Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 14 (5.4.1918)
- Date
- 1918-04-05
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138260--02012-9074834- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
158 Das Jüdische Echo Nr. 14 antisemitischen Neigungen rumänischer Kaufleute nie zu ernsten Reibungen aus geschäftlichen Gründen, zwischen diesen und ihren jüdischen Berufsgenostsen gekommen ist. Die Juden bilden nicht nur den kleinen Kaufmannsstand, der im Schweiße seines Angesichts und im Kampfe gegen vielerlei widrige Umstände das Brot für sich und die Seinen erwirbt — sie spielen auch unter den Großhändlern eine ehrenvolle Rolle und sind als Steuerzahler von großer Bedeutung für den Staatssäckel. Aus dem letzten Bericht der Jassy er Handelskammer, deren Wirkungskreis die Bezirke Jassy, Neamtz, Roman und Vaslui umfaßt, die stark von jüdischer Bevölkerung durchsetzt sind, erfahren wir, daß der für Rumänien so wichtige Getreidehandel in diesen Bezirken, die ganz hervorragend an der Getreideproduktion beteiligt sind, soweit die Produzenten nicht mit den Brailaer Exporteuren (zum Teil auch Juden) abschließen, von 25 ausschließlich jüdischen Firmen betrieben wird. Auch im Bankfach nehmen die Juden eine bedeutende Stellung ein. Das älteste Bankhaus in Bukarest gehört der Familie Haifon, die spanische Juden sind. Der Kundenkreis des Hauses Haifon besteht aus den angesehendsten Bojarenfamilien der Wallachei. Es gehören dazu: Alexander Marghiloman, der verschiedenemal Justizminister war und zu den Reichsten des Landes zählt, Peter Carp, für die Geschäfte, welche er in der Wallachei hat usw. Nicht zu vergessen ist, daß die größte rumänische Privatbank, Marmorosch, Blank & Co., von Juden gegründet ist. Die Forderung, daß die Juden Rumäniens gegen die Unterdrückung in Schutz genommen werden, ist nicht geboren aus dem Haß gegen die Rumänen, sondern sie entspricht den deutschen Interessen. Das Judentum ist eine starke und hochgezüchtete Rasse, die, sofern sie treu dem Gesetze ihrer Väter lebt, einen an völkischer und sittlicher Kraft bedeutenden Machtfaktor darstellt. Wir sehen in ihnen eine Rasse, die sehr wohl geeignet ist, gerade im Osten eine Vermittlerin des deutschen Handels nach dem Orient zu sein. Unsere Zukunft liegt in den nächsten Jahrzehnten im Osten, politisch und wirtschaftlich. Dort bieten sich uns gewaltige Erfolgsmöglichkeiten. Aber überall werden wir wieder auf die Juden stoßen und ihre Vermittlung im Handel und Verkehr nie dauernd entbehren können. Noch einmal bietet sich die Gelegenheit, die Rumänen zu einer nicht bloß formalen, sondern auch dem Geist entsprechenden Auslegung des § 44 zu zwingen. Es kann uns keineswegs gleichgültig sein, ob in der Zukunft in Rumänien die Strömungen, die der Entwicklung eines freien Judentums hinderlich sind, beseitigt werden oder nicht.. Ein starkes Judentum, welches von Dank erfüllt’ sein wird für seinen Befreier, wird ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht bilden gegen die früher oder später sich geltend machenden englischen und französischen Einflüsse gegen unsi und vor allem gegen den deutschen Handel. Umgekehrt wird aber sicher England und Frankreich sich gern der von uns im Stiche gelassenen rumänischen Juden annehmen, um sie zu benützen als Basis zur neuerlichen wirtschaftlichen Rückeroberung Rumäniens. Der deutsche Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes, von dem Bussche, hat gesagt, daß er den auf die Entwicklung ihrer Kultur und Eigenart gerichteten Wünschen der jüdischen Minderheiten volles Verständnis entgegenbringen und zu wohlwollendster Unterstützung dieser Bestrebungen bereit ist. Deutschland wird sich durch energisches Einsetzen für die volle tatsächliche Emanzipation der rumänischen Juden die Dankbarkeit und Anerkennung des Judentums der Welt erwerben. Es gibt keine bessere Widerlegung der Verleumdungen unserer Feinde, die uns1 Unterdrückung der kleinen und schwachen Völker andichten, es gäbe keinen besseren Beweis dafür, daß unser Schwert allein für Kultur, Freiheit und Wohlfahrt der Welt kämpft, als das Eintreten des Reiches für die Rechte der unterdrückten Minoritäten in Rumänien. Diese Forderung muß man erleben: man muß sie besonders erleben in dem jetzigen Augenblicke, da Marghiloman zum Ministerpräsident in Rumänien ernannt wurde. Denn mit ihm sind die Hoffnungen auf eine politische und soziale Gleichstellung der Juden um ein gut Stück gesunken. Es verlangt niemand, daß wir in unserer Politik uns von Sympathien leiten lassen, auch nicht von der Sympathie für die Juden in Rumänien. Aber lernen wir von unseren Feinden, lernen wir wir vor allem aus der englischen Judenpolitik und wir werden finden, daß wir nur deutsche Interessenpolitik treiben, wenn wir für die Besserstellung der Juden in Rumänien eintreten. Zeigen wir uns hier schwach, dann wird sich das bitter rächen und zwar rächen an unserem deutschen Handel. Möchten diejenigen, die gegenüber Rumänien jetzt schon wieder zu allerlei Konzessionen bereit sind, zu einem Entgegenkommen oder Nachgeben in Fragen die uns vielleicht jetzt nur indirekt interessieren, nie des Tages fluchen müssen, an dem dies geschah, mögen nie die Geister unserer Tapfern und Tapfersten, die die rumänische Erde deckt, als Ankläger vor sie treten müssen, um daran zu erinnern, daß der Vertragsbruch Rumäniens, die Politik des Größenwahns schuld ist, wenn sie in fremder Erde nun ruhen. Palästina, die Juden und der Sozialismus. In Heft 7 der „Sozialistischen Monatshefte“ beschäftigt sich der bekannte Schriftsteller Hermann Kranold in einem Aufsatz betitelt „Die Zukunft Palästinas“ mit der aktuellen Frage. Nach einer Würdigung der Regierungserklärungen zugunsten des Zionismus stellt er die folgenden Betrachtungen an: Seit seiner Vertreibung aus der alten Heimat hat das Judentum schwere Schicksale durchmachen müssen. Es ist im Lauf der Zeit heimatlos über die Welt zerstreut worden. Das Schlimmste an seinem Schicksal war aber, daß es, wohin es kam, obwohl in der Minderzahl, doch ursprünglich den kulturell überlegenen Bevölkerungsteil darstellte. In Spanien, in den Niederlanden, im alten Deutschen Reich, namentlich aber in Polen und in Rußland: überall war es eine durch Intelligenz und Bildung hervorragende Minderheit, der die herrschenden Nationen oder Regierungen stets sobald wie möglich weitgehende Beschränkungen auferlegten. Die Machtquelle dieser Herrscheruationen war der Besitz von Grund und Boden; ihren eigentlichen Ausdruck fand deshalb diese Herrschermacht auch in der Ausbildung einer feudalen Aristokratie. Diese und die, je länger desto