Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 15 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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.1_id! V- 170 Das Jüdische Echo Nr. 15 lu JUIgrtnrinr 3iiDifrtir iUaiiltfnliaiiö 54wir^rlrt“ hi Imifalrni ff Qrganifation rein europäifd) 3folierl)äufer für Anfiecttenbe #öd)fte Anerkennung alter ^etjörben Aufnahme unterfdjiebslos für Alte Alan forbere bie Aebingungen ein. Hrnkrii bittet für feine Oefcbäftsleitung: Frankfurt a Al ^5oftfct)eckkonto Ar. 7785 ^rkft. a. Al. #ält fick für geroiffenbafte Uebernabme non Stiftungen empfohlen! betten — 3immer — Sattelt — ©ebenktafel — Stiftungen. Briefe p richten nach Aöberbergmeg 63. blut geschrieben und wurde mit innerster Anteilnahme interpretiert. . Die Handlung ist kurz folgende: Ein ungarischer Graf vergewaltigt ein 17jähriges Bauernmädchen aus seinem Gutsbezirke. Um ihre Hilferufe zu ersticken würgt er sie und erwürgt sie schließlich. Die Leiche versenkt er in die nahe Theiß. Das Verschwinden des Mädchens wird bekannt. Eine Zigeunerin deutet der verzweifelten Mutter einen Traum und wahrsagt, die Juden hätten das Mädchen ermordet. Der Graf greift dieses Gerücht auf, verbreitet esi und veranlaßt den zur Untersuchung des Falles gesandten Referendar einen 13jährigen Judenjungen zu verhaften, ein Kind, das eben erst das Alter erreicht hat. das seine Aussage vor Gericht rechtsgültig macht. Unterdessen verbreitet sich in der Bauernbevölkerung der Glaube, daß ein Ritualmord vorliege. Der Junge, ein Sohn des Synagogendieners Scharf, wird durch Mißhandlung und Quälereien aller Art dazu bewogen, falsche Aussagen über den Mord zu machen. Er gibt an, sein Vater habe mit Hilfe mehrerer Gemeindemitglieder das Mädchen in der Synagoge geschlachtet, ihr Blut in Gefäßen aufgefangen und die Leiche zerstückelt. Er selbst habe das alles durchs Schlüsselloch beobachtet. All diese Angaben hält er bei der Gerichtsverhandlung aufrecht. Dort ergibt sich aber, daß eine unbeschädigte Leiche, die im Flusse aufgefunden wurde, von der Mutter und anderen Personen als identisch mit dem verschwundenen Mädchen erkannt wurde. Bei der Besichtigung der angeblichen Mordstätte stellt sich heraus, daß die Synagoge vom Schlüsselloch aus gar nicht zu überblicken ist. Diese beiden Befunde genügen, um den Juden den Freispruch zu erwirken. Moritz Scharf von seinem Vater verflucht, von der jüdischen Gemeinde ausgeschlossen, von seinem neuen Gönner, dem ungarischen Grafen verlassen, entleibt sich -selbst. Diese Handlung ist mit meisterhafter Technik dramatisch bearbeitet. Schürzung und Lösung des Knotens folgt Schlag auf Schlag. Kein Wort in diesem ganzen Drama, das nicht von Bedeutung wäre für den Fortschritt der Handlung. Keinerlei Abschweifungen ins Lyrische oder Sentimental- Rührselige. Eine streng heroische Linie bleibt in dem ganzen gewahrt. Bei sicherem Instinkt für das dramatisch Wirksame ■— doch nie ein Überschreiten der Grenze, die ins Sensationelle führt. Neben und mit dieser äußeren geht eine zweite Handlung, die das Stück in die Sphäre ethischphilosophischer Betrachtung erhebt: ein Vor- und Nachspiel im Himmel und ein Zwischenspiel von Geistern der Vergangenheit auf Erden: Gott und Satan, dann die Vertreter von Gut und Böse im nationalen Sinn, der Prophet Elias, der Vorläufer des Messias, und Pfefferkorn, der Renegat; Rabbi Akiba, der bei dfem himmlischen Gericht das Prinzip der Gerechtigkeit vertritt, Baal Schern, das der erbarmenden Liebe. Die Einführung der symbolischen Gestalten soll wohl die im Judentum ringenden geistigen Strömungen wiedergeben. Alle übrigen Gestalten dieses Dramas sind Typen, nicht etwa Typen konventioneller Bühnenkunst, sondern solche wirklichen Lebens, von einem Psychologen gesehen, von einem Künstler skizziert mit scharfen sicheren Strichen. Daß all dies dem Hörer in deutliche Erscheinung trat, ist das Verdienst der meisterhaften Wiedergabe Maries. Er hatte sich in jede Gestalt so vertieft, jede .so durchgearbeitet, als ob er sie schauspielerisch darstellen wollte. Umso anerkennenswerter, daß er mit sicherem Takt und feinem ästhetischen Gewissen nie vom Rezitator zum Schauspieler wurde. Die vollendetste Biihnenauffiihrung hätte dem Hörer kaum einen stärkeren Eindruck hinterlassen können als die durchdachte und durchlebte Wiedergabe Maries, dem wohlverdienter reicher Beifall der tiefergriffenen Hörer zuteil wurde. Erna Str. kennen Sie bie „3ugenb" bic roeitoerbreiteteBtilndjeneriüuftriertc BJodjenfdjrift? B3enn nidjt, bann oerlangen Sie hoftenfrei eine Probenummer ober für 80 ‘Pfennig einen Probebanb, batnit Sie fid) augenfcfyeinlid) oon bent reichen Snfjalt biefer SBotfyenfdjrift für Äuttft u. $umor überjeugen. 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