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Das jüdische Echo · 1918-08-15 · 11 (15.8.1918) · p. Seite 119

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
11 (15.8.1918)
Date
1918-08-15
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 119 Was denn wollen Sie ihrer Familie und sich selbst als Ersatz für das geben, was Sie sich heute nehmen? Gewiß, Sie wollen sich, wie Sie mir sagten, nicht auch des Sederabends berauben, sondern ihn feiern wie in andren Jahren. Aber werden Sie Ihren Kindern auch weiter die feierliche Erwartung geben können, die sie sonst bereits inmitten all des Schaffens und Räumens der vorausgehenden Tage den Sederabend als einem hocherfreulichen Ereignis entgegensehen ließ? Und werden Sie es verhindern, daß wenn das erste Loch in das Gewebe Ihrer Tradition hineingerissen wurde, da und dort ein andres nachfolgt, bis das Ganze in Stücke zerfällt? Schon deuteten Sie mir an, daß Sie die Speisegesetze nicht mehr streng befolgen. Wie soll es Ihren Söhnen gelingen, aus den einzelnen Bruchteilen einer Tradition, die ihnen noch blieben, einen Sinn herauszufinden? Wenn Sie Ihren Kindern und sich selbst irgendeinen Ersatz für die beiseite geworfenen Gebräuche zu bieten hätten — ein vertieftes Erlebnis des Judentums, eine Erneuerung seines moralischen Gesetzes — Sie würden im Bewußtsein, daß dieses Erlebnis Sie und die Ihren aufs neue und unlöslich dem Judentum verbindet, es wagen dürfen, die Befolgung äußerer Formen als zu unwesentlich neben der Inbrunst Ihres Gotterlebnisses abzulehnen. Aber in Wirklichkeit leben Sie in einer Zeit, die dem Erlebnis des Judentums ungünstiger ist als jemals eine Zeit es war, in einer Umgebung, die Ihnen für die jüdischen Werte, die Sie fortwerfen, nicht einen neuen zu geben hat. Und so rauben Sie sich und den Ihren auch noch die Krücken, an denen Sie sich in dieser Zeit des Überganges hätten aufrecht erhalten und der neuen Zeit entgegengehen können, die uns Wiederbelebung und Umschaffung unsres Judentums zu verheißen scheint. Wirklich, Frau Miriam, Sie sollten noch einmal nachdenken. ob Sie ein Recht haben, die alten schönen Traditionen, die bisher Ihr Haus so adlig machten, aufzugeben, ohne daß Sie Ihren Kindern irgendeinen Ersatz dafür bieten können. Nur weil Sie sich scheuen, das Maß an Mühe zu tragen, das die Kriegszeit der jüdischen Frau auferlegte, und das doch so klein ist gemessen an den Mühen und Leiden unsrer Männer .... Ihre Helene Hanna Cohn. Heldentat eines jüdischen Fliegers. In Nummer 5 unseres Blattes, im Aufsatz „Die Juden als Flieger“, nannten wir auch den Namen des Fliegerleutnants Dr. Franz Rosin. Noch vor seinem Heldentod (am 4. Juni 1917) vollbrachte er folgenden Schwabenstreich, der das Interesse unserer Leser fesseln wird: „In derselben Nacht als L . . . mit Bomben heimgesucht wurde, erhielt ein deutscher Flieger den Auftrag, eine Ladung von 50 Kilogramm Dynamit auf einen wichtigen Verkehrspunkt hinter der feindlichen Front abzuwerfen. Er stieg auf, suchte sein Ziel, konnte es aber im aufsteigenden Nebel nicht erkunden und flog zurück, um eine bessere Stunde wahrzunehmen. Über der Höhe von L.... sah er Sprengpunkte von Abwehrgeschützen in der Luft und entdeckte auch deshalb das betroffene französische Geschwader. Da kommt ihm ein Gedanke: Vorsichtig hängt er sich dem Geschwader an den Schwanz und folgt ihm unbemerkt in der Dunkelheit über die feindliche Linie. Er vertraut darauf, daß man ihn für einen ausgeschickten Franzosen halten werde, und so war es wohl auch. Nicht lange, so sah er unter sich die Landungsfeuer des französischen Flughafens. Die Piloten des Geschwaders gingen im Gleitflug zur Erde, und als letzter schickte sich auch unser Flieger scheinbar dazu an. Er steuerte recht nahe über die Flugzeugschuppen hin, ließ aus geringster Entfernung, 50 Meter vielleicht nur, seine Ladung fallen, riß das Flugzeug hoch und verschwand in der Nacht. Die Sprengladung, mit 60-Sekunden-Zeitzünder versehen, krepierte genau und mit furchtbarer Wirkung.“ 25 jähriges Bestehen des Zentralvereines. Am 2. März beging der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ in der Berliner Philharmonie die Feier seines 25jährigen Bestehens. Nach einem Orgelpräludium und einem von Fritz Engel verfaßten Prolog folgte eine Ansprache des Geheimen Justizrats Dr. Eugen Fuchs. Er gab einen gedrängten Überblick über die Geschichte der deutschen Juden seit der Emanzipationsierklärung von 1812 und des Zentralvereins und betonte, daß dieser das Judentum nur als Religionsgemeinschaft anerkenne, in nationaler Hinsicht aber nur deutsch fühle. „Den Zionismus“, erklärte er weiter, „lehnen wir ab, sind aber bereit, mit den Zionisten Schulter an Schulter zu kämpfen, wo gemeinsame Ziele zu erreichen sind. Die Zionisten wiederum können gemeinsam mit uns die Abwehrkämpfe gegen Antisemiten und Renegaten führen und mit uns an der innerlichen Wiederbelebung des Judentums auf deutschem Boden mitarbeiten. Wir wollen mit ihnen ihre kulturellen und kolonisatorischen Bestrebungen für die östlichen Juden fördern und das Los der Ostjuden lindern. In der neuen Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Juden des Ostens ist bereits eine solfche Arbeitsgemeinschaft angebahnt. Wir wollen alle Richtungen zu gemeinschaftlicher Arbeit auf mittlerer Linie vereinigen. Auf demselben Grundsatz haben wir den Verband Deutscher Juden auf- und ausgebaut, der keine jüdische Partei, sondern die organisierte deutsche Judenheit sein will, die Plattform, auf der Liberale und Orthodoxe Zusammenarbeiten. Es ist sehr bedauerlich, daß sich der Einheitsfront, die wir im Verbände schaffen wollten, die „Freie Vereinigung für die Interessen ^des orthodoxen Judentums“ noch nicht angeschlossen hat.“ Der Redner führte dann aus, daß die Fragen der inneren Judenpolitik unabhängig vom politischen Parteiprogramm behandelt werden müssen und erklärte, daß auch der Verband der deutschen Juden nicht die letzte Entwicklungsstufe bedeute: „Durch den Krieg ist die Notwendigkeit entstanden, über den Rahmen der inneren Politik hinaus sich mit dem Schicksal der ausländischen Juden insoweit zu beschäftigen, als dadurch deutsche vaterländische Interessen berührt werden. In erster, Linie muß darauf hiingewirkt werden, daß den Ostjuden dort, wo sie leben, Menschenrechte verliehen werden. Der Gedanke der Abwanderung und der Umpflanzung auf fremden Boden kommt in zweiter Reihe, wenn menschenwürdige Daseinsbedingungen in

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