Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 13 (27.3.1918)
- Date
- 1918-03-27
- Page
- Seite 148 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Das Jüdisch» Echo Nr. 13 tensdv wieder beginnen. Die Veränderung in der Stadt ist geradezu unglaublich, wie ein Wunder. Der Handel, der die ganze Zeit stockte, entwickelt eine fieberhafte Tätigkeit. Man glaubt, daß in ganz kurzer Zeit die Lebensbedingungen dieselben sein werden, wie vor dem Krieg. Auch die Bahnverbindung mit Ägypten soll bald fertig sein. Welt-Echo Pessacliurlaub für Soldaten. Die Urlaubseingabt des hiesigen Rabbinats an das Generalkommando ergab, daß alle Militärpersonen der 1. Armee, soweit sie nicht unbedingt für militärische Zwecke nötig sind, für die beiden Sederabende beurlaubt sind. Der Antisemitismus in der Vaterlandsoartei. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte an Großadmiral v. Tirpitz die Anfrage geri'chtet, wie er sich zu einigen antisemitischen Vorkommnissen innerhalb der Vaterlandspartei stelle. Hierauf antwortete Tirpitz, er könne nur lebhaft bedauern, wenn der Name „Vaterlandspartei“ gelegentlich von antisemitisch gesinnten Herren mißbraucht werde. Er werde nochmals den Landesvereinen gegenüber die grundsätzliche Stellung der Vaterlandspartei in dieser Frage betonen. „Ich würde dankbar sein,“ so schreibt Tirpitz, „wenn sie mir alle Vorfälle dieser Art mitteilen wollten, denn unseren Satzungen widerspricht es ganz direkt, wenn im Dienste der Vaterlandspartei antisemitische Bestrebungen sich geltend machen. Der Vorstand würde derartigen Ausschreitungen stets entgegentreten, wenn sie im Dienste der Vaterlandspartei geschehen sollten.“ Vielleicht liest der Großadmiral einmal das im Dienste der Vaterlandspartei stehende Blatt „Deutschlands Erneuerung“. Bericht aus Rußland. In vielen Städten Rußlands fanden während des Rückzugs der Truppen Pogrome statt. An der Front wird ein Selbstschutz organisiert. Die Gesellschaft zur Entwicklung des jüdischen Handwerks, zusammen mit der Vereinigung jüdischer Soldaten, beschloß im Zusammenhang mit der Demobilisierung ein Hilfswerk zu organisieren. Es sollen Arbeitsbureaus, Handwerker-Institutionen und Kurse für ehemalige Soldaten und zurückkehrende Gefangene eröffnet werden. Die Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks arbeitet an einem Plan zur Entwicklung der Gartenkultur, der feineren Bodenarbeit und Milchwirtschaft in Rußland. Den Juden wurde in der Nähe von Petersburg ein großer Bodenkomplex zugewiesen und man hat bereits begonnen, jüdische Gärten zu pflanzen. In Charkow fand eine Konferenz von Hechaluz-Vertretern aus 21 Städten Rußlands statt. Die Mitglieder des Hechaluz sind verpflichtet, auf die erste Aufforderung des Komitees hin nach Palästina zu übersiedeln und sich dem Komitee für drei Jahre zur Verfügung zu stellen. Sie bereiten sich schon jetzt darauf vor, sich in Palästina der hebräischen Sprache zu bedienen. Der Hechaluz bereitet alle seine Mitglieder für alle Zweige der palästinensischen Aufbauarbeit durch produktive und kulturelle Tätigkeit vor. In Odessa wurde eine Hechaluz-Schule für 75 Schüler auf einer Strecke von 75 Deßjatinen Boden eröffnet. Die Schule steht unter Leitung des Agronomen Sußmann. Ein provisorischer jüdischer Nationalrat für Ruß. land. Da der von den Volksbeauftragten verhinderte russisch-jüdische Kongreß verschoben worden ist, sind alle Parteien übereingekommen, einen provisorischen jüdischen Nationalrat für Rußland zu organisieren, der bis zum Zusammentritt des jüdischen Kongresses die Vertretung der Interessen des russischen Judentums übernehmen wird. "J*' Aufruf. Wir errhalten den folgenden Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung: Zum Zeichen der dauernden Erinnerung an unseren in der Fülle der Arbeit, an der Schwelle der Verwirklichung dahingegangenen Führer Dr. E. W. Tschlenow hat das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation den Beschluß gefaßt, in Palästina eine Kolonie zu gründen, die im Lande unserer Zukunft für Tschlenows Namen eine sichtbare Stätte sein wird. Die Kolonie Dr. Tschlenows wird die erste sein, die nach der Wiederkehr friedlicher Zeit auf Initiative der Zionistischen Organisation und im Zusammenwirken des gesamten Judentums in Palästina erstehen wird, erbaut und1 vollendet nach den Grundsätzen, in denen wir die großzügige Arbeit der Zukunft planen. Wir haben dem Jüdischen Nationalfonds den Auftrag gegeben, die Kolonie Tschlenows zu errkhtenl Wir verlangen lim Einvernehmen mit dem Jüdischen Nationalfonds von der gesamten Zionistischen Organisation die Aufbringung von einer Million Franken, im Rahmen der Nachlah-Aktion zum Erwerb des notwendigen Bodens. Der Grund und Boden der Tschlenow-Kolonie bleibt wie aller Grund und Boden, den der Jüdische Nationalfonds erwirbt, für ewige Zeiten Gemeinschaftseigentum des jüdischen Volkes. Wir haben den Jüdischen Nationalfonds beauftragt, der Öffentlichkeit bekanntzugeben, welche Einzelheiten bei der Aktion für die Errichtung der Kolonien zu beachten sein werden. Wir fordern nunmehr alle unsere Verbände auf, sich mit voller Kraft für die Tschlenow-Kolonie einzusetzen. Jede Einzel-Aktion einer Gruppe für die Ehrung des Andenkens Dr. Tschlenows, die nicht dem großen Zweck der Sicherung der Tschlenow-Kolonie gilt, soll unterbleiben, damit die Einheitlichkeit und Großzügigkeit der Arbeit nicht gestört wird. In kurzer Zeit muß der Fonds gesammelt werden, der notwendig ist, um Tschlenows Andenken in Erez-Israel ein ewiges Denkmal zu setzen.* Das Engere Aktionskomitee der Zionistischen Organisation. War bürg. Jacobson. Hantke. literarisches Echo Ein Buch über die Judenpolitik der rumänischen Regierung. Das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation gibt ein Buch „Die Judenpolitik der rumänischen Regierung“ von Dr. S. Bernstein in deutscher, französischer und englischer Sprache heraus. Die Schrift behandelt den Vernichtungskampf, den die rumänische Regierung seit 50 Jahren gegen die jüdische Bevölkerung Rumäniens führt und bringt eine Fülle, in der großen Öffentlichkeit bis-