Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 13 (27.3.1918)
- Date
- 1918-03-27
- Page
- Seite 146 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Das Jüdische Echo Nr. 13 sation in der Ukraine einen weitgehenden Umfang an. Es entstanden große Güterverwaltungen, in deren Bereich neue Städte, Städtchen und Dörfer errichtet wurden. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fanden die Juden, die sich in der Ukraine angesiedelt hatten, in den Gutsverwaltern freundliche Beschützer. Die Juden pachteten bei den Grundbesitzern die Einkünfte der Städte wie auch ganze Güter und Dörfer. Außerdem befaßten sie sich mit der Herstellung von Kali und Salpeter, mit Fischfang, Handel usw. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts haben die Juden eine große Anzahl neuer Gemeinden in der Ukraine gegründet und siedelten sich auch in Grenzstädten und Dörfern an. Einen festen Boden haben indes die Juden dort nicht unter den Füßen gehabt, da sie unter den Fehden der polnischen Magnaten mit der kosakischen Bauernbevölkerung viel zu leiden hatten. Der jüdische Pächter geriet oft in Konflikt mit den verknechteten Bauern, bei denen er Steuern und Abzahlungen zugunsten des Grundbesitzers eintreiben mußte. Die Kosaken pflegten oft ihre ganze Wut gegen die Grundbesitzer auf die Juden abzuleiten. Auf dem Gebiet des Handels entstanden in den Städten Reibungen zwischen den Juden und. der christlichen Bevölkerung. Diese feindliche Stimmung gegen die Juden wurde für sie zurzeit des Aufstandes Chmelnitzki geradezu verhängnisvoll. Hunderte jüdischer Gemeinden wurden vernichtet, und viele tausende Juden kamen bei diesem Aufstand auf die grausamste Art um. Nach dem Zborower Vertrag, der zwischen Chmelnitzki und den Polen im Jahre 1649 geschlossen wurde, verloren die Juden das Wohn- und Pachtrecht in den Städten, in den sich die kosakischen Rotten befanden. Zwei Jahre später, nach der Niederlage Chmelnitzkis, wurde von diesem ein neuer Vertrag unterzeichnet, in dem den Juden die früheren Rechte wieder eingeräumt wurden. Die Verwüstungen der Jahre 1648 und 49 waren aber so groß gewesen, daß die Juden von den letzten Vergünstigungen wenig Gebrauch machen konnten, da in der Ukraine fast keine Juden mehr geblieben waren. Erst im Jahre 1660 begegnen wir wieder Juden in einzelnen Städten der Ukraine. Nicht minder« grausamen Prüfungen waren die Juden im russischen Teil der Ukraine ausgesetzt. Dort fing man vor allem mit der Begrenzung des Wohnrechtes der Juden an. Im Jahre 1708 verbot man den reisenden Juden den Kleinhandel, Hettman Orlik verbot den Juden 1710 das Wohnrecht in der Ukraine. Aus der Verordnung vom Jahre 1721 geht hervor, daß das Verbot nicht streng befolgt wurde. Auch spricht die Verordnung von der Vermehrung der Juden in der Ukraine, die eine Ausweisung derselben mit Ausnahme der Getauften fordert. Auch diese Verordnung scheint nicht verwirklicht worden zu sein, da sechs Jahre später ein weiterer Befehl zur Ausweisung aller Juden aus der Ukraine ergangen war. Gegen diesen Befehl trat später der ukrainische Hettmann auf, mit der Begründung, daß es im Interesse der Förderung des Handels auf den Jahrmärkten der Ukraine liege, die Juden dort wohnen zu lassen. Daraufhin wurde den Juden der Großhandel und 6 Jahre später auch der Kleinhandel in der Ukraine gestattet. Im Jahre 1739 wollte man wieder durch eine Verordnung die Juden aus der Ukraine ausweisen, aber im Jahre 1764 erwirkten die Hettmannen bei Katharina II. das Wohnrecht für die Juden in der Ukraine, mit der Begründung, daß die materiellen Interessen des Landes es erforderten. Eine praktische Bedeutung haben zwar die Maßnahmen der russischen Regierung gegen die Juden nicht gehabt, da sie zu einem unentbehrlichen Element im Lande geworden Waren. Viel günstiger war jedoch die Lage der Juden in der polnischen Ukraine, wo sie sich ökonomisch entwickelten und große Gemeinden mit bedeutenden jüdischen Bildungsstätten errichteten. Dennoch hatten sie unter den häufigen Aufständen der Kosaken gegen die Polen nicht wenig zu leiden. Die /Metzeleien wurden zu einer Landplage nicht allein für die Juden, sondern auch1 für die Polen. Als z. B. die Kosakenhorden anfangs des 18. Jahrhunderts Belozerkow einnahmen, metzelten sie die jüdische wie die polnische Bevölkerung der Stadt nieder. Im 19. Jahrhundert ging bereits die ganze Ukraine an Rußland über. Vielerorten wurden jüdische landwirtschaftliche Koüonien dort gegründet. Die Pogrome hörten jedoch nicht auf, obwohl sie nicht mehr den früheren grausamen Charakter trugen. Auch juridisch und ökonomisch hat sich die Lage der Juden in der Ukraine verbessert. Bis auf den heutigen Tag spielen die Juden im ukrainischen Handel eine äußerst wichtige Rolle. Wenn sie in ökonomischer Hinsicht zum Teil besser als in anderen Gebieten Rußlands gestellt ist, so hatten sie doch unter dem Druck der zaristischen Gesetzgebung in mancher Hinsicht viel zu leiden. _ Hoffentlich werden die Juden in der erneutem selbständigen Ukraine recht bald gleichberechtigte Bürger des Landes werden. Wir bitten unsere geschätzten Leser, bei Einkäufen unsere Inserenten geil, zu berücksichtigen. Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg., grossberzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. FllJalbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München.— Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse: „Diringer München*. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. GrSbto Fabrik und Voriolhanstalt diaaor Art In Doutachland. Vorrat von ubar 60000 KoatSntan aua allan Zalton u. allan LSndorn. Gotronnta Harron-, Dämon-, Kindoru. MllltSr-Abtollungon. Rolohoa Lagor In Waftmn und Auaruatungon. 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