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Das jüdische Echo · 1918-03-08 · 10 (8.3.1918) · p. Seite 105

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
10 (8.3.1918)
Date
1918-03-08
Page
Seite 105 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 105 ms JUIpmtint liWdit BranKpntratis „S'itwart^fiifr hi Irtiifaltm Organifation rein europätfd) 3folierf)öufer fürAnfteckenbe ©efääftslcttung: Sranfefurta. 3JI. #5d)fte Anerkennung oller «Bewürben <J3oftfcf)ec&&onto 9Tr. 7785 3rkft. a. 9K. Aufnahme nnterfdjtebslos für Alle #ölt fief? für geroiffenljofte Hebernobme non Stiftungen empfohlen! betten — 3imnter — Soweit — ©ebenktafel — Stiftungen. 2Kon forbere bie «Bebingungen ein. «Briefe m rieten na$ Stöberbergroeg 63. Stiftung in Wien, dann jene große Schulstiftung in Preßburg, von welcher schon im Ghetto die Rede gewesen, bestehen noch heute. Er war sicherlich derjenige aus der Branche, der in der Wiener Welt die größte Beliebtheit genoß. Er war ganz Wiener geworden, aber im Gefühl durchaus Jude geblieben, hatte den Zusammenhang mit der Gemeinde und dem Boden, dem er entsprossen, nie aufgegeben und den Preßbuger Juden selbst eine freundliche Gesinnung bewahrt. Auch das Haus, welches er reichlich, aber ohne jedes Protzentum machte, die Gesellschaft, die sich in seinen Salons zusammenfand, war wesentlich noch eine jüdische, natürlich der distinguierten Kreise. In seinem Geschäft war er ein Gegensatz zu Biedermann; während dieser grundsätzlich der Börse aulswich, weil — wie er zu sagen pflegte — nicht andere Herren seines Vermögens sein sollten, blieb Todeisco bis zu seinem Tode immer das, was er gewesen: Mann der Börse, an der er zu solchem Reichtum gelangt war. Allerdings mit dem erlangten Reichtum wurde er auch schon geschäftlich konservativer, ein Charakter, den im weiteren Verlauf auch das Haus ganz ausgeprägt gewann. (Schluß folgt.) Es gibt nur eine Hilfe. Unter dieser Überschrift brachten wir in Nr. 9 d. Bl. einen Aufsatz von Dr. Nathan Birnbaum. Durch ein Versehen der Schriftleitung wurden von unserer Nachschrift hierzu zwei Sätze abgedruckt. Zu dem Aufsatz des Dr. Birnbaum stellt die Redaktion folgende Betrachtungen an. Nathan Birnbaum rührt hier an die letzten und tiefsten Probleme der Zionsbewegung. Nicht die Frage, bis zu welchem Grade die politische Selbständigkeit des jüdischen Palästina reichen wird, bewegt am meisten die Herzen gerade der wertvollsten Zionisten; sondern das erscheint ihnen als das Wichtigste: Welchen Gebrauch die Juden von den ihnen gewährten Rechten machen werden. Als der Zionismus zuerst auftrat,- war er eine vorwiegend nationalistische Idee. Vor allem die Massen im Osten, deren äußere Lage unerträglich geworden war, sahen auf ihn als auf ein Mittel, sie aus tiefer materieller Not zu befreien. In jenen Kindertagen des Zionismus begnügten sich Tausende mit der Aussicht auf eine neue jüdische Gemeinschaft in Palästina, die weder besser noch schlechter, sondern vor allem ebenso lebenstüchtig sein sollte wie andere Volksgemeinschaften. Zwar, dem Schöpfer der Organisation schwebte schon eine Gemeinschaft vor, die durch ein wärmeres menschliches, brüderliches Gefühl verbunden sein sollte als andere Volksgemeinschaften (so wird in Theodor Herzls „Altneuland“ auf die Lösung der Negerfrage als eine der nächsten Aufgaben des jüdischen Volkes hinge wiesen); aber jenen Ersten fehlte doch noch allzusehr das Wissen um die Grundlagen der jüdischen Gemeinschaft, als daß sie ein im Geiste durchaus jüdisches Palästina hätten erstreben können. Vielleicht war es gut, daß die Hoffnungen auf eine sofortige Erfüllung der politischen Wünsche des Zionismus sich nicht sofort verwirklichten. Denn in den zwanzig Jahren, die seither verflossen sind, hat die zionistische Idee Zeit gehabt auszureifen, sich mit wahrhaft jüdischem Geist zu erfüllen und die Sehnsucht in sich anwachsen zu lassen nach einem Palästina, in dem wirklich alte jüdische Ideale von Recht, Freiheit und Menschlichkeit sich verwirklichen sollen. Vielleicht ist es auch ein Glück für die neue palästinensische Gemeinschaft, die nun werden soll, daß noch vor ihrer Erschaffung die Juden das furchtbare Erlebnis des Weltkrieges hatten, in dem isiie die Götzen europäischer Zivilisation in Trümmer fallen, die Schlagworte der Zeit sinnlos werden sahen, in dem sie sich zur Umwertung aller Werte anschicken mußte. Eine Volksgemeinschaft, die sich aus diesem Chaos herauskristallisiert, kann ja nicht den Wahnsinn begehen, in ihr Fundament alle diese europäischen Irrtümer, Torheiten und Frevel, die nun erst unter der Maske der Zivilisation zutage getreten sind, einfügen zu wollen. Sie muß ja einsehen, daß ein dauerndeis Leben ihr nur dann beschieden sein kann, wenn sie auf der Grundlage nicht des Unrechts, sondern des Rechts, nicht der Gewalt, sondern der Menschlichkeit, nicht der Hast und Gier, sondern der Harmonie von Innen- und Außenwelt beruht. Wohl stehen schwere Kämpfe bevor; das aus allen Ecken und Enden der Welt zusammenströmende Volk wird sich vielleicht erst durch einen Strudel von Unklarheit, Irrtum und Sünde hindurcharbeiten müssen, und1 selbst die Hoffnungsstärksten wagen nicht, von vornherein auf ein Palästina zu denken, das die Schechina aus dem Exil befreien kann. Wiiie wäre auch dieser jähe Sprung von der Entartung zur Vollkommenheit möglich? Aber schon sind Kräfte am Werk — und Nathan Birnbaum möge wissen, daß es starke Kräfte innerhalb des Zionismus sind, zu denen täglich neue Anhänger stoßen — welche die Scham, von der er spricht, erlebten und die mit Glut und Inbrunst dafür wirken, daß die neue Gemeinschaft, eine höhere, edlere, von wahrhaft jüdischem Geist erfüllte Gemeinschaft werde.

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