Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 15 (12.4.1918)
- Date
- 1918-04-12
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 169 Kräfte der Juden ohnehin wesentlich geschwächt werden, eine große Gefahr für die Juden bedeutet. Eine Äudienz beim österreichischen Ministerpräsidenten. Am 12. und 15. März fanden beim Ministerpräsidenten Dr. v. Seid ler mehrstündige Besprechungen mit den Vertretern der österreichischen Zionisten, Abg. Dr. Straucher, Adolf Stand und Staatsbahnrat Robert Stricker statt. Gegenüber der Dezemberkonferenz, die mehr die Form eines wohlwollend aufgenommenen Memorandums hatte, bedeutete die letzte Besprechung durch die Hinzuziehung des Ministers des Innern Grafen Toggenburg eine politische Aktion hervorragender Art- Dazu haben neben der innerpolitischen Neuordnung im Osten, die äußeren Ereignisse in Palästina und die damit zusammenhängenden Erklärungen der deutschen und türkischen Regierungen wesentlich beigetragen. Für diese hatte wiederum die seinerzeitige Besprechung mit Czerniii nicht geringe Bedeutung. Die folgenden Forderungen, die zum erstenmal eine würdige Kundgebung des jüdischen Volkes in Österreich darstellen, wurden eingehend begründet: 1. Anerkennung der jüdischen Nationalität, Gewährleistung des freien Bekenntnisses zu derselben, sowie Konstituierung der jüdischen Nation durch Schaffung eines Reichsverbandes. 2. Anerkennung des Rechtes auf Erziehung cjer Jugend. 3. Vertretung der Juden entsprechend ihrer. Zahl und Steuerleistung im Reichsrat und in allen Vertretungskörpern durch Bildung von jüdischen Wahlkurien und Einführung des Proportionalsystems. 4. Vertretung der Juden im Rate der Krone und in den Ministerien, Einrichtung von jüdischen Referaten bei allen Zivil- und Landesstellen. 5. Aufhebung aller gegen den freien Gebrauch der hebräischen und jidischen Sprache gerichteten Verbote. Über diese Forderungen entwickelte sich eine lebhafte Aussprache. Die beiden Minister sagten zu, die Angelegenheit gründlich und wohlwollend zu prüfen und den ihnen vorgelegten Wünschen bei der Verfassungsrevision nach Möglichkeit Rechnung tragen zu wollen. Pessachtage im Felde. I)a es die günstige Lage bei den in Ruhe befindlichen Truppenteilen gestattete, so hat in diesem Jahre dank der unermüdlichen Vorbereitungen durch Herrn Armeerabbiner Dr. Gradenwitz (Tarnowitz) in diesem Lande, wo der Friedensschluß nur noch formell aussteht, in einer der mittleren Städte eine mehrtägige Feier des Pessachfestes abgehalten werden können. Der erste Sederabend sah neben ungefähr 250 deutschen Soldaten aller Kontingente und etwa 40 Österreichern noch 50 russische und 25 rumänische Kriegsgefangene vereinigt. Nach dem einleitenden Gottesdienst in der großen Synagoge des Ortes, dem die Teilnahme des einheimischen Kantors eine besondere, schon klanglich interessante Note verlieh, hielt Herr Rabbiner Dr. Graden witz in wun- VEREIN BNE JEHUDA. Samstag, den 13. April im Augustinerbräu, Neuhauserstr. 16/1, abends präzis 8Va Uhr PEREZ-A8END DieGedächnisrede hält Herr Ing. ABRAMS.ON. Vorlesungen aus seinen Werken von Herren ALEXANDER ELIASBERG, PAUL GRÜNBAUM und J. NEUWIRTH. Gäste willkommen! dervoll anheimelnder Stimmung den Seder ab. Wie wurde durch Vortrag und passende Erläuterungen der altvertraute Inhalt der Haggadah wieder lebendig! Man konnte auf allen Gesichtern die Freude über dies tief-bedeutsame Erleben ab lesen, die bei einzelnen besonders gesteigert wurde durch das unvermutete, und daher doppelt herzlich empfundene Wiedersehen mit alten Bekannten. Im gleichen Geiste verbrachten wir die folgenden Gottesdienste und auch die zweite Sederfeier. Dazu kam das im ganzen herzliche Verhalten der einheimischen Juden, die gerne Quartier gewährten. Ihr gesamtjüdisches Interesse kam gelegentlich einer als kameradschaftliche Besprechung der augenblicklichen Lage der Juden gedachten Veranstaltung am 2. Feiertage in der kleinen Synagoge zutage. Die zahlreiche Beteiligung seitens der deutschen und österreichischen Kameraden und ihre ungeteilte Aufmerksamkeit bewies den Veranstaltern, wie stark das Interesse für die neuesten Entwickelungen im Judentum auch bei deutschen Juden gewachsen ist. Nach einem Referat, das insbesonders die Einigungsbestrebungen in allen Ländern wo Juden leben, betonte, aber die politischen Folgen der Neuordnung im Osten und die diplomatischen Vorzüge in Bezug auf Palästina ebenfalls vor Augen führte, zeitigte eine Aussprache unter Leitung des Herrn Dr. Brunn (des ehemaligen Leiters der Nathan Strauß’schen Stiftung „Gesundheitsamt“ in Jerusalem), der z. Ztals Bakteriologe an einem deutschen Kriegslazarett tätig ist, die innere Beschäftigung mit diesen Fragen außerordentlich fördernde Ergebnisse. Noch lange wird diese Anregung in den Meisten der Teilnehmer wirken und ihre gesamtjüdische Gesinnung sitärken. Nach einem mit berechtigten Dankesgefühl für die große Mühe, die Herr Rabbiner Dr. Graden wi tz zum vollen Gelingen der Feier und zur Erlangung der Ernährungsmöglichkeit — in diesen Zeiten nicht leicht zu überwindende Schwierigkeiten! — - aufgewandt hat, abgeschlossenen Gottesdienste am 2. Tage gingen die Teilnehmer auseinander, um sich nach Möglichkeit bei den letzten beiden Feiertagen wieder zu vereinen. Im Felde. Theo Harburger. Ärnold Zweigs „Ritualmord in Ungarn“ Vorlesung in den Münchener Prinzensälen am 7. April 1918. Der Abend, an dem Arnold Marie vor einem geladenen Publikum Arnold Zweigs Drama „Ritualmord in Ungarn“ las, bot einen künstlerischen Genuß, wie man ihn vollendeter und reiner nicht leicht zu hören bekommt. Das Werk ist mit Herz-