Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 13 (27.3.1918)
- Date
- 1918-03-27
- Page
- Seite 147 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 147 Die Lage in Palästina. Dem „Jüdischen Korrespondenzbureau“ im Haag wird unterm 17. Dezember aus Jerusalem geschrieben: „Gewiß brachte Ihnen der Telegraph längst die Mitteilung, daß Jerusalem von den Engländern genommen wurde. Jeder, der diese Zeit hier miterlebte, wird sie zu der unvergeßlichsten seines Lebens rechnen. Die Stadt und ihre Bewohner hatten in der letzten Zeit unerträgliches zu leiden. Armut, Hunger, das Stocken jedes Verkehrs und die Lahmlegung des gesellschaftlichen Lebens waren ja nicht mehr neu. Dazu kamen aber in letzter Zeit Verfolgungen, Verhaftungen und Ausweisungen, die sich hauptsächlich gegen die jüdischen Führer und Beamten richteten. Noch vor einer Woche hatte man die Direktoren des Bezalel, des Seminars, der Bank und die wenigen uns gebliebenen Ärzte verhaftet und nach Damaskus transportiert. Dr. B. wurde schon vor einem Monat aus seiner Arbeit, die für die Stadt so wichtig war, herausgerissen und mußte mit den Türken Jerusalem verlassen. Dr. Thon und Hoofien waren auch ausgewiesen, doch gelang es ihnen im letzten Augenblick, hier zu bleiben. Die Bevölkerung war so eingeschüchtert, daß sich fast niemand mehr auf die Straße wagte. Fast einen Monat tobte der Kampf dicht vor der Stadt, zwischen den Bergen und auf den Höhen. An den Kanonendonner war man fast schon gewöhnt. Noch in den letzten Tagen hatte man die jüdischen amerikanischen Untertanen gefangen genommen und sie gezwungen, die Stadt zu Fuß. zu verlassen. Am Freitag abend, den 22. Kislev (7. 12.) setzte eine furchtbare Kanonade ein, die die ganze Nacht andauerte und sich am Samstag zu größter Heftigkeit steigerte. Am Samstag morgen erfuhr ich, daß auch eine Liste der sozial arbeitenden Frauen angelegt wurde, die von der Polizei in den nächsten Tagen ausgewiesen werden sollten. Ich fing daraufhin schweren Herzens an, Vorbereitungen zur bevorstehenden Abreise zu treffen. Frau Dr. Th. sagte mir an diesem Morgen: „Es ist alles verloren, nur ein Wunder kann uns noch retten.“ Ich sagte: „Morgen Abend ist zwar Chanuka, aber die Zeit der Wunder ist längst vorüber.“ Der Samstag war fürchterlich. Es krachte und donnerte als ob die Hölle losgelassen sei. Daß in der Stadt kein großes Unglück passierte, kam nur daher, daß die Engländer aufs äußerte bemüht waren, die Stadt zu schonen. Einige Bomben fielen zwar doch hinein. Eine Bombe war in das gegenüberliegende, vielleicht 4 Meter entfernte Mädchenwaisenhaus gefallen, ohne aber besonderen Schaden anzurichten. Ich ging dann aus, da es doch im Hause zu ungemütlich war. Das Schießen ließ keine Sekunde nach. Auf den Straßen traf ich nur verstörte Menschen aus den äußeren Stadtteilen, die ihre Wohnungen verlassen mußten und nun mit ihrem „Päcklach“ Obdach suchen gingen. Viele flüchteten sich in die alte, innere Stadt, wo es im Schutze der alten Stadtmauer und der dicken Gewölbe relativ auch am sichersten war. Ich kam auf meinem Weg bis zur Jaffastraße, als sich mir ein unerwartetes Bild bot: Die ganze türkische Armee, auf dem Rückzug begriffen. Ruhig und in voller Ordnung wälzten sich die Scharen die Straße herab. Es regnete und war bitter kalt, und die armen Soldaten konnten einem leid tun. Das Bombardement ging jedoch unaufhörlich weiter. In der Nacht schlief ich bei einer befreundeten Familie. Keiner wollte allein bleiben. Wir legten uns angekleidet schlafen, obgleich an Schlaf nicht viel zu denken war. Die Schüsse, die Tritte des abziehenden Heeres und der fallende Regen bilden eine zugleich aufregende und melancholische Musik. Um Mitternacht hörte das Schiessen auf, u. am nächsten Morgen fanden wir uns zu unserer Verwunderung alle noch lebendig wieder zusammen. Draußen lachte ein strahlend blauer Himmel. Es herrschte die tiefste Stille. Da war kein Zweifel mehr: Die ganze türkische Arme war weg. Auch der Pascha mit dem Polizeipräfekten hatte in der Nacht die Stadt verlassen. Von den Dächern sah man nun auch die Engländer, die man bisher nur gehört hatte. Sie näherten sich in langen Zügen der Stadt. Um 9 Uhr begab sich der Bürgermeister, dem man eine weiße Fahne vorantrug, vor die Stadt. Dort kam ihm ein englischer Parlamentär entgegen und die Stadt wurde übergeben. Kurze Zeit darauf sprengten die ersten englischen Reiter in Jerusalem ein. Auf den Straßen wogte eine Menschenmenge, wie man sie seit 3Vs Jahren nicht mehr gesehen hatte. Den ganzen Tag zogen unzählige Truppen zu Fuß und zu Pferd ein. Die Bighlanders in ihren Faltenröcken bliesen auf dem Dudelsack, die Irländer pfiffen, und die Londoner brachten ein Orchester mit. Alle Geschäfte der Stadt waren geschlossen. Am Abend dieses ereignisvollen Tages war der erste Abend Chanuka. Der Einmarsch der englischen Truppen dauerte auch in den nächsten Tagen fort. Nun haben Viele, die am Verhungern waren, Verdienst und Nahrung. Nun brauchen wir, die hiergeblieben sind, nicht mehr an Abreise denken. Im Gegenteil. Überall kann die Arbeit ungestört und inpr)«tt9tiit9 »ft 9rotf4>fcstt*0 nmfow^inetyg, adye, txm doefyfadye. umütwr^flUnionni &m Stoff, das feldpm Qrmmtmrtt, «tos über wrfö$i,dii0 rmrfofd) ftaUft drr ftdjrrfte (Bdwt&nvr. - Utor ftHrgei« anlrifr? *ricfynet, daljrr dir fidjrrftr ftmufafeastlae? drräfeft!