Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 12 (22.3.1918)
- Date
- 1918-03-22
- Page
- Seite 130 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Nr. 12 Das Jüdische Echo Herr Dr. Loewenstein nicht nur die Möglichkeit einer Verständigung, sondern machte den fruchtbarsten und in seinen Wirkungen' sicher einer Verständigung am besten dienenden Vorschlag eines allgemeinen jüdischen Jugendtages. Dadurch sollte der Jugend selbst die Möglichkeit gegeben werden, sich über die Grundfragen einmal in jugendlicher Unabhängigkeit auszusprechen und aus der gewonnenen Erkenntnis mit jugendlicher Unbedingtheit die Folgerungen zu ziehen. Wir glauben nicht, daß ein solcher Jugendtag die jüdische Jugend Deutschlands von heute auf morgen zu nationaler Gesinnung führen würde; wir haben aber das feste Vertrauen, daß er allerdings die Durchsetzung des Gedankens fördern würde, daß für die jüdische Jugend die jüdische Gemeinschaft diejenige sein müsse, der sie ihre besten Kräfte zu weihen hat. In einer klugen und versöhnlichen Rede, die starken Beifall in der ganzen Versammlung auslöste, führte Herr Dr. Bube r diesen Gedanken aus. In seinem Wunsche, eine wirkliche Verständigung der Jugend zu erreichen, schlug er die Einsetzung eines Ausschusses vor, der einen derartigen Jugendtag vorbereiten sollte. Einen solchen Jugendtag hätte niemand zu scheuen brauchen, der an seine Idee und die von ihm vertretene Jugend glaubt. Trotz der scharfen Ablehnung der Einberufung eines Jugendtages durch Rabbiner Dr. Goldman n hielten die nationaljüdischen Vertreter an ihrem Vorschläge fest. Die große Mehrzahl der Redner, die gegen Schluß der Sitzung sprachen, erkannte an, daß eine Verständigung möglich sei und niemand hatte schließlich mehr das Gefühl, daß die Sitzung völlig resultatlos verlaufen würde. Lediglich die Auffassung der Orthodoxen, deren Vertreter, Herr Rosenheim- Frankfurt a. M., übrigens das weitgehendste Verständnis für die Haltung der national-jüdischen Vertreter gezeigt hatte, war zweifelhaft. Da geschah das Überraschende, daß Herr Dr. Apfel selbst die Brücke zu einer Verständigung abbrach, indem er als „Gruppenführer“ seines Verbandes erklärte, dem Antrag auf Einsetzung eines Ausschusses jetzt nicht mehr zuzustimmen. Es sei hier festgestellt, daß die nationale Gruppe nie einen Zweifel darüber gelassen hat, daß sie jede Festlegung auf ein gemeinsames Programm ablehnen und sich nur auf solche Vorschläge ein- Iassien würde, die von vornherein zu einer Mißdeutung ihtrer programmatischen Stellungnahme keinen Anlaß geben würde. Eine derartige Auffassung muß für sie solange verbindlich bleiben, als nicht überall das geforderte Primat des Judentums anerkannt wird. Das Recht der rumänischen Juden. Die Aussicht auf das Zustandekommen eines Friedensvertrages zwischen den Zentralmächten und Rumänien hat in der ganzen Welt die Frage aktuell gemacht, ob bei dieser Gelegenheit endlich der Forderung nach völliger Durchführung der Gleichberechtigung der rumänischen Juden Genüge getan werden wird. Die neugegründete „Vereinigung Jüdischer Organisationen Deutschlands“ hat ihrem Programm entsprechend den maßgebenden Stellen Vorschläge unterbreitet, die die Durchführung des Berliner Vertrages sichern sollten. In Erfüllung seiner Pflicht als Vertretung gesamtjüdischer Interessen hatte das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation sich darüber vergewissert, welche Haltung zunächst die Kaiserlich Deutsche Regierung in dieser Frage einzunehmen gedenkt, und die Auskunft erhalten, daß von ihrer Seite aus auf die Beseitigung des den Berliner Vertrag verletzenden Unrechts hingewirkt werden würde. Mit Rücksicht auf die Veröffentlichungen über den Inhalt des Präliminarabkommens hat sodann das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation nochmals die Wünsche, die den vom Gesamtjudentum im Interesse der rumänischen Juden erhobenen Forderungen entsprechen, zur Kenntnis der deutschen Regierung gebracht. Der Vorsitzende des Aktionskomitees, Professor Warburg, wurde in dieser Angelegenheit von dem Unterstaatssekretär v. d. B u s s c h e empfangen. Ferner wurde dem Auswärtigen Amt eine Denkschrift überreicht, welche die Rechtslage und die sich daraus ergebenden Konsequenzen genau umschreibt und für die Beseitigung des in der Verletzung des Art. 44 des Berliner Vertrages liegenden Unrechts konkrete Vorschläge macht. Gleichzeitig wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Juden Rumäniens auch das Recht zu gewährleisten, entsprechend ihren eigenen Wünschen ihre religiöse, kulturelle und nationale Eigenart zu pflegen und die hierfür notwendigen Formen zu schaffen. Der Reichskanzler, Graf v. Hertling und der Vizekanzler v. Payer wurden durch ausführliche Telegramme über die vom Aktionskomitee der Zionistischen Organisation unterbreiteten Wünsche in Kenntnis gesetzt und über die Einzelheiten durch Denkschriften unterrichtet. Gleichzeitig wandte sich das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation telegraphisch an den Vorsitzenden des Hauptausschusses des Reichstags und brachte so seine Forderung zur Kenntnis des Hauptausschusses. Im Zusammenhang damit fanden Besprechungen mit maßgebenden Persönlichkeiten der führenden parlamentarischen Gruppen statt. Da es nur des tatkräftigen Eintretens der Zentralmächte bedarf, um die einheitlichen Wünsche des gesamten jüdischen Volkes in der rumänischen Judenfrage zu erfüllen, darf man hoffen, daß es diesmal gelingen wird, durch entsprechende gesetzliche Bestimmungen dem seit Jahren den rumänischen Juden in Umgehung des Berliner Vertrages zugefügten Unrecht ein Ende zu bereiten. Aufruf. Während im Osten die Morgenröte des Friedens heraufdämmert, wollen unsere verblendeten westlichen Gegner die Hand zum Frieden noch nicht reichen. Sie wähnen noch immer, uns mit Waffengewalt zu Boden ringen können. Sie werden erkennen müssen, daß das deutsche Schwert die alte Schärfe besitzt, daß unser braves Heer unwiderstehlich im Angriff, unerschütterlich in der Verteidigung, niemals geschlageii werden kann. Von neuem ruft das Vaterland und fordert die Mittel von uns, die Schlagfertigkeit des Heeres auf der bisherigen stoteen Höhe zu halten. Wenn alle helfen, Stadt und Land, reich und arm. groß und klein, dann wird auch die 8. Kriegsanleihe sich würdig den bisherigen Geldsiegen anreihen, dann wird sie wiederum werden zu einer echten rechten deutschen Volksanleihe.