In den meisten Synagogen hielten zionistische Rabbiner Predigten, die über die Zwecke und die Bedeutung der Sammlung aufklärten und zur lebhaften Beteiligung aufforderten. Feuilleton In der Fabrik.*) Er kam herein. Die großen Kessel dampften, Die Säurewässer widrigen Gestanks. Da war die Arbeitshalle breit vom Lärm Der Riemen und Getriebe wie berußt. Wie plattgedrückt, und schien sich selber .schon, Ein Riesenmühlstein, träg herumzuschwingen. Und so wie Blumen, die vom Lärm betäubt Verwelken, lechzen blasse Männer hier Und die gebrochenen, die jungen Frauen Schwatzten wie aus dem Schlafe fistelstimrnig.. Nur eines Mädchens helles Auge brach Sich im Geträufel eines Himmelsfleckchens Hoch oben, wie es zwischen morschen Latten Des Dachstuhls blaute. Kam herein Mose, der Gottesknecht, und an Gestalt Glich einem reichen Kaufmann er und heischte, Den Herrn zu sehen. Rasch ward es gewährt, Durch Gang und Polstertiire ging der Wieg Und bald saß unser Lehrer schlichten Auges Vor einem breiten, höchst beschäftigten Und sorgenvollen Mann am Schreibtisch. Kühl Und prächtig war das Zimmer, tausend Briefe Erfüllten es vieltönend, manche lose, Die andren sorglich von metallnen Krallen *) Au.s dem Gedichtbande „Das gelobte Land“ von Max Brod. Kostümfabrik F. u. A. Dirlnger München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg , grossberzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse: „Diringer München“. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. Grähte Fabrik und Verleihanstalt dieser Art In Deutschland. Vorrat von über 60000 Kostümen aus allen Zeiten u. allen Ländern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. Militär-Abteilungen- Reiches Lager In Waffen und Ausrustungen. Vollständig neuzeitlich eingerichtet und umgebaut. Spezialität; Ganze Ausstattungen für Theaterstücke u. Filmaufnahmen OflF Spezialkataloge »teilen auf Wunsch kostenlos zur Verfügung. "W

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