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Das jüdische Echo · 1918-03-08 · 10 (8.3.1918) · p. Seite 106

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
10 (8.3.1918)
Date
1918-03-08
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
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106 Das Jüdisch« Echo Nr. 10 Eine Gemeinschaft, die wohl nicht heute und morgen, aber eines Tages vollkommen werden kann, daß die Schechina sich aus dem Exil befreit. — Der Brester Friede in Ostgalizien. Es ist eine alte Erfahrung, die uns die Ereignisse des Krieges immer wieder bestätigt haben: Wenn irgendwo etwas passiert, tuts den Juden besonders weh. Die Juden in Polen, in Litauen, die russischen Juden in London, die Spaniolen in Saloniki wissen davon zu erzählen —, und jetzt ists der Brester Friede mit der Ukraine, der die Juden in Ostgalizien um Gut und Leben fürchten läßt. Sie leben dort zwischen Polen und Ruthenen oder — wie man jetzt sagt — Ukrainern, deren alte Feindschaft infolge des Streits um das Cholmer Land jäh aufgeflammt ist. In den rein polnischen Gebieten haben es die Juden für nötig gehalten, sich den polnischen Protesten anzuschliießen. In den gemischten Gebieten Ostgaliziens ist aber ihre Stellung schwierig und gefahrvoll. Sie stehen dort zwischen zwei Feuern. Ein Privatbrief, aus einer ostgalizischen Provinzstadt, der nicht für den Druck bestimmt war, aber gerade deswegen ein besonders lebendiges Bild der Lage gibt, wurde uns zur Verfügung gestellt. Wir geben die bemerkenswertesten Stellen daraus wieder: „.... Wir leben in einem Chaos. Vorige Woche haben die Polen gegen den Brester Frieden revoltiert, die Ukrainer für ihn manifestiert. Wir haben Pogrome gefürchtet, aber es ist den Polen gelungen, die Massen zu beherrschen; wir haben zwar antijüdische Aufrufe gehabt, deren Schlußzeile hieß: Wir wollen keinen Frieden der Czernin, Kühlmann und anderer Juden. Wie gefällt Ihnen das. Wen man als besonders hassenswert hinstellen will, den bezeichnet man als Juden. Zu tätlichen Ausschreitungen ist es aber nicht gekt mmen. Dafür war die polnische Kundgebung eine Revolution. Kein Eisenbahnzug, kein Telegramm ging ab, alles hat gegen Österreich manifestiert, sogar der Bezirkshauptmann, der Vertreter des Staates. Dabei sind die Polen im Bezirk weitaus in der Minderheit. Aber sie haben den ganzen Staatsapparat in der Hand. Alle Geschäfte, auch die der Juden, mußten den ganzen Tag geschlossen bleiben; sogar Post, Telegraphenamt, Apotheken und Kaffeehäuser. Am Ringplatz fand eine große Kundgebung statt. Man hat Kaiserbilder verbrannt, und die Masse hat geschworen, den Brester Frieden nie anzuerkennen und mit allen Mitteln gegen ihn zu kämpfen. So haben wir eine, wenn auch unblutige Revolution der Polen erlebt. Ich fürchte aber, es wird eine größere kommen und1 dann werden wir Juden das Bad ausgießen. In ... ist kein Jude mitgegangen, leider nicht weil diie Juden schon selbstbewußt genug sind, sondern weil die Polen es sich verbeten hatten. In Westgalizien haben die Juden mitprotestiert, in Krakau und Jarslau sollen sogar die Zionisten gegen den Brester Frieden gesprohen haben. Da wir in Ostgalizien weder mit den Polen noch gegen sie gegangen sind — und es wäre richtig gewesen, wenn wir uns überall so verhalten hätten — werden sich die Ukrainer an uns hier für die Juden in Westgalizien rächen. Sie drohen bereits. Auf jeden Fall gehen wir Juden blutigen Zeiten entgegen. Das konnte man auis den Reden der Führer beider Parteien hören. Neulich sprach hier ein bekannter polnischer Sozialistenführer und kündigte den Boykott gegen die Juden an. Er erklärte, daß der größte Teil der Juden das Land werde verlassen müssen. Die Polen müßten einen eigenen dritten Stand schaffen und deshalb müßten sie die Juden beseitigen. Was haben wir überhaupt noch zu erhoffen, wenn das die Sozialdemokraten sagen. Alledem stehen wir hilf- und ratlos gegenüber. Wir sind in den Provinzstädten ohne Führung und ohne Direktiven. Es könnte viel getan werden, wenn die jüdischen Kräfte im Lande zusammengefaßt und zu einheitlichen Aktionen gebracht würden. Aber nichts geschieht, gar nichts . . . Daß sich die sogenannten Führer nicht schämen! ...“ Die Notlage der jüdischen Bevölkerung in Galiläa. Das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation sendet uns den folgenden Aufruf: Das Hilfswerk für Palästina muß mit größtem Nachdruck fortgesetzt werden. In Galiläa und Samaria ist die ärmere jüdische Bevölkerung, besonders in Saffed und Tiberias, der schrecklichsten Not preisgegeben. Dort leben zurzeit auch Tausende der aus Jaffa evakuierten Flüchtlinge in völlig unzulänglichen Lebensverhältnisisen. Auch für Haifa und die Kolonien Chedera und Sichron Jacob ist materielle Hilfe dringend erforderlich. Wir fordern die Juden aller Länder auf, uns alle verfügbaren Hilfsgelder sofort zu übermitteln und neue Mittel für unsere notleidenden Brüder in Palästina zu beschaffen. Palästina ist selbst Kriegsschauplatz geworden und seine Bevölkerung leidet, wie in allen unmittelbar vom Kriege betroffenen Ländern, jetzt in unvergleichlich höherem Grade. Wir erwarten, daß diie im Kriege so häufig erwiesene Opferwilligkeit der Gesamtjudenschaft sich auch jetzt bewähren wird. fDie „WIRKLICHKEIT” Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. Die „Wirklichkeit“ ist die einzige politische Wochenschrift, welche von sich sagen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu Herausgeber: Karl Graf v. Bothmer, Mönchen, nehmen wie sie sind, den Sinn für das geachichtlch Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit“ hat sich ln der politisch interessierten Welt heute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für Jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrlich geworden. Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5- D „ Man verlange kostenlos Probeheft beim Verlao, München, Friedrichstr 2" Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsverzeichnis München 1216a), der Buchhandel und der Verlag. bnitz, die fL- Iterde-.'- ’ fer k..'. km, L *

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