Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 12 (22.3.1918)
- Date
- 1918-03-22
- Page
- Seite 129 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Das Jüdisch« Echo 129 Vertretersitzung der jüdischen Jugendorganisationen Deutschlands. Die „Jüdische Rundschau“ schreibt: Am Dienstag, dem 5. März, fand auf Anregung des Herrn Rechtsanwalts Dr. Apfel, des Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, in Berlin eine Sitzung der jüdischen Jugendorganisationen statt, an der Vertreter der liberalen, orthodoxen, neutralen und nationaljüdischen Richtung teilnahmen. Es war geplant, eine „Verständigu ngs gern einschaft der jüdischen J ugendorganisationen“ zu schaffen, die neben einer Veränderung der Kampfformen u. Kampfmethoden eine Grundlage für gemeinsame Aktionen und ev. für eine große Aussprache der Jugend bieten sollte. Die Vertreter der national-jüdisehen Gruppe haben in Vorbesprechungen ihre prinzipielle Geneigtheit zu erkennen gegeben, sich an den Verhandlungen zu beteiligen und dort die Möglichkeiten gemeinsamer Arbeit mitsuchen zu helfen. Man konnte also meinen, daß die Verständigung einigermaßen gesichert sei, trotzdem die orthodoxen Organisationen zu dieser Sitzung ihre Vertreter nicht als Delegierte, sondern als Gäste teilnehmen ließen. Selbstverständlich bestand, sollte die Sitzung ein Ergebnis zeitigen, die Notwendigkeit, daß wirklich die Jugend zu Wort kam; außerdem mußte erwartet werden, daß tatsächlich die Grundlage vorhanden war, auf der eine Verständigung allein möglich sein konnte. Die erste Voraussetzung traf leider nicht zu. Es waren wieder einmal nur die „Führer“ erschienen, und die Enttäuschung war umso größer, als heute niemand sagen kann, ob und inwieweit die Jugend tatsächlich hinter ihnen steht. Aber was wichtiger war: Schon das einleitende Referat von Fräulein Dr. Cora Berliner, das die Grundlage für die weitere Aussprache sein sollte, und auf das sich die national-jüdischen Vertreter in den Vorbesprechungen nur deshalb geeinigt hatten, weil ihnen versichert worden war, daß es völlig objektiv sein und allen Standpunkten Rechnung tragen würde, war durchaus nur eine Parteirede, die in ihren prinzipiellen Teilen das übliche Programm der Assimilation in gemäßigten Formen wiedergab. Die Grundvoraussetzung für jede Verhandlung, dieAnerkennung des „Primats des Judentums“, war nicht darin vorhanden, vielmehr wurde das Gegenteil von Frl. Dr. Berliner deutlich zum Ausdruck gebracht. Waren damit die Verhandlungen eigentlich bereitsgescheitert, so waren die positiven Vorschläge des Referates noch weniger geeignet, einer Verständigung die Wegezu bahnen. Denn mochte sich auch über den einen oder anderen Punkt sprechen lassen, so mußten die national-jüdischen Vertreter es zum mindesten als einen schweren Verstoß ansehen, daß Frl. Dr. Berliner ihnen sozusagen Arbeit u. Einfluß in ihren eigenen Jugendorganisationen aus der Hand nehmen wollte. Denn wie wäre es sonst zu verstehen, daß sie vorschlug, gerade diejenige Jugendarbeit (das Turnen, das Schülerwandern, die Fürsorge für Volksschüler), die von nationaler Seite besonders gefördert wordetl war, in gemeinsame Regie zu geben? Die Antwort, die der Vertreter der nationaljüdischen Gruppe, Herr Dr. Loewenstein, gab war natürlich scharf und mußte es sein, da die einseitig parteimäßigen Ausführungen des Fräulein Dr. Berliner nur mit einer entsprechenden Darlegung des Erziehungsprogramms in nationalem Sinne erwidert werden konnten. Dennoch bejahte 11 UlitUotKn Tonnen CimfonOg: mUBnrtmfimnra /tof die (SkfreHjcil